Samstag, 29. Juni 2013

Das Wort zum Lotto zocken

Das Ende einer Epoche nähert sich, und wir können es miterleben. Bald wird zum letzten Mal die Ziehung der Lottozahlen live im deutschen Farbfernsehen übertragen. Danach ist Schluss. Nicht mit Lotto, aber mit Lotto im Fernsehen. Das gibt es dann nur noch im Internet.

Schade eigentlich.

Die Ziehung der Lottozahlen in der ARD ist doch eine Institution wie die Tagesschau, das Wort zum Sonntag und einige andere regelmäßig wiederkehrende Fernsehklassiker. Gut, das Wort zum Sonntag interessiert mich nicht die Bohne. Das habe ich als Kind auch sinngemäß zu meiner Oma gesagt, als ich mal wieder bei meinen Großeltern übernachten durfte, was natürlich auch damit einherging, die üblichen Ab-ins-Bett-Zeiten gnadenlos zu überziehen. Das Wort zum Sonntag ist nun mal langweilig, schon vom Grundsatz her, für Kinder sowieso, und als zur Zielgruppe des dort sprechenden Geistlichen gehörend konnte und kann ich mich nun auch nicht zählen. Auch wenn ich damals noch nicht wusste, was eine Zielgruppe überhaupt ist.

Meine Oma fand meine Äußerung hinsichtlich des Unterhaltungswertes des Wortes zum Sonntag wenig angemessen und klärte mich dahingehend mit einem nicht zu überhörenden Vorwurf in der Stimme auf, daß der Herr aus dem Fernsehen beim Wort zum Sonntag über Jesus spricht. Ok, mit dem Namen konnte ich was anfangen, aber wirklich spannender wurde die Sache damit auch nicht. Doch zeigte ich mich ausreichend reumütig, bekannte meine diesbezügliche Unkenntnis (ich hatte ja noch nie wirklich hingehört) und gelobte Besserung und beließ es im Weiteren dabei. Auch in den Folgejahren meiner körperlichen und geistlichengeistigen Entwicklung würde das Wort zum Sonntag nicht interessanter für mich werden, soviel sei an dieser Stelle schon verraten.

Nun ist die Ziehung der Lottozahlen für mich auch nicht einer der spektakulären Höhepunkte im Fernsehen. Ich bin kein Lottospieler und setzte immer wieder auf die zu vermutenden Millionengewinne meiner Eltern oder Schwiegereltern. Insbesondere bei Letzteren warte ich auf den erlösenden Anruf. Da ich – so wird auch bei meinen Schwiegereltern vermutet - derjenige im Hause Paterfelis bin, der wohl den besseren Umgang mit Bar- und Buchgeld hat, erklärte meine Schwiegermutter einst, daß ich der erste sei, der von dem Millionengewinn und dem für uns anfallenden Anteil erfahren solle, danach erst meine Angetraute. Tja, jetzt wird es immer interessant, wenn insbesondere sonntags ein Anruf meiner Schwiegermutter unsere Ruhe stört und selbige mich statt der zweitbesten Ehefrau von allen zu sprechen wünscht. Die erlösenden Worte blieben bislang allerdings aus. So langsam vermute ich einen teuflischen Plan dahinter.

Wie gesagt, bin ich selbst kein Lottospieler. Ich habe mich noch nicht mal an den Verzweiflungs-Wahnsinns-Befreiungs-Lottospielrunden im Büro beteiligt, wenn nahezu die komplette Mannschaft, allen voran Herr Graumann als unser damaliger Fachbereichsleiter, einen gemeinsamen Schein mit allen erdenklichen Extras und Zubehörteilen ausgefüllt hat, um dann im Erfolgsfall ebenso gemeinschaftlich kündigen zu können. Es ist überflüssig zu erwähnen, daß seitdem niemand von uns gekündigt hat, weil er plötzlich über zu viel Geld auf dem eigenen Konto verfügen konnte.

Herr Graumann allerdings ist vorzeitig in den Ruhestand gegangen und erfreut sich dennoch des Besitzes eines Hauses, zweiter Autos und eines kleinen Privatzoos. Außerdem ist er verheiratet. Jetzt, zu dem Zeitpunkt, an dem ich diese Worte schreibe, fange ich an, über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken…

Ein einziges Mal bin ich aber doch weich geworden. Im Rahmen einer Sonderverlosung konnte man einen VW Corrado gewinnen. Der Wagen war mir einst ans Herz gewachsen, und ich würde ihn auch heute noch gerne besitzen. Also füllte ich brav den Schein aus und was geschah? Nichts. Gar nichts. Niemand von der Lottozentrale meldete sich bei mir. Ich habe keinen Corrado gewonnen, habe von einem Modell im Maßstab 1/87 abgesehen keinen Corrado gekauft und bin im Zusammenhang mit einem Corrado auch nie über ein Probesitzen beim Autohändler hinausgekommen. Dabei hatte ich meinen Namen und die Anschrift doch ausgesprochen deutlich auf dem Schein notiert. Sehr ärgerlich, aber ich ließ mir zwischenzeitlich sagen, daß sich die Corrados heute zwar vergleichsweise günstig von Sammlern erwerben, doch nur noch zu exorbitanten Preisen versichern lassen. Ich bin immer noch sehr enttäuscht und betrübt.

Aber deswegen muß man doch nicht gleich die Übertragung der Ziehung der Lottozahlen einstellen.


Kommentare:

  1. Wie - die Ziehung der Lottozahlen wird im TV eingestellt? Schon wieder ein Stück Kindheit, dass verloren geht. Wenn die kamen, musste ich Samstags ins Bett. Ohne wenn und aber. Leider hat sich das auf meine Psyche niergeschlagen und ich werde heute genau zur Ziehung so müde, dass ich auf dem Sofa einschlafe. Lottozahlenphobie, die mit Schlaf bekämpft werden muss. In Zukunft werde ich wohl weiter schlechtes Fernsehen schauen müssen. Mist!

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  2. Nun ja, wo auf einmal gutes Fernsehen herkommen soll, weiß ich auch gerade nicht.

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