Donnerstag, 20. Juni 2013

Das Beet

Hinter dem Haus befindet sich ein Teilstück unseres Gartens, den wir nicht als Steingarten gestalten lassen konnten. Das Gelände ist zu steil, die Steine würden niemals halten.  Im Rahmen unserer Gartengestaltung wurde dieses ursprünglich mit einer Rasenfläche versehene Teilstück zu einem Beet mit Kirschlorbeerpflanzen und einer Zierkirsche umgewandelt. Es sieht auch ganz hübsch aus.

Parallel dazu befindet sich der Zugang zum Nachbarhaus. Und das ist unser Problem. Frau Kleinhüppgenreuther ist eine fanatische Hausfrau. Alles muß sauber sein bis hin zur Sterilität. Ein mit uns bekannter Handwerker hatte in ihrer Wohnung mal etwas zu erledigen. Soweit ich mich erinnere, ging es um Holzarbeiten in der Küche. Er klagte uns hinterher sein Leid. Frau Kleinhüppgenreuther folgte ihm tatsächlich und durchaus im wahrsten Wortsinn während der ganzen Arbeiten auf Schritt und Tritt mit Besen und Kehrblech, nur um jeden Anschein von Dreck, Staub und Sägemehl sofort nach der Entstehung unverzüglich von ihrem heiligen Boden zu entfernen.

Und nun stellt euch vor, eine solche Superhausfrau wohnt in dem Haus nebenan, in dem ein nicht von Pflanzenwuchs betroffener Teil des Grundstücks an euren mit Erde und Rindenmulch verseuchten Acker anschließt. Wir wussten über Frau Knutsen bereits, daß sich Frau Kleinhüppgenreuther schon über den vielen Dreck beklagt hat, der von unserem Beet immer zu dem blankgefegten Vorplatz herüberwehen würde. Diesen Vorplatz, eigentlich nur eine übliche, wirklich nur wenige Quadratmeter große bepflasterte Fläche vor der Haustür und einer anschließenden Betontreppe, können wir durchaus beobachten. Da liegt gelegentlich mal ein Stück Rindenmulch, es sei denn, die in dem Haus wohnenden Kinder haben sich mal wieder verbotenerweise in unserem Beet betätigt.

Aber Frau Kleinhüppgenreuther ist da sehr sorgfältig und gnadenlos gegen jegliche Form von Schmutz und Natur. Wenn diese nicht mal zehn Quadratmeter von ihr gefegt werden, dann dauert es schon mal seine 15 Minuten, bis sie damit fertig ist. Nichts entgeht ihrem scharfen Blick, und sie ist durchaus in der Lage, mehrmals täglich am gleichen Ort Dreck zu finden, nur um dann die komplette Fläche erneut einer Tiefenreinigung zu unterziehen.

Wir haben uns erbarmt und schließlich eine einfache, billige Plastikumgrenzung für das Beet angeschafft. Man ist ja gutwillig und will vor allen Dingen seine Ruhe haben. Doch dieses kleine Zäunchen hat seinen Dienst nicht gut genug ausgeführt. Die Folgen eines winterlichen Eissturzes vom Hausdach und der Umstand, daß es wohl nicht hoch genug war, haben dafür Sorge getragen, daß immer noch Teile des Rindenmulches im gepflegten Eingangsbereich des nachbarlichen Hauses aufgefunden wurden.

Eines schönen Tages sprach uns Frau Kleinhüppgenreuther an und beklagte ihr hartes Schicksal. Wir versicherten ihr, uns um die Angelegenheit kümmern zu wollen und versprachen, eine größere Abgrenzung installieren zu lassen.

Da hierzu Betonarbeiten erforderlich waren, schied die von uns schon zur Gestaltung des Gartens beauftragte Werkstätte für behinderte Menschen als ausführende Kraft leider aus, denn wie man uns dort auf Anfrage bestätigte, sah man sich außerstande, solche Arbeiten auszuführen. Also mussten wir uns andere Handwerker suchen, was sich als nicht allzu leicht erwies. Jedenfalls verzögerte sich die Umsetzung deutlich. Dies führte dazu, daß ich mich nur noch wenig um den Unkrautbewuchs des Beetes kümmerte, denn ich hatte nicht die mindeste Lust, Frau Kleinhüppgenreuther bei einer solchen Gelegenheit in die Hände zu fallen. Natürlich wäre es möglich gewesen, sie auf den blöden Umstand hinzuweisen, aber als Soziophobiker macht man sich da im Vorfeld ganz andere Gedanken und bemüht sich, solchen Situationen konsequent aus dem Weg zu gehen.

Nun ja, es ließ sich nicht vermeiden, das Beet dennoch einer gelegentlichen Unkrautvernichtungsaktion zu unterziehen. Und wann ist die beste Zeit, unliebsamen Nachbarn aus dem Weg zu gehen? Entweder ganz früh morgens oder ziemlich spät abends. Morgens wollte ich da nicht ran, weil sich die Schlafzimmer unseres Hauses genau auf dieser Seite befinden. Es muß ja nicht sein, sonntagmorgens um sechs Uhr genau unter einigen offenen Schlafzimmerfenstern Unkraut zu jäten. Also wurde daraus eine Nachtaktion, denn ich wusste, daß die Mitbewohner unseres Hauses zu dieser Uhrzeit noch nicht im Bett waren.

Jetzt endlich war es soweit, daß die neue, höhere Umrandung des Beetes endlich eingesetzt wurde. Frau Kleinhüppgenreuther zeigte sich auch sofort sehr zufrieden, doch natürlich fand sie direkt das nächste Problem. Ihre Sorge galt den Kindern des Hauses und wie es ihr gelingen würde, diese davon abzuhalten, auf unserer kleinen Palisade herumzulaufen.

Ehrlich gesagt: Mir ist das egal. Hauptsache, die gute Frau ist beschäftigt und wir sind nicht weiter das Zielobjekt ihrer Betrachtung. Bis sie etwas Neues gefunden haben wird.



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