Sonntag, 5. Mai 2013

Und manchmal bin ich nur noch müde

Dunkle Frische Zeiten haben ihre Schatten schon vor einigen Wochen vorausgeworfen. Bei Frl. Hasenclever fand sich ein Musterbuch mit Teppichschnipseln, zu denen wir als Opfer Mitarbeiter uns äußern durften. Es ist ja nicht so, daß es bei uns im LASA keine personelle Mitbestimmung geben würde. Man ordnete nämlich in unserer Hauptverwaltung an, daß unsere Außenstelle einer Renovierung bedürfe. Die Auswahl möglicher Farben war für uns begrenzt, manche verboten sich von selbst, und der von mir vor Sichtung des Musterbuches favorisierte Spieleteppich mit Straßen und Häusern stand auch nicht zur Verfügung. So entschieden wir uns für ein Industrieblau.

Die Maler- und Verlegearbeiten würden während des laufenden Betriebes stattfinden, lediglich in der Zeit von Dienstag bis Mittwoch wäre Ruhe. Donnerstags nachmittags würden die Zimmer, die als nächstes zur Aufhübschung vorgesehen waren, von uns verlassen werden. Jeder sollte sich sein notwendiges Arbeitsmaterial und genügend Arbeit für zwei Tage mitnehmen und ein anderes Zimmer suchen, in dem er sich niederlassen könnte. Das Inventar würde von Möbelpackern aus- und wieder eingeräumt werden. So verzog ich mit in das Zimmer, in dem der Ökoklaus und Sven ihr Unwesen treiben. Arbeit war genug vorhanden, ich würde es durchaus überstehen, einen oder zwei Tage nicht an meinen Aktenschrank zu gelangen.

Am Freitag fiel dann zur allgemeinen Begeisterung das MIST für einige Stunden aus. Das ist durchaus problematisch, denn im Digitalzeitalter gibt es selbst den guten alten Karteikasten nur noch in virtueller Form. Wir benötigen wirklich für nahezu jeden Handgriff den Zugriff auf die EDV. Schade eigentlich, es ging nicht weiter.

Am Montag schließlich konnte ich meinen alten Platz wieder einrichten. Die zu meinem Arbeitsplatz gehörenden Möbel waren aufgestellt; vereinzelt standen bei den Kollegen Schränke falsch, aber damit hatte immerhin ich nichts zu tun. Ich warf den PC an, als ich im Nachbarzimmer schon das erste Aufstöhnen hörte. Es gab Schwierigkeiten bei der Anmeldung. Betroffen waren nur Kollegen, welche ihre Zimmer zuvor hatten räumen müssen. Also rufen wir in Bad Husten beim Helpdesk an. Damit man für die natürlich auch dort zu führende Statistik genügend Dokumentationsmaterial hatte, bat man darum, daß dies nicht einer für alle regelt, sondern jeder von uns einzeln anrufen solle. Soviel zum Thema Effektivität.

Nach langem hin und her und einigen Experimenten schließlich gelang es mir um 10.30 Uhr – nach einer kleinen Unterbrechung durch die regelmäßige Dienstbesprechung, neudeutsch Teambesprechung oder Meeting genannt – mich am Rechner anzumelden. Endlich konnte ich mit so genannter sinnvoller Arbeit anfangen, bis – ja, bis ich Ausdrucke haben musste. Und von denen werden im LASA viele benötigt. Aber mein Drucker wollte nicht so, wie ich das wollte. Bei der Gelegenheit offenbarte sich, daß es einigen Kollegen ebenfalls so ging. Natürlich waren wieder nur einige derjenigen betroffen, welche… (siehe oben). Das Spiel ging wieder von vorne los. Einige nette Telefonate mit dem Helpdesk und geraume Zeit später funktionierte auch mein Drucker wieder zur allgemeinen Zufriedenheit. Inzwischen war es 11.45 Uhr. Ich suchte mir meine Akten aus der aktuellen Vierfachvertretung zusammen und begann zu arbeiten. Viel war nicht mehr zu schaffen, denn Überstunden sind nach wie vor nicht drin, ohne Ärger zu bekommen. Ich muß mit 8 ½ Stunden täglicher Anwesenheit auskommen, ob ich das so will oder nicht.

Der Dienstag begrüßte uns mit einem neuerlichen längeren Ausfall des MIST. Prima, das ist wie der Griff ins Klo. Erst auf der letzten Besprechung wurden wir mal wieder dezent darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Bestände unbedingt abgebaut werden müssten, mit neuem Personal nicht zu rechnen sei und sich bei uns auf Ebene der Sachbearbeiter ja sogar ein Personalüberhang von einer Person errechnet habe. Klar, kann mir mal jemand diese Person zeigen? Wir machen seit Monaten aufgrund de facto unbesetzter Planstellen Dauervertretung, aber irgendwo steht auf einem Papier ein Name mehr als nötig, was automatisch bedeutet, daß es uns zu gut geht. Im Gegenzug wird gedroht, die Gewährung von Urlaub situativ einzuschränken. Na prima, ich habe jetzt noch fast den gesamten Urlaub von letztem Jahr auf Halde. Wann soll ich den denn noch loswerden? Auszahlen lassen ist auch keine zulässige Alternative.

Mit diesem Hintergedanken begab ich mich zu Sven ins Büro, um dort noch gelagerte Vertretungsakten abzuholen. Wir wechselten ein paar Worte zu eben diesem Thema, als sich auf einmal ein leerer Bürostuhl blitzartig in Richtung Heizkörper in Bewegung setzte, diesen rammte und ihn danach in deutlicher Schieflage umgeben von einigen Plastiksplittern hängen ließ. Auf der Außenseite der Rückenlehne des Stuhls zeigte sich ein Fußabdruck, der eindeutig zu meinem Schuhwerk passte.

Das war wohl ein spontaner und unkontrollierter Ausbruch von Wut und Verzweiflung im Büro.

Ich mache mir ja so meine – durchaus sorgenvollen - Gedanken über die Entwicklung, habe aber weiterhin keine Idee, wie es weitergehen soll. Damit bin ich nicht alleine, doch aufbauend wirkt das jetzt nicht auf mich.



Kommentare:

  1. anstaltszauber5. Mai 2013 um 15:13

    Auch wenn es kein Trost ist: Anderswo im öffentlichen Dienst ist es auch nicht besser. Nach jahrelanger Auseinandersetzung kam bei mir die Erkenntnis, daß sich eh nichts ändert. Ich gehe jetzt den Weg, den viele andere vor mit schon gegangen sind und lege mir eine freizeitorientierte Schonhaltung zu....

    Gruß aus der Anstalt

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  2. Ich warte immer noch darauf, bei uns den Job zu finden, der gemeint ist, wenn man vom überbezahlten, nicht ausgelasteten, faulen, privilegierten *setze die Reihe der Stammtischaussagen fort* öffentlichen Dienst spricht.

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