Mittwoch, 1. Mai 2013

Schwerer Fehler

Aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen bin ich schon ab der Neustädter Altstadt mit dem Bus nach Hause gefahren. Üblicherweise nehme ich ja den Zug bis zum Haltepunkt Neustädter Ländchen und steige dort in eben diesen Bus um, der am Haltepunkt ebenfalls einen Stopp einlegt. Der Trick bei der Sache ist, daß er dann viel leerer ist, als er es bei der Abfahrt im Stadtzentrum jemals sein wird. Ich hatte dieses Mal jedoch eine absolut irrationale Abneigung gegen den Zug und konnte mich nicht überwinden, diesen zu benutzen. Der Weg in den Hauptbahnhof war für mich irgendwie verbaut, als ob da einer Mauer stehen würde. Keine Chance.

So quetschte ich mich in diesen Bus und sicherte mir einen halbwegs bequemen Stehplatz mit vergleichsweise gemütlichem und ungestörtem Zugriff auf eine Haltestange an einer kleinen Einbuchtung zwischen der ersten Reihe und den Viererbänken. Irgendwie muß man ja nach Hause kommen.

Schräg gegenüber hatte sich eine Mutter mit drei begleitenden Kindern ausgebreitet, von denen zwei augenscheinlich keine Abkömmlinge von ihr waren. Man war dem Vernehmen nach auf der Rückreise von einem Besuch der Gutterdorfer Burg(-ruine). Ihr vermutlich leiblicher Spross war schwer mit einem Wikingerschwert aus Plastik bewaffnet und erzählte jedem, der es nicht wissen wollte, daß er gaaaaanz oben auf der Burg gewesen war. So wirklich gaaaaanz oben, daß es höher nicht mehr ging.

Aha, man hatte also offenkundig den Turm der Burg erstiegen, eines der wenigen noch intakten Gebäudeteile. Ja, da verstehe ich schon, daß die Rasselbande entsprechend gut aufgelegt war. Nun war man also ziemlich aufgekratzt auf dem Weg nach Hause. Die Kinder begannen etwas laut zu werden, so daß die Mutter in Erinnerung brachte, daß derjenige, der nicht brav wäre, zu Hause keinen Nachtisch bekäme.

Junior: „Waren wir denn nicht brav?“

Mutter: „Doch, ihr wart alle brav, nur Du bist gerade etwas laut.“

Junior: „Warum sagst Du das dann mit dem Nachtisch?“

Mutter: „Ich wollte euch nur nochmal daran erinnern. Es sind nur noch drei Haltestellen, die haltet ihr doch wohl noch durch.“

Junior: „Wer von uns war denn am bravsten?“

Mutter: „ICH!“

Oh oh, schwerer Fehler im System.

Wer jetzt noch glaubt, daß die restliche Fahrt bis zur dritten Haltestelle mit einem halbwegs erträglichen Lärmpegel von statten ging, stammt nicht von dieser Welt.



Kommentare:

  1. Auch wenn ich ob deiner Schilderung etwas schmunzeln mußte, so kann ich nachvollziehen,
    wie das war. Es ist schon verwunderlich, was die lieben Kleinen heute alles dürfen, ohne dass man ihnen ernsthaft Einhalt gebietet.
    Eine schönen ersten Mai wünscht Dir
    Irmi

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  2. deswegen fahren wir dann lieber Auto ;o)

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  3. Daß die lieben Kleinen etwas lauter waren, hat noch nicht mal so sehr gestört. Aber was mir immer wieder auffällt ist, daß die Mütter nicht im Traum daran denken, die Kinder anzuhalten, ihren Sitzplatz für ältere Mitfahrer zu räumen. In dem Bus standen Leute, die durchaus älter waren als ich.

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