Samstag, 18. Mai 2013

Paterfelis spielt - Monopoly

Mädchen sind doff doof, mit denen spiele ich nicht.

Gut, ich räume ein, aus dem Alter, in dem man diese Meinung konsequent vertreten hat, bin ich zwischenzeitlich raus. Das war aber in früheren Jahren anders, ich war ja schließlich auch mal jung. Die zweitbeste Ehefrau von allen bezweifelt dies zwar weiterhin nachhaltig, aber es existieren Fotos, welche meine diesbezügliche Ansicht beweisen. Wie? Photoshop? Nix da, die sind echt.

Da war ein Mädchen namens Sabine, die mit ihren Eltern in der Wohnung unter unserer wohnte und sich im gleichen Alter befand wie ich. Es gab Phasen, da spielten wir zusammen und dann mal wieder nicht. Überwiegend nicht. Wie Jungs und Mädchen eben so sind. Sabine wollte mich später unbedingt heiraten und machte mir zu diesem Zweck eindeutige Angebote. Ja, werte Leser, schon im zarten Grundschulalter ging das damals los. Wir lebten in den wilden Siebzigern. Da ging die Post ab, die Revolution der 68er war noch präsent. Ich weiß, heiraten war bei den 68ern dann doch nicht so sehr gefragt, und auch ich konnte Sabines eindeutigem Angebot klar formulierten Bestechungsversuch  in Aussicht gestellter Zukunftsvision, mir als ihrem Ehemann künftig jeden Tag Spaghetti zu kochen, durchaus widerstehen.

Doch wie das weibliche Geschlecht so ist, hatte auch Sabine noch etwas in der Hinterhand, was mein Interesse an ihr – unter Auslassung des Umstandes einer späteren Verehelichung – dann doch wieder dramatisch steigen ließ. Sie wollte es mir unbedingt mal zeigen, und wir könnten das auch ganz gut zusammen machen, wenn ihre oder meine Eltern aushäusig waren. Im Kinderzimmer oder auch auf dem Teppich im Wohnzimmer vor dem großen Schrank. Ich gab ihrem Drängen nach, und so führte sie mich ein in die wirklich wichtigen Dinge dieser Welt – Monopoly.

Sabine erklärte mir dieses wunderbare Spiel, welches von nun an immer wieder unser regelmäßiger Zeitvertreib werden würde. In Ihrer Familie besaß man noch eine wunderbare alte Ausgabe mit Holzhäusern und einem quadratisch zusammenfaltbaren Spielplan, während ich später die zeitgemäße Version mit Plastikhäuschen und einer größeren Verpackung erwarb. Ich liebte dieses Spiel. Unvergesslich waren die Abende, als ich mit meinen Eltern und Holger zusammen im Sauerland in einem dieser Nurdach-Ferienhäuser im Sauerland Urlaub machte. Jeden Abend haben wir gemeinsam Monopoly gespielt, und zwar die gleiche Party über mehrere Tage. Damit niemand aufgrund einer Pleite aussteigen musste, wurden auch großzügige Kredite untereinander vergeben.

Nicht immer fand sich jemand, der mit mir spielen wollte. Mich störte das nicht so sehr, denn dann habe ich gegen mich selber gespielt. Ich besetzte alle in Frage kommenden Spielerplätze gleichzeitig, und da ich immer schon dazu neigte, meine Geschichten – und nichts anderes war auch die Beschäftigung mit einem Brettspiel – gedanklich auszuschmücken, versah ich jeden Spielerplatz mit einem kleinen Firmenschild. Seinerzeit hatte ich nur farbige Pöppel, und irgendwie musste ich ja die Geldbündel und Besitzrechtskarten den Spielpositionen zuordnen. So gab es durch ein selbst angefertiges Schild, also einem beschrifteten einfachen Zettel, die GELBlich AG, die R.O.T. GmbH, die LILAG und so weiter. Sobald eine Spielposition pleite war und ich alle Besitztümer an eine andere Position übertragen musste, fusionierten diese beiden Firmen. Es entstand in Folge zum Beispiel die GRÜN & Co KG. Am Ende einer solchen Spielrunde notierte ich gerne im Deckel des Spielekartons, wie hoch der Gewinn des jeweiligen Siegers war. Schon früh liebte ich den Umgang mit Zahlen und etwas, was mir später als Statistik bekannt werden würde. Manche Dinge ändern sich nie…

Nach einigen Jahren des Spielens, immer vertrauend auf Sabines ursprüngliche Regelerklärung, die ich auch stets so an meine späteren Mitspieler weitergegeben hatte, machte ich mich daran, die Regeln auch wirklich mal selbst zu lesen. Der eingefleischte Monopoly-Spieler wird ahnen, was nun kommt. Genau, Monopoly spielt sich in einigen Elementen ganz anders als es mir vermittelt wurde. Straßen, die nicht direkt verkauft werden konnten, mussten unter Einbeziehung aller Spieler versteigert werden. Man konnte Häuser selbst dann bauen, wenn man sich nicht auf dem Straßenfeld befand, auf dem man dieses gerne machen würde. Und im Gefängnis konnte man Miete kassieren. Und nein, wenn man auf dem Frei-Parken-Feld stand, gab es kein Geld einzukassieren, weil in der Spielfeldmitte kein Haufen Geld aus zuvor eingenommenen Strafen und Steuern zu liegen hatte. Selbst bei akutem Häusermangel durfte kein Ersatz in Form von Streichhölzern oder irgendwelchen Klötzen gestellt werden.

Wie ich heute weiß, haben sich viele Spielvariationen als Überlieferungen von Spieler zu Spieler weiterverbreitet. Von nun an begann mein heldenhafter Kampf gegen das Unwissen. Ich wollte Monopoly nur noch nach den Originalregeln spielen. Wie alle anderen Spiele übrigens auch, die ich später noch in die Finger bekommen sollte. Allerdings habe ich den nachhaltigen Eindruck gewonnen, daß der bekannte Kampf dieses bekannten Spaniers von Anfang an für ihn aussichtsreicher gewesen sein musste als mein Bekehrungsfeldzug für mich. Doch in meinem gesteckten Ziel bin ich bis heute unerschütterlich geblieben, auch wenn hier zwischenzeitlich die Super-Luxus-Edition mit Metallfiguren in der heimischen Spielesammlung unbenutzt einstaubt.

Regelkonformes Monopoly für alle!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen