Sonntag, 26. Mai 2013

Fußballabend

Die zweitbeste Ehefrau von allen kam von der Trainerschule nach Hause. Eine telefonische Vorwarnung hatte mich dahingehend alarmiert, daß ich beginnen solle, das Abendessen vorzubereiten. Gesagt getan, das erreichte Ziel meiner entsprechenden Arbeit zeigt der vorherige Eintrag. Sicherheitshalber aber auch hier nochmal zur Erinnerung: Currywurst macht man aus feiner Bratwurst. Unter gar keinen Umständen verwendet man eine Brühwurst. Macht man einfach nicht. Überhaupt nicht und niemals. Und eine ordentliche Currysauce besteht nicht aus aufgewärmten Ketchup!

Nach dem Essen hatte ich vor, meine Angetraute, die noch merklich angeschlagen war von ihren Aktivitäten der letzten Tage sowie Rajivs intensiven Bemühungen, ihr die latainischen Namen des menschlichen Muskelsystems nachhaltig näher zu bringen, zeitig ins Bett zu schicken. Ich selbst würde mich grölend, mit einer Vuvuzela, einem Dortmund-Fähnchen, einem dazu passenden Käppie sowie meinem treuen Handtuch ausgerüstet in den Fernsehsessel schmeißen, weil man das beim Fußball gucken eben so macht. Doch meine Angetraute blieb hart und hielt sich tapfer auf dem Sofa. Also war nix mit Vuvuzela, Dortmund-Fähnchen und Käppie. Grölen auch nicht, nur gelegentliches Maulen war gestattet. Nun gut, das sollte mich auch nicht weiter stören. Und mein Handtuch war auch in der Nähe. Meine Angetraute war während dessen damit beschäftigt, aus Wolle irgendwelche Bömmelchen für ein Tribal-Kostüm zu basteln.

Die Auftaktshow zum Spiel begann. Man sah als mittelalterliche Krieger verkleidete Menschen, die sehr symbolträchtig aufeinander einschlugen. Braveheart! Gleich zeigen sie... Ach, doch nicht. Ich fand die ganze Sache irgendwie unpassend. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein leidenschaftlicher Wargamer und bin auch was Kriegs- und Metzelfilme betrifft kein Kostverächter, aber im Zusammenhang mit Fußball… nö, das fühlte sich einfach nicht stimmig an.

Das Spiel wurde angepfiffen. Ich bin immer wieder irritiert, wenn ich den Trainerstab am Rand einer solchen Veranstaltung in Schlips und Kragen sehe. Das ist genau so wie mit der heutigen Auftaktveranstaltung: unpassend. Und der Klopp ist kein Anzugmensch. Wozu benötigen Menschen heutzutage überhaupt noch Krawatten? Die ist doch auch nur so ein übriggebliebener Anachronismus aus der frühneuzeitlichen Landsknechtsära. Wenn nicht sogar aus noch früherer Zeit. Die Römer und Chinesen bieten sich ja immer für so etwas an.

Meine Angetraute legte mir nahe, ihr die frisch produzierten Woll-Bömmelchen zu halten, damit sie diese weiter bearbeiten könne. Da sie Rückenschmerzen hatte – die Schulbänkein der Trainerschule bestehen aus umfunktionierten Sportgeräten und sind damit nicht übertrieben rückenfreundlich – musste ich mich von ihr weit über den Tisch ziehen lassen, damit sie die Bömmelchen erreichen konnte. Also die aus Wolle jetzt. Ja, so macht der Fußballabend Spaß.

Unseren gemeinsamen geballten Sachverstand zum Thema des Abends – ähm, dem Fußball, nicht den Bömmelchen – tauschten wir selbstverständlich auch aus.

„Wer ist Lewandowski?“ - „Weiß ich doch nicht.“

 „Spielt Sepp Maier nicht?“ - „Nein, auf der Anzeige steht, daß im Bayern-Tor 1 Neuer steht, aber den Namen haben sie nicht genannt.“

„Warum pfeifen die jetzt alle?“ – „Keine Ahnung, hab nicht hingesehen, ich musste die Bömmelchen beobachten.“

„He, die sprechen immer von Dante. Kenne ich, das ist ein Restaurant unten in Hinterheidenheim.“ – „Nein, das ist ein Italiener, aber der hat Bücher geschrieben. Wieso spielt der denn jetzt Fußball?“

Dann habe ich mal das Fetzbuch angeschmissen. Katja teilt der Welt ihre Eindrücke von der ersten Halbzeit mit. Sie vermisst bei einigen Spielern eine modische Stilberatung. Blaue Unterhosen zu schwarz-gelben Oberteilen würden ja gar nicht gehen, ebenso wie die Farbauswahl bei Haarbändern abgestellt sein sollte auf die Farbe der Schuhe.

Die Bömmelchen waren fertig. Meine Angetraute holte einen Snack aus der Küche. Es war ja schließlich Fußball, da gehört so etwas dazu. Sonst gibt es bei uns üblicherweise nix zu Naschen beim Fernsehen. Was? Emsländer Apfelkuchen. Mit Mandeln, dafür aber mit ohne Sahne. Na gut, ich nahm den Teller an, da fällt das Tor. „Hast du das gesehen?“ – „Nein, ich habe auf den Teller geguckt, als ich ihn angenommen habe.“ Toll! Doch es folgten ja noch ein paar. Tore, nicht Teller. Also nicht so schlimm.

Der Schiedsrichter wurde bestimmt gekauft. Er hat zwei Entscheidungen, die zu Platzverweisen bei der Schlägertruppe den Bayern geführt hätten, nicht gegeben. Ach, der ist der Italiener? Mafia? Cosa Nostra? Camorra? Dantes Inferno oder was jetzt? Egal, vorbei. Die Bayern hatten gewonnen. Um die Sache mit Katjas Worten aus Dortmunder Sicht abzuschließen: Es lag an der falschen Kleidung. Wird wohl so gewesen sein.

Über Fratzbuch verabredete ich mich mit Conny zum spontanen Randalieren.

Liebe Kinder und unreife Jugendliche: Nicht nachmachen! Randalieren und sonstige Gewaltanwendungen sind total böse. Voll unkrass. Der Onkel macht nur Spaß.

Meine Angetaute hat es mir verboten. Außerdem habe ich den Baseballschläger nicht gefunden, und die benzinbetriebene Kettensäge auch nicht. Dafür werde ich demonstrativ heute keine Weißwurst, keine Bolognese und keinen Gouda essen. Den Gouda wegen der Robbe. Obwohl: Wir haben noch Reste von einem Auflauf im Kühlschrank, da ist Gouda drauf. Aber nicht so viel. Soll ja nicht schlecht werden.

He, man darf doch wohl auch mal inkonsequent sein.



1 Kommentar:

  1. Haha:-) Sehr gut geschrieben!!:-) ps.Katja und Conny...sehr schön!:-)))

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