Sonntag, 12. Mai 2013

Die Katzenbande - Lilly (1)

Es war ein lauer Spätfrühlingstag, als im Büro das Telefon klingelte. Wie immer verspürte ich kein besonderes Bedürfnis dazu, den Hörer abzunehmen und eine verbalkommunikative Tätigkeit zu beginnen. Doch dann erkannte ich in der angezeigten Nummer des ominösen, meine feierliche Ruhe störenden Anrufers die Regierung. Meine Angetraute wünschte mit mir zu kommunizieren. Dem konnte ich mich dann doch nicht verschließen, denn ein solcher Anruf erreicht mich nicht so oft während der Dienstzeit.
                                                      
„Hallo Schatz, wir haben hier einen Notfall. Ich müsste bitte sofort wissen, ob wir noch eine weitere Katze aufnehmen können.“ tönte es mir entgegen, kaum daß ich mich gemeldet hatte.

Nicht schon wieder so ein kleines Etwas...
 
An sich hielt sich meine Begeisterung über einen weiteren Ausbau unserer zu dieser Zeit nur aus Sally und Miss Daisy bestehenden Katzenbande doch in alllerengsten Grenzen. Platz würden wir genügend haben, aber es ist ja auch eine Kostenfrage. Immer noch ausreichend verwirrt versprach ich, darüber nachdenken zu wollen, doch das genügte der zweitbestehen Ehefrau von allen nicht. Sie musste unbedingt, auf jeden Fall und zwar sofort eine positive Antwort haben, es ginge um Leben und Tod. Oder noch Schlimmeres.

Gut, dermaßen beeindruckt signalisierte ich vorsichtig ein mögliches in Erwägung zu ziehendes Einverständnis und rechnete wenig erfreut damit, unmittelbar nach meiner Heimkehr mit einer neuen Katze konfrontiert zu werden. Dem war dann doch nicht so, und bis heute habe ich nicht erfasst, was an der ganzen Angelegenheit denn nun so überaus dringlich war, daß man nicht nach Feierabend darüber in Ruhe hätte reden können.

Unser Leoparden-Tigerchen: gestreift und getupft

Angehörigen der Katzenhilfe war es gelungen, auf einem Bauernhof in der Gegend zu verhindern, daß der Bauer einen Wurf Katzenwelpen ertränkt. Die Kleinen waren bereits in einer Tüte verstaut auf dem Weg zum nächsten Bach, als man eingriff. Auf geheimnisvollen Wegen und unter maßgeblicher Beteiligung einer Frau, die wir an dieser Stelle einfach mal Heidemarie bzw. in Kurzform Heidi nennen wollen, erfuhr meine Angetraute schließlich von den Welpen, die nun ein neues Zuhause suchten. Diese waren jedoch viel zu jung für einen Umzug, so daß noch etwas Zeit verstreichen musste, bis der große Tag endlich kam.

Spielkind

Als es soweit war, holte die zweitbeste Ehefrau von allen unser neues Familienmitglied ab, während ich Sally und Daisy in einem ruhigen Papa-Katze-Gespräch darüber aufklärte, daß wir bald ein Maul mehr zu stopfen haben würden, sie hier einen neuen Spielkameraden bekämen, das alles ganz toll wäre und überhaupt. Die beiden Seniorinnen zeigten sich allerdings ausnehmend unbeeindruckt von meinem ganzen Gerede, bis…


(wird fortgesetzt)



1 Kommentar:

  1. eine wunderschöne Geschichte - zum Schmunzeln und auch zum Nachdenken.
    Einen schönen Sonntag wünscht dir
    Irmi

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