Dienstag, 21. Mai 2013

Der Frühling, der ein Winter war

Letztens hatte ich nachmittags ein beiderseits ungeplantes längeres dienstliches Gespräch mit Frl. Hasenclever, was dazu führte, daß mein Überstundenkonto wieder am härtest möglichen Anschlag steht. Ihr wisst ja, das ist die Noch-eine-Minute-mehr-und-du-kriegst-Ärger-Grenze. Ich musste ohnehin schon das Ausstempeln vergessen und am nächsten Tag eine kürzere Arbeitszeit eintragen lassen – der tatsächlich absolvierte 12-Stunden-Arbeitstag hätte unsere Verwaltungsleiterin in Bad Husten zum Ausflippen gebracht.

Dies führte jedenfalls dazu, daß ich am folgenden Tag in Anbetracht dessen, was mich in der folgenden Woche an Arbeitspensum erwarten würde, so früh wie möglich verschwinden müsste. Dabei würde ich normalerweise mitten in den Schülerverkehr reingeraten, weswegen ich von der Option nur ganz selten mal Gebrauch mache. Ich habe einfach keine Lust, in einem Bus zu fahren, der bis zur Oberkante voll gestapelt ist mit Kindern und ihren Schultaschen.

Praktischerweise hatte meine Angetraute in der Gegend zu tun. Zwei Stationen mit der U-Bahn, dann eine Minute Fußweg und ich würde vor Ort sein. Dann könnten wir gemeinsam mit unserem Balduin nach Hause fahren und unterwegs noch die Einkäufe erledigen. Ich machte also zeitig Feierabend und traf auch planmäßig viel zu früh vor Ort ein. Da sich in der Gegend verschiedene Schulen befanden spekulierte ich darauf, daß sich auch eine Pommesbude oder ein Dönerladen finden würde, in dem ich die Wartezeit überbrücken könnte.

Ein typischer Fall von Schade aber auch. Schnell wurde mir bewusst, daß ich mich nicht in meiner niederrheinischen Heimat befinde, die sich an dieser Stelle großzügig mit dem Ruhrgebiet überschnitten hat. Dort findet man in derartigen Schülerballungszonen immer mindestens eine Pommesbude. Aber nicht in dieser besseren Gegend. Noch nicht mal eine amerikanische Bulettenbraterei. Rein gar nichts. Unglaublich. Nach längerem Suchen entdeckte ich ein Bistro, aber auf so was hatte ich keine Lust. Das ist nicht meine Welt, da fühle ich mich unwohl, was durchaus wieder zu einem Angstausbruch führen kann. Muß nicht sein.

Also wartete ich fast eine Stunde in der diesjährigen Frühlingskälte auf meine Angetraute. Wie gut, daß unser Balduin über eine ordentliche Heizung verfügt. Meine ebenfalls verfrorene Angetraute dankte es ihm auch.


Nachtrag: Ich glaube, es hat mich doch erwischt. Erste Erkältungssymptome machen sich bemerkbar. Mist!



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