Montag, 22. April 2013

Von Rauchern und Rücken

Bei uns im Büro herrscht strenges Rauchverbot. Gegen Räucherstäbchen hat noch niemand was gesagt, aber Zigaretten, Pfeifen und Co sind nicht gestattet. Die Raucher müssen ausstempeln und zum Zwecke der Darreichung Ihres Rauchopfers die dafür vorgesehenen Örtlichkeiten nutzen. Es haben sich bestimmte schon fast vereinsartige Gemeinschaften gebildet, welche diese Örtlichkeiten stets gemeinsam aufsuchen. Mandy und Sven gehören auch dazu. Ich bin aktiver Nichtraucher und fühle mich dadurch schon fast ausgegrenzt. Immerhin sind diese Örtlichkeiten, zu Schulzeiten nannten wir das noch Raucherecken, die Stätten des Hauses, an denen der intensivste Informationsaustausch stattfindet. Willst du bei uns etwas in Erfahrung bringen, musst du einen Raucher fragen. Der Rest der Belegschaft ist von diesem Informationsfluss faktisch abgeschnitten.

Schon über den ganzen Tag hat Sven versucht, Mandy zu einer solchen Raucherpause abzuholen, doch wann immer er unser Büro betreten hat, war sie gerade nicht zugegen. Meine freundliche Frage, was er denn angestellt habe, daß sie ihn nicht mehr leiden könne und sich deswegen immer rechtzeitig absetze, wenn sie seinen schweren Schritt im Gang näherkommen höre, quittierte Sven mit einem müden Lächeln. Gut, ich räume ein, so gut war der Scherz jetzt auch nicht. Man darf ja mal schwächeln.

Nachmittags hatte Sven sie dann erwischt. Er konnte kaum fassen, daß Mandy tatsächlich an ihrem Schreibtisch verweilte, kam näher und tätschelte sie am Rücken, um sich davon zu überzeugen, keinem Trugbild aufgesessen zu sein. Mandy murrte „Nicht immer auf den Rücken, das tut weh.“ Ihr Bandscheibenvorfall war noch nicht übertrieben lange her.

Ich konnte mich nicht zurückhalten. „Mensch, Sven, andere würden für so eine Rückenmassage bezahlen, aber dieses undankbare Weib…“

„Wer würde DEN denn schon für so etwas bezahlen?“ fiel mir Mandy ins Wort.

Sven kam auf mich zu, die Hand in Richtung meines Rückens deutend. „He, Paterfelis, hast du mal einen Euro? Bekommst du gleich wieder.

Meine Hand zuckte von Mandy nicht unbemerkt zum Kleingeldspeicher in meiner Schublade.

„PATERFELIS!“


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