Sonntag, 21. April 2013

Sally merkt nichts mehr

Nicht nur um die Katzenbande mal wieder auf die Beine zu kriegen habe ich heute Besuch eingeladen. Zur allgemeinen Erbauung erschien der böse Onkel Staubsauger mal wieder. Marty und Smilla kannten den auch schon und haben sich direkt verzogen. Sie kommen mit seiner stimmgewaltigen Art einfach nicht klar. Lilly hat den Glauben an das Gute im Menschen naiver Weise noch nicht verloren und sah sich die Sache erst mal kritisch an, bevor auch sie sich verzog, als der Staubsauger die ersten Töne von sich gab. So einen richtig coolen Abgang schaffte bislang aber immer nur Daisy. Die wartete demonstrativ, bis ihr der Staubsauger zu nahe gekommen ist, um dann gemächlichen Schrittes, also auf keinen Fall wegen des lauten Dings in ihrer Nähe, sondern nur weil es ihr gerade so in den Kram passte, ebenfalls zu verschwinden. Sally hingegen stört sich an dem Staubsauger schon lange nicht mehr. Sie ist viel zu vertrottelttaub lebenserfahren, als daß sie das bisschen Krach noch beeindrucken könnte.

Katze im Wäschekorb - Klischee erfüllt

So schmiss ich die Höllenmaschine an und saugte mich langsam auf die alte Dame zu, während diese tiefenentspannt auf dem Monster eines ihrer vielen Tagesschläfchen abhielt. Als ich nahe genug ans Monster herangekommen war, ließ ich den Staubsauger kurz schweigen, um die Düse zu wechseln. Ich wollte den in unserem Deckenfluter zwischenzeitlich entstandenen Insektenfriedhof auf Drängen der zweitbesten Ehefrau von allen, die übrigens auch immer beim ersten Laut des Staubsaugers die Flucht ergreift, entfernen, weswegen ich die Möbelbürste aufsetzte. Wem das jetzt nichts sagt: Das ist das kleinere, tendentiell runde Ding mit den langen Borsten. Es dient dazu, Möbel abzusaugen, ohne sie kaputt zu machen.

Den Deckenfluter konnte ich am besten auf dem Monster stehend erreichend. So erklomm ich die Höhen der Sitzflächen, wuchtete den Staubsauger mit mir mit und stellte fest, daß die im Gefahrenbereich liegende Sally sich immer noch nicht rührte, und zwar auch dann noch nicht, als ich mich unmittelbar neben sie stellte und auf ihrer anderen Seite den Staubsauger wieder anwarf. Schließlich kam das Böse in mir wieder an die Oberfläche. Ich hielt meine Hand vor die Möbelbürste um festzustellen, wie stark der Sog an der Mündung bemerkbar sei und machte genau das, womit alle Leser mit fiesen Gedanken jetzt rechnen: Ich hielt die Bürste an Sallys Rücken und saugte sie ab!

Dieser lebende Flokati zeigte sich weiter unbeeindruckt, schaute kurz hoch um zu sehen, was sich da an ihr zu schaffen machte und… legte das müde Haupt tatsächlich wieder ab, um in die nächste Phase des unterbrochenen Mittagsschlafes einzutauchen. Bevor jetzt alle Tierfreunde aufheulen: Der Sog war nicht stark, es bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, Sally im Staubbehälter wiederzufinden. Sie hatte jederzeit die Möglichkeit, aus meiner Reichweite zu verschwinden, wenn ihr die Sache zu unangenehm werden würde. Und nein, sie war offensichtlich auch nicht vor Schreck und Panik gelähmt.

Nö, so geht das jetzt aber gar nicht. Ich brauche hier meinen Platz für die Füße, die ich nicht versehentlich auf dieser schmerzbefreiten Katze absetzen möchte. Wahrscheinlich würde ihr das auch nichts mehr ausmachen, jedoch meine Standfestigkeit auf dem Monster bedenklich einschränken. Also überzeugte ich Sally auf andere Art und Weise, eben weniger subtil als zuvor, daß ihre Anwesenheit hier gerade nicht gewünscht sei. Ein sanfter Händedruck gegen ihr Hinterteil ließ in ihr den Gedanken erwachen, daß es doch nicht uninteressant sei, gerade vielleicht mal ihren Freund Marty zu suchen. Aber natürlich nur, weil sie das gerade wollte. Mit mir würde das auf keinen Fall was zu tun haben. Mein sanfter Nachdruck könnte da ja bestenfalls als Anregung verstanden werden.

Diese Katze macht mich fertig.



Kommentare:

  1. Das ist wirklich ungewöhnlich für eine Katze. Meine mochten alle durch die Bank keinen Staubsauger. Auch Mörchen haut, obwohl schon 16 Jahre alt, noch immer ab. Man sollte doch meinen, dass er im Laufe der Zeit gelernt hat, dass ihm nichts passiert, wenn der Feind an ist. Aber er geht lieber in ein anderes Zimmer.

    AntwortenLöschen
  2. Sally ist insgesamt gutmütig wie ein Schaf. Ich bin zwar versucht zu sagen, daß sie sich das wegen beginnender Demenz oder zumindest Taubheit hat gefallen lassen, aber ernsthaft gehe ich nicht davon aus. Sie kann erwiesenermaßen noch sehr gut hören, wenn sie will. Und die Demenz müsste dann auch schon ein paar Jahre andauern. Sie ist zwar geistig nicht mehr ganz auf der Höhe, aber so schlimm ist es dann doch noch nicht.

    Vor einigen Jahren lag sie auf unserem Bett, welches wir umständehalber mit allen möglichen Dingen, darunter einem Tower-Ventilator, zugestellt hatten, während wir irgend etwas am Herumkramen waren. Natürlich hatte der Ventilator keinen besonders sicheren Stand und fiel schließlich um. Und das der Länge nach unmittelbar neben Sally, die sich da unbemerkt irgendwie hingequetscht hatte. Auch da guckte sie nach einiger Zeit nur kurz gelangweilt hoch und schlief dann weiter. Sie konnte immer schon im größten Radau unbeeindruckt ihr Nickerchen machen.

    AntwortenLöschen
  3. Beneidenswert! Das möchte ich auch können. Ich bin ohnehin immer wieder erstaunt, wie lange, wo und in welcher Lage Katzen schlafen können. In meinem nächsten Leben werde ich Katze bei meiner Tochter!

    AntwortenLöschen