Dienstag, 30. April 2013

Paterfelis spielt - Indianer haben keine Pistolen

Schon als Kind habe ich zwar gerne gespielt, legte aber keinen besonders großen Wert darauf, dies mit anderen Kindern gemeinsam zu tun. Die spielten irgendwie nicht richtig, sondern immer so unlogisch. Wenn ich spielte, egal ob mit Autos, meinen Schlumpf-Figuren oder was auch immer, folgte dieses Spiel einer zumindest annähernd stimmigen Handlung. Wenn ich etwas spielerisch darstellen wollte, was es in der realen Welt einfach nicht gegeben hat, dann habe ich lange darüber nachgedacht, wie ich das erklären könnte. An solchen Dingen kann ich mich heute noch festbeißen. Wie gut, daß es Science Fiction und Fantasy gibt. Das ist meistens ein brauchbarer Ausweg für Irrealitäten. Aber auch hier gibt es Gesetzmäßigkeiten der Logik im Tun der Protagonisten, die beachtet werden müssen. Ursache und Wirkung eben.

Die Sache mit der Logik ist natürlich relativ, man muß hier durchaus mein jeweiliges Alter im Auge behalten, aber dennoch gab es einen für mich stimmigen roten Faden, der sich durch das Spiel zog. Andere Kinder in meinem Alter haben das anders gesehen, oder ich habe bei ihnen diesen roten Faden nicht erkannt. Also gefiel mir das alles nicht und war meistens froh, wenn ich nicht genötigt wurde, zusammen mit anderen spielen zu müssen. Natürlich gab es auch Ausnahmen, aber schon damals empfand ich es nicht immer als einfach. Lieber habe ich mich mit Büchern beschäftigt, sobald ich lesen konnte. Auch schlaue Bücher, wie man Sachbücher bei uns zu nennen pflegte.

Waren das schon erste Bausteine, die später Folgen zeigen würden? Nein, natürlich nicht das mit dem Lesen. Aber meine Haltung zu den anderen Kindern…

Wir spielten auch Cowboy und Indianer, Piraten, Räuber und Gendarm, Geheimagent oder sonst etwas in der Art. Gibt es das heute überhaupt noch? Ich sehe jedenfalls keine Kinder mehr draußen herumlaufen, die außerhalb von Karneval auch nur annähernd eine Cowboyausrüstung tragen oder mit einem Stirnband und Gummimesser versuchen, einen Indianer darzustellen. Ganz besonders schrecklich war es für mich, wenn meine Spielkameraden so gar kein Verständnis für die harten Realitäten des Lebens hatten. Man stelle sich vor, da kommt jemand als Indianer und hat eine Pistole dabei. Möglichst noch eine, die einer modernen Automatikpistole nachempfunden ist.

Halllooooo? Hat schon mal jemand in einem Film gesehen, daß ein Indianer eine Pistole und einen Holster trägt? Eben! Und wenn doch, dann ist der Regisseur bestimmt eine Pfeife gewesen und hatte keine Ahnung. Ein Gewehr ist für Indianer gerade noch ok, Winnitu Winnetou hatte schließlich auch seine Silberbüchse, aber keine Pistole. Und schon gar keine moderne. Geht nicht. Überhaupt nicht. Auch nicht die Spielzeuggewehre, die ein Magazin wie in einem Trommelrevolver haben. Gibt es einfach nicht. Ich habe mich schon als Kind furchtbar über so etwas aus meiner Sicht Unrealistisches aufgeregt. Das hat mir die Freude am Spielen mit anderen Kindern nachhaltig versaut. Ehrlich.

Als ich das entsprechende Alter erreichte, war ich schnell begeistert von Spielen, die nach festen Regeln abliefen. Brettspiele, Kartenspiele, Würfelspiele. Schon im relativ frühen Alter spielte ich regelmäßig bei meiner Oma eine Vor-Form des Kniffel, Dame oder auch mit Begeisterung Rommé. Gerade mit letzterem könnte ich mich auch heute noch stundenlang in einer abendlichen Runde beschäftigen, finde aber keine willigen Opfer. Einmal haben die zweitbeste Ehefrau und ich einen Versuch mit einem weiteren Pärchen unternommen, so etwas hinzubekommen, aber nachdem ich schon am ersten Abend wirklich jedes einzelne Spiel gewonnen habe, fand das keine Fortsetzung mehr.

Schade eigentlich.

(wird in loser Folge fortgesetzt)


Kommentare:

  1. Paterfelis, eigentlich schade, dass du nie die richtigen Spielpartner gefunden hast - aber wenn ich ehrlich bin, habe ich auch am liebsten allein gespielt. Ich kann sehr gut allein sein, vermisse nichts und niemanden. Aber ich frage mich immer wieder, ob das so richtig ist.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  2. Mir geht es da so wie dir, Irmi. Ich genieße auch heute noch die Zeit, in der ich mal alleine zu Hause bin. Und Gruppenarbeit jeglicher Art ist immer ein Alptraum, was mich zusätzlich nervös macht.

    Einen schönen Gruß an den Neckarstrand.

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