Montag, 1. April 2013

Ein Ausbruch (1)

Es ist ein Samstag wie viele andere auch. Wieder liege ich seit 3 Uhr irgendwas hellwach im Bett herum und werde von verschiedenen Katzen belagert. Ein eher muskulöses Schwergewicht lehnt sich gegen meinen Knöchel – Hauskater Marty ist anwesend. Ich liege auf der Seite; Sally hat sich von außen gegen mein Schienenbein gedrückt. Auf Kopfhöhe schnarcht eine Fellkugel leise vor sich hin. Das kann nur Lilly sein.

Ich bewege mich vorsichtig in eine andere Lage. Marty korrigiert kurz seine Schlafposition, er scheint sich langsam daran zu gewöhnen. Meistens verschwindet er, wenn Bewegung ins Spiel kommt, aber in letzter Zeit bleibt er eben doch auch mal liegen. Sally ist da ganz anders gestrickt. Sie ist so hartnäckig, daß ich es sogar schaffe, mich unter ihr einmal komplett umzudrehen, ohne daß sie in irgendeiner Form darauf reagiert. Es muß eben nur mit einer gewissen Vorsicht und stramm gezogenem Oberbett geschehen. Langjährige Erfahrung auf beiden Seiten macht da schon was aus.

Mir wird langweilig, ich schalte das Radio ein. Ich höre sehr gerne das Nachtprogramm unseres öffentlich-rechtlichen Landessenders. Die Musik ist meistens gut, die Werbung übersichtlich bis gar nicht vorhanden, und die Moderation macht nicht verkrampft auf gute Laune. Das mag ich bei den Privatsendern ja überhaupt nicht. Im Zweifel habe ich lieber einen erhöhten aber seriösen Wortanteil im Programm als das Volldampfradio. Ich bin da etwas anders, aber ich gucke ja auch ARTE, 3SAT und Phönix im deutschen Farbfernsehen. Nur die dreiundzwölfigste Wiederholung von Guido KnoppsDokumentationen über das Dritte Reich hängt mir langsam zum Hals raus.

Das Radio dudelt so vor sich hin. Die zweitbeste Ehefrau von allen fühlt sich nicht dadurch gestört, denn wir haben getrennte Schlafzimmer, d. h. ich habe das Schlafzimmer und sie das so genannte und schon fast legendäre Mädchenzimmer. Da wir zwei so vollkommen voneinander abweichende Schlafrhythmen haben, war das eine gute Entscheidung von uns. Keiner stört den anderen. Lilly verschwindet nach ein paar Minuten. Sie ist nicht so sehr der Anhänger von morgendlichem Radiohören, womit sie auch dem sich kurze Zeit später anschließendem Marty in nichts nachsteht. Sally bleibt liegen, aber irgendwann hat sie auch keine Lust mehr. Sie ist hier die morgenmuffelige Langschläferin und um diese Uhrzeit zu wirklich gar nichts zu gebrauchen, während Marty und Lilly schon hintereinander herjagen. So war Sally schon als Jungkatze. Auch Haustiere haben da ihren ganz persönlichen Charakter.

Um sechs Uhr stehe ich auf. Heute steht wieder die Einkaufstour auf dem Plan. Da empfiehlt es sich, die Küche noch aufzuräumen, damit ich weiß, wo ich später meinen Beutezug ablegen kann. Abends hatte ich keine Lust mehr, das Chaos zu beseitigen, obwohl es mich schon sehr nervt, so etwas in aller Frühe noch sehen und beseitigen zu müssen. Ist aber schnell erledigt, also was soll es?

Weiter geht es im Tageswerk, es ist immer die übliche Samstagsroutine: Katzenklos, duschen, Rechner einschalten und gucken, ob die Welt ohne mich zurechtgekommen ist. Wenn man den Nachrichten Glauben schenken darf, dann wohl eher nicht. Das muß sie so hinnehmen, ich kann nicht überall sein. Dann noch den Einkaufszettel zusammenbasteln. Die Tür vom Mädchenzimmer öffnet sich, meine Angetraute steht ungewöhnlich früh auf. Sie hat wieder Unterricht, der Trainerschein macht sich nicht von alleine. Ich suche das Leergut in der Wohnung zusammen, als ich eine noch nicht übertrieben gut verständliche Stimme aus dem Badezimmer höre. Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß sich mein Zeitfenster für den Samstagseinkauf verkürzt hat; die Angetraute muß heute früher los. Ich verspreche, mein Bestes zu geben, rechtzeitig wieder zu Hause zu sein. An sich sollte ich mir keine Sorgen machen. Es steht ein übersichtlicher Einkauf an, nur ein Besuch beim Geldautomaten, danach zum Schwarzmarkt und zum Onkel Tom. In einer guten Stunde ist das zu schaffen, und diese Zeit habe ich auch. Kein Grund zur Aufregung.

Tja…

(wird fortgesetzt)



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