Donnerstag, 25. April 2013

Die Katzenbande - Miss Daisy (2)

Wir wollten uns nicht zu sehr in die Machtspielchen zwischen Sally und Daisy einmischen, doch nach ein paar Tagen musste etwas geschehen. So beschlossen wir, die beiden mal für ein paar Stunden alleine zu lassen und gönnten uns einen Saunatag. Als wir wieder nach Hause kamen, hatte sich das Verhältnis zwischen Sally und Daisy endlich geklärt. Sally war ihre neue Mitbewohnerin zwar weiterhin suspekt, aber sie ließ sie endlich gewähren. Und keine der beiden hatte sicht- oder fühlbare Schrammen zurückbehalten.

Schnell zeigte sich, daß Daisy zunächst mit einer größeren Anzahl Geschwister sowie insgesamt fünf erwachsenen Katzen aufgewachsen war. Sie musste sich also schon als Welpe gegen ihre Brüder und Schwestern behaupten. Und sie kannte zahlreiche schmutzige Tricks, welche für Sally noch vollkommen unbekannt waren. Nach wenigen Monaten hatte Sally die Herrschaft in unserer Wohnung verloren. Miss Daisy wurde nach und nach die neue Chefkatze.

Freundschaft
 
Die folgenden Jahre bescherten uns viele amüsante Erlebnisse mit Sally und Daisy, von denen ich sicherlich später auch noch berichten werde. Aber es gab auch weniger Schönes. Daisy war zwar kein Dauergast beim Tierarzt, aber wenn sie einen Anlass bot, dann wurde es teuer. Ob sich hier eine Tendenz möglicher Überzüchtung der Rasse bemerkbar machte oder ob es sich einfach um Schicksal handelte, vermag ich nicht zu sagen.

Wehe es packt jemand den Wasserhahn an
 
Außerdem hatte Daisy noch ein ganz anderes Problem. In den beiden ersten Wohnungen, in denen sie mit uns zusammenlebte, gab es im Schlafzimmer nicht viel Platz. Daisy hat eine kurze Zeit lang Versuche unternommen, bei oder auf meiner Angetrauten zu nächtigen, was ihr aber aufgrund einer unglücklichen Standortsuche ihrerseits (auf Brustkorb und Hals) und unbeabsichtigter Abwehrbewegungen seitens meiner Angetrauten nicht so gut bekam. Von da an zog Daisy es vor, nicht mehr bei uns im Bett zu übernachten. Und andere Plätze gab es im Schlafzimmer nicht für sie, so daß sie sich zur Nacht immer in einen anderen Raum verzog. Erst in unserer jetzigen Wohnung hatten wir etwas mehr Platz, so daß die zweitbeste Ehefrau von allen den Kratzbaum mit dem Topfanschaffte und am Fußende unseres Bettes aufstellte. Von nun an nächtigte Daisy wieder bei uns im Schlafzimmer, die ganze Familie war vereint. Später, als wir uns zu getrennten Schlafzimmern entschieden, hatte Daisy sogar eine ganze Betthälfte für sich zur Verfügung. Wir legten ein Katzenkissen auf die freie Matratze, welches von nun an regelmäßig durch sie genutzt wurde.


Kisten, Kartons und Katzen - drei K's, die zusammengehören
 
Als Daisy zwölf Jahre alt war bemerkten wir, daß sie an Gewicht verlor. Wir begannen uns Sorgen zu machen, bis meine Angetraute schließlich einen Termin beim Tierarzt vereinbarte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich begleitete sie nicht, sondern wartete zu Hause. Als meine Angetraute schließlich ohne Transportbox und weinend nach Hause kam, ohne mir zunächst was über das Geschehene erzählen zu können, bin ich schon davon ausgegangen, daß Daisy sofort eingeschläfert werden musste. Doch dem war nicht so.

Nachdem meine Angetraute sich wieder halbwegs gefasst hatte erfuhr ich, daß Daisy höchstwahrscheinlich an einer chronischen Niereninsuffizienz leide. Sie würde einige Tage bei unserer neuen Tierärztin bleiben, bei der man versuchte, sie wieder hochzupäppeln und auch das Blut zu entgiften. Ihre Chancen, noch für einige Zeit ein lebenswertes Dasein führen zu können, standen bei maximal 30 %. Dazu wäre eine umfangreiche, aufwendige Versorgung mit Medikamenten in den unterschiedlichsten Darreichungsformen erforderlich, ebenso regelmäßige Infusionen. Wir wollten es trotzdem versuchen.

(wird fortgesetzt)



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