Mittwoch, 24. April 2013

Die Katzenbande - Miss Daisy (1)

Nach dem frühen Tod ihrer Schwester Lucy ging es nicht nur uns, sondern auch Sally schlecht. Die zweitbeste Ehefrau und ich wussten ja wenigstens, was passiert war und konnten uns im Laufe der Zeit damit abfinden, daß Lucy nie mehr zu uns zurückkommen würde. Sally aber verstand es nicht. Sie vermisste ihre Schwester sehr. Wann immer es in irgendeinem Raum ein Geräusch gab, sei es nun ein Rascheln, Knistern oder Klopfen, rannte Sally dort hin, sah sich um, begann zu schnüffeln und aufgeregt zu suchen. Schließlich gab sie Ruflaute von sich, die in ein Janken übergingen, als ihre Rufe unbeantwortet blieben. Sally wich kaum mehr von unserer Seite, was zu durchaus gefährlichen Situationen führte, denn es war jederzeit möglich, daß wir in einem unbedachten Moment auf sie treten würden. Zusätzlich schien Sally massive Verlustängste zu entwickeln.

Da wir dieses Elend nicht mehr länger mit ansehen konnten, entschlossen wir uns, eine neue Katze bei uns aufzunehmen. Allerdings gab es ein paar Einschränkungen in der Auswahl: Die neue Katze sollte auf jeden Fall ein Weibchen sein, vom Alter her zu Sally passen und natürlich bislang keinen Freigang gehabt haben. Die Rasse hingegen war uns egal. So begaben wir uns auf die Suche, fragten bei den verschiedenen Katzenhilfen und in den näher und weiter gelegenen Tierheimen nach, aber es gab nirgends Katzen, die in unser Suchraster passten. Schließlich erfuhren wir über unseren Tierarzt von einer seriösen Hobbyzüchterin, die gerade einen neuen Wurf Katzenbabys zur ersten Impfung bei ihm vorgestellt hatte. Er vermittelte den Kontakt, und so begaben wir uns auf den Weg.

So eine kleine Katze und so eine große Decke

In dem gemütlichen Haus der Familie hatte man ein eigenes Zimmer für die Welpen reserviert. Das erste, was wir in diesem Zimmer zu sehen bekamen, war ein Haufen blauer und lilac-weißer Fellbündel, die neben- und übereinander gestapelt  zusammengekuschelt lagen und vor sich hindösten. Ein Haufen Katzenbabys! Da war es natürlich um meine Angetraute geschehen, und ich wusste, daß wir hier nicht mehr ohne positives Ergebnis rauskommen würden. Wir ließen den Katzenhaufen weiter dösen und unterhielten uns erstmal mit der Züchterin. Auf dem Weg ins Wohnzimmer kamen wir an Duke, dem Vater der Welpen vorbei, einem beeindruckenden, blaufarbenen Britisch Kurzhaar-Kater, der es sich auf einem Naturholzkratzbaum bequem gemacht hatte. Ebenfalls liefen in der Wohnung die Mutter sowie drei Tanten herum, allesamt wunderschöne Tiere.

Daisy ist ja ganz zufrieden, aber Sally...
 
Als die lieben Kleinen ihr Mittagsschläfchen beendet hatten, begaben wir uns zu ihnen ins Zimmer, in dem wir von einer nunmehr ausgelassen tobenden Meute empfangen wurden. Die blaufarbenen Mini-Kater kamen für meine Angetraute nicht in Frage, denn durch diese wurde sie stets an Lucy erinnert. Aber ein kleines lilac-weißes Katzenmädchen erwärmte ihr Herz. Dieses war bereits einem anderen Interessenten versprochen, doch die Züchterin kannte unsere Geschichte durch das Gespräch mit unserem Tierarzt und war bereit da noch was zu unternehmen. So kauften wir die Kleine, und zwar zu einem – für Rassekatzen mit Stammbaum – Spottpreis. Dieser kam zustande, weil diese Katze einen Farbfehler hatte, der sie für die weitere Zucht ungeeignet machte. Im Kaufvertrag vereinbarten wir auch direkt ein Zuchtverbot, was uns wirklich nicht störte, da wir dergleichen ohnehin nicht vorhatten. Aber es waren immer noch ein paar hundert DM, die sehr zu meinem Missfallen fällig werden würden. Aber es fehlten die Alternativen. Unser künftiges Familienmitglied hieß von Hause aus Elli, aber wir einigten uns darauf, sie Daisy zu nennen. Miss Daisy, weil sie ja einen Stammbaum hatte. Was sein muß, das muß eben sein.

Man kommt sich näher

Drei Wochen später hatte Daisy zwar noch nicht ganz das richtige Alter erreicht, um von ihrer Mutter getrennt zu werden, aber es war vertretbar. Bei uns zuhause hingegen wurde es dringlich, daß Sally eine neue Gefährtin bekam. Sie wurde immer leidender und hysterischer. Und so brachte die Züchterin uns unsere neue Mitbewohnerin persönlich vorbei, denn sie wollte sich schon von den neuen Wohnverhältnissen ihres Schützlings überzeugen. Ich saß bei ihrer Ankunft auf dem Sofa, die Beine von mir weg gestreckt. Sally hatte es sich auf meinen demzufolge in Schräglage befindlichen Schienbeinen bequem gemacht. Als die Züchterin unsere Wohnung betrat, entschuldigte ich mich für mein Sitzenbleiben, doch der Auslöser für meine kleine Unhöflichkeit hatte sich schnell erledigt. Als die Transportbox geöffnet wurde, kam Daisy wie selbstverständlich direkt raus, was Sally natürlich in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Sofort zeigte sie, wer in unserem Haus ihrer Meinung nach das Sagen haben würde und bedrohte Daisy. Ein normales Verhalten.

Daisy begann, ihr neues Heim so gut es ging zu untersuchen, aber Sally ließ nicht locker und drängte sie immer und immer wieder in die verschiedenen Ecken unserer Wohnung.

(wird fortgesetzt)


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