Freitag, 12. April 2013

Anders und doch nicht anders (2)

Pünktlich am vereinbarten Tag fuhr die Truppe der WfBM vor:  der Leiter der Einrichtung und sieben behinderte Mitarbeiter, darunter mindestens einer mit Down-Syndrom. Schnell zeigten sich die Besonderheiten der Aktion. Immer dann, wenn Materialnachschub benötigt wurde, verschwand die ganze Mannschaft. Es war nicht möglich, die Arbeiten vom Chef unbeaufsichtigt ausführen zu lassen. Bemerkt hatten wir vorher schon, daß dieser mit einer Engelsgeduld Anweisungen wiederholte. Ein voller üblicher Arbeitstag vor Ort fand auch nicht statt; die Arbeiten waren natürlich dem eingeschränkten Leistungsvermögen der Mitarbeiter angepasst. Dazu gehörte zusätzlich noch die Berücksichtigung der jeweiligen Belastbarkeit. Kein Wunder, daß man für unseren Garten volle zwei Woche eingeplant hatte. Aber das störte uns nicht weiter, und auch auf der Rechnung würde sich das nicht bemerkbar machen, denn die Preise für die Arbeiten waren nach Quadratmetern berechnet und nicht nach einem dafür erforderlichen individuellen Zeitansatz. Es würde so lange dauern, wie es eben dauern würde.



Frau Kleinhüppgenreuther zeigte sich mal wieder von ihrer besten gedankenlosesten dämlichsten Seite. Im Rahmen eines Gespräches fragte sie, ob diese Leute denn kostenlos für uns arbeiten würden. Wie realitätsfern ist das denn jetzt bitte? Nun ja, meine Antwort fiel dann doch etwas verbindlicher aus als ich sie gerne gegeben hätte.



Die Stimmung war während der Arbeiten durchgehend gut, aber wir bemerkten schon, daß der Chef bereits in früheren Zeiten zuweilen mit seltsamen Ansichten konfrontiert worden sein musste. Als die zweitbeste Ehefrau von allen ihn nämlich ansprach und fragte, wie lange sie denn noch etwa benötigen würden, bekam er wieder diesen gehetzt-verzweifelten Blick und erläuterte wortreich und entschuldigend, daß seine Jungs und Mädels eben nicht soooo schnell vorangehen könnten. Umso mehr wandelte sich sein Gesicht in dem Moment des Luftholens, den die zweitbeste Ehefrau von allen nutzte um ihn darüber aufzuklären, daß sie keineswegs Druck machen wolle, sondern die Frage nur gestellt habe, weil wir den gegebenen Auftrag spontan noch gerne erweitern würden und mit dem bis jetzt geleisteten sehr zufrieden seien.




Nach zwei Wochen war unser Garten – trotz der spontanen und aus unserer Sicht nicht ganz unerheblichen Auftragserweiterung – schließlich fertig gestellt. Das Ergebnis übertraf alle unsere Vorstellungen. Wir würden jederzeit wieder Arbeiten durch die WFbM erledigen lassen und können dem geneigten Leser nur empfehlen, sich auch mal in seiner Gegend nach einer solchen Einrichtung umzusehen. Deren Dienstleistungsangebot ist vielfältiger als man meint. Und ein schönes Catering oder einen Buffetservice kann man doch auch immer mal wieder gebrauchen, oder?!


(Ende)



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