Donnerstag, 11. April 2013

Anders und doch nicht anders (1)

Als die zweitbeste Ehefrau von allen und ich in den Kirschgartenweg Nr. 17b zogen, bekamen wir ein Problem: Von nun an würde uns ein Garten gehören, den wir auch zu pflegen hätten. Glücklicherweise handelt es sich dabei um eine übersichtliche Fläche, eben ein typischer Vorgarten, der das Haus von drei Seiten umgibt. Wir beide haben Rückenprobleme, meine Angetraute in Form eines zweifachen Bandscheibenvorfalls, während ich mich mit einem Morbus Scheuermann in der atypischen Erscheinungsform, also der zuweilen richtig fies schmerzhaften Variation des Typs 2, welche man aber optisch nicht direkt wahrnimmt, herumschlagen darf. Keine gute Voraussetzung für Gartenarbeit. Außerdem habe zumindest ich nicht das mindeste Interesse an Ackerbau und Viehzucht.

In unserer neuen Bleibe waren wir die Erstbezieher dieser Wohnung. Sie stand zuvor längere Zeit leer und wurde vom Bauträger als Musterwohnung genutzt, während der Rest des Hauses bereits bewohnt war. Die bisherige Gartenpflege hatte der Bauträger durch einen Gärtner vornehmen lassen, dies aber nur im absoluten Sparmodus. Es standen zwei allgemein unbekannte Bäume herum, die sich später als Mispeln identifizieren ließen, dazu kamen eine Staude und viele wieder verwilderte Edelrosen. Ansonsten war alles mit Rindenmulch abgedeckt. Das Gelände fiel stellenweise ziemlich steil ab. Insgesamt würde die Gartengestaltung eine echte Herausforderung werden, zumal auch die Mispeln keinesfalls an ihrem Platz stehen bleiben konnten.

Was tun? Wir würden es ohne Hilfe nicht hinbekommen, hatten aber zumindest eine Vorstellung darüber, was man machen könnte. Einen Rasen jedenfalls wollten wir nicht anlegen, schon der würde zuviel Arbeit machen, die Anschaffung eines Rasenmähers erfordern und dann aufgrund der bereits erwähnten Steilhänge auch noch kompliziert - weil kraftaufwendig - zu pflegen sein. Nö, vielen Dank. Die Idee einer Wiese mit Wildblumen war nicht realistisch, denn dann hätten wir mit stetigem Protest unserer unmittelbaren Nachbarn rechnen müssen, die einen englischen Rasen pflegten.

Auch die Anregung, die Gartenpflege und die Nutzungsrechte an demselben an unsere Mitbewohner aus dem Haus zu übertragen, fand dort nicht auf ausgeprägte Gegenliebe, hatte man doch extra aus dem Grund, nicht die Gartenarbeit übernehmen zu müssen, höher gelegene Wohnungen bezogen. Es musste was geschehen, denn mit Inbesitznahme des Geländes durch uns endete die Pflege durch den Bauträger. Das Unkraut begann sofort zu schießen, und knapp zwei Wochen nach unserem Einzug monierten Nachbarn aus anderen Häusern, insbesondere Frau Kleinhüppgenreuther, der Else Kling unserer Gegend, daß wir immer noch nicht mit dem Gartenbau begonnen hätten. Man hat in der Zeit unmittelbar nach einem Umzug ja auch echt nichts Besseres vor…

Auf dem Weg vom LASA nach Hause fiel uns des Öfteren ein Schild auf, welches auf den Standort einer Werkstatt für behinderte Menschenmit dem Schwerpunkt Gartenarbeiten hinwies. Würde man sich dort nur mit Gartenpflege beschäftigen oder etwa auch einen kompletten Garten anlegen können? Fragen kostet nichts. Schon beim ersten unangekündigten Besuch konnte ich mit dem Leiter der WfBM sprechen. Als ich mein Anliegen schilderte, bekam er zunächst ein nervöses Flackern in den Augen. Eine komplette Gartengestaltung mit zwingender Erdbewegung  schien eine echte Herausforderung zu sein, doch ich konnte den guten Mann mit einem Hinweis auf die übersichtliche Grundstücksgröße beruhigen. Wir vereinbarten einen Termin, zu dem ein Mitarbeiter sich die Sache vor Ort mal ansehen würde.

Im Rahmen des Ortstermins wurden unsere Vorstellungen über das Aussehen eines pflegeleichten Gartens sehr schnell über den Haufen geworfen. Doch dann kam der Gegenvorschlag, wie der Garten denn aussehen könnte: Man riet uns, einen Steingarten anzulegen, was mit keinem über den Rahmen ragenden Aufwand erfolgen könnte. An einen Steingarten hatten wir gar nicht gewagt zu denken, war aber schon ein Traum von uns gewesen.  Die Beschreibung des Machbaren kam unseren Vorstellungen sehr entgegen. Der Termin für die Umsetzung allerdings würde erst im Oktober sein. Bis dahin sei man ausgebucht. Mist, das waren noch sechs Monate. Unsere Nachbarn würden sich auf etwas einstellen müssen.

 (wird fortgesetzt)


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