Freitag, 29. März 2013

Osterspaziergang

Damals war es, als Ostern noch im beginnenden Frühling stattfand und nicht ein verspätetes Weihnachten darstellte. So rein wettermäßig gesehen jedenfalls. Die Welt war noch in Ordnung, der Feind saß im Osten, und selbiger begann grob rechts neben Frankfurt – am Main, nicht das an der Oder. Außerdem konnte man die weite Reise eines gewissen Herrn Schmitt durchaus noch als Ereignis der näheren Zeitgeschichte betrachten. Vor allen Dingen aber war der große, zunehmend grauhaarige Paterfelis noch ein kleiner blonder Paterfelis, dessen einziger ernstzunehmender Bartansatz durchaus treffend mit dem Begriff Milchbart zu beschreiben war.

Was kann es schöneres geben, als an einem sonnigen Ostertag mit Mama und Papa einen Waldspaziergang zu unternehmen? Einiges! Das hat der kleine Paterfelis schon so gesehen, und der große Paterfelis von heute bringt für diese Ansicht durchaus immer noch ein gewisses Verständnis auf. Spaziergänge mit Mama und Papa sind einfach langweilig, wenn es nichts zu sehen oder zu erleben gibt. Es war ja nicht so, daß ich zu einem solchen Anlass den feinsten Sonntagsstoff anziehen musste, da waren meine Eltern schon etwas bodenständiger, aber interessanter ist die ganze Angelegenheit dadurch trotzdem nicht geworden.

Doch was war das? Da vorne, in dem Astloch des Baumes, direkt neben dem Weg? Da leuchtete etwas in roter Farbe. Das gehörte da bestimmt nicht hin. Paterfelis, guck doch mal nach. Uiiiiih, ein Schokoladenei. Da muß der Osterhase wohl vorbeigekommen sein. Na, junger Mann, dann suche mal weiter. Schnell rannte der kleine Paterfelis vor und siehe da, es fand sich ein blaues Schokoladenei. Und ein gelbes. Und wieder ein rotes. Die Sache wurde auf einmal durchaus spannend. Wohin mit den ganzen Schokoladeneiern? Also wieder zurück. Hier, Papa, halte mal, ich muß die Hände frei haben. Und wieder ab ins Gebüsch. Oh, die Mama ruft, sie hat ein blaues Schokoladenei gesehen. Da, etwas rechts neben ihr. Also zurück, die Beute sichern, Papa bleibt weiter vorne und passt darauf auf.

So ging es eine ganze Weile weiter, immer wieder vor und zurück, Schokoladeneiner suchen. Der ganze Wald schien voller Schokoladeneier zu sein. Der kleine Paterfelis suchte und suchte, fand Unmengen der kleinen Naschereien, und sowohl der Herr Papa als auch die Frau Mutter zeigten sich als willige Lastesel. Doch, dieser Osterspaziergang hatte sich gelohnt.

Wieder zu Hause angekommen wurde mir keineswegs bewusst, daß die Ausbeute nicht mal im Ansatz so groß war, wie sie in Anbetracht der von mir gefundenen Schokoladeneier hätte sein müssen. Denn sonst wäre mir mit Sicherheit klar geworden, daß meine Eltern die gefundenen Schokoladeneier in den zahlreichen unbeobachteten Momenten wieder so versteckt hatten, daß ich sie nochmals finden konnte…



Kommentare:

  1. ... und ich hatte gedacht, das Wiederverstecken wäre meine Erfindung gewesen... Wir haben dafür dieses Jahr zu Ostern In Leipzig einen Schneemann gebaut und meine Nichte ist fuchsteufelswild geworden, als Opa mit 2 Ohren daraus einen Schneehasen zaubern wollte... Jenny

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  2. Och, ich weiß gar nicht, was die Kleine hatte. Noch ein Stummelschwänzchen hinten dran und fertig. :D

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