Donnerstag, 21. März 2013

Ein fast normales Wochenende (8)

Ich hatte es nicht schnell genug geschafft, mich durch das vor der Bühne versammelte Publikum in Richtung Garderobe zu kämpfen, um dort noch meine Sachen rausholen zu können, bevor die Mädels hinter verschlossenen Türen blank zogen die Kleidung wechselten. Also wartete ich brav im Vorraum, in dem sich zwei Jugendliche der später noch auftretenden Zirkusschule Don Peperoni aufhielten und mit Bällen jonglierten. Ich beobachtete die beiden Jungs und hatte somit eine gewisse Unterhaltung.

Immer mehr Kinder, Jugendliche und Elternteile versammelten sich; ihre Garderobe befand sich neben unserer. Und wie angehende Zirkuskinder so sind, konnten auch die hier anwesenden nicht ruhig auf die Dinge warten, die da kommen würden, sondern beschäftigen sich mit ihren artistischen Darbietungen. Leider zeigte sich auch schnell, wie nervtötend ehrgeizige Eltern sein können. Ein Elternpaar redete pausenlos auf ihren Sprössling ein, bemerkten schließlich, daß er seine Schläppchen vergessen hatte, was es ihm unmöglich machte, seine Seiltanznummer aufzuführen. Eine Katastrophe – für die Eltern. Der Junior wurde mit Schuldvorwürfen überschüttet, der Tag, ja die ganze Karriere sei gelaufen und Lust zum Zuschauen und Fotografieren habe man ja nun gar nicht mehr.

Don Peperoni, der Chef der Zirkusschule, zeigte sich da deutlich entspannter. Er hat mich mit seinem ruhigen und gelassenen Umgang mit den Kindern und den Eltern sehr beeindruckt. Der Mann muß wirklich abgehärtet sein. Und für den unglücklichen, schläppchenlosen Jungen fand er in seiner tiefenentspannten Art auch eine Lösung, so daß unser unglückliches Nachwuchstalent zu seinem Auftritt kommen würde. Nicht auf dem Seil, das ging so wirklich nicht, aber man zeigte sich vielseitig befähigt. Wunderbar.

Die Mädels waren fertig, wir konnten aufbrechen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich brachten Alexandra noch nach Hause, um dann noch mal in Richtung Messe aufzubrechen. Ich hatte in der Nähe der Bühne einen Gewürzstand gesehen, und da wir da aktuell einen gewissen Bedarf haben, wollten wir die Gelegenheit nochmal nutzen und uns eindecken. Meine Angetraute wies mich vor dem Betreten des Saales darauf hin, daß ich sie bitte unter Anwendung sanfter ausreichender Gewalt davon abhalten solle, auf Jens-Rüdiger loszugehen, falls dieser unseren Weg kreuzen sollte. Das Risiko bestand durchaus, denn er hätte jetzt bald einen weiteren Auftritt. Wir sahen ihn allerdings nicht mehr, doch stattdessen konnten wir den Vorführung der Zirkusschule bewundern. Nach einem leider erfolglosen Besuch des Gewürzstandes setzten wir uns ab.

Ein letztes bemerkenswertes Ereignis des Tages war die Ausfahrt vom Parkplatz. Natürlich herrschte entsprechend starker Verkehr an dieser Engstelle, doch plötzlich stockte alles. Vor uns hatten zwei ältere Damen ihren Wagen mitten in der Ausfahrt angehalten, stiegen aus und begannen, aus dem Kofferraum alte Kleidungsstücke zu entnehmen, um diese im nahegelegenen Altkleidercontainer zu deponieren. Muß man das an so einem Tag machen? Und dann auch noch gleichgültig die massive selbst ausgelöste Behinderung hinnehmen? Wie benebelt können manche Menschen sein?

Auf unserer weiteren Heimreise wurde uns kräftig die Vorfahrt genommen. Balduin ließ als Reaktion auf Geheiß meiner Angetrauten sein Horn nochmal erklingen. So oft musste er dies lange nicht mehr tun. Und wie es so bei Vorfahrt nehmenden Fahrern der Fall ist, geben sie anschließend nur sehr behäbig Gas und schaffen es so, die von ihnen zuvor Aufgehaltenen noch weiter gegen sich aufzubringen.

Wieder zu Hause angekommen haben wir  den Tag langsam bei selbst gemachten Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne ausklingen lassen. Die Baronin hatte zuvor noch eine Idee geäußert, wie das Kleid meiner Angetrauten gerettet werden könne. Es bestand also Hoffnung. So ging ein fast normales Wochenende seinem Abschluss entgegen.

(Ende)



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