Sonntag, 17. März 2013

Ein fast normales Wochenende (4)

Alexandra nahm sich das Mikrofon, was für mich das Zeichen zum Start war. Sie sprach ihre Eröffnungsworte, dann ging es los. Aus meiner Sicht verlief alles weitgehend gut, doch ist das leider nicht sehr aussagefähig, denn wenn ich als Kameramann vor Ort bin, beobachte die ganze Aktion immer nur über den kleinen Monitor, und auf dem sehe ich natürlich nicht übertrieben viele Details und achte im Wesentlichen nur darauf, daß  der Bildausschnitt stimmt und mir niemand aus dem Bild hüpft. Gerade Alexandra neigt dazu, die volle Bühnenbreite in Anspruch zu nehmen, was immer wieder Korrekturen in der Kameraführung nach sich zieht. Und die Messebühne ist richtig breit. Doch dieses Mal gab es für mich keine Probleme. Sehr schön.

Allerdings merkte ich schmerzlich, daß ich meine Wasserflasche in der Garderobe gelassen hatte, unmittelbar in der Nähe meiner Kaugummis. Und natürlich ist genau das der Moment, in dem man in der deutlichen zu warmen Messenhalle ein nicht geringes Durstgefühl aufgedrängt bekommt. Pech, da musste ich wohl durch.

Vor der Bühne befand sich zweckmäßigerweise auch der Sitzplatzbereich der eingerichteten Cafeteria. Dort hatten sich massenhaft überaus ältere Damen bei Kaffee und Kuchen niedergelassen. Natürlich nicht, ohne ihre dicken Winterjacken bis zur Halskrause geschlossen zu halten, während oben aus dem Kragen noch Reste der selbstverständlich getragenen Wollschals herausragten. Ich werde es nie begreifen.

Die Show war vorbei, es ging wieder in Richtung Garderobe. Mit knapper Not konnte ich zwischen den ganzen gackernden Hühnern meinen Rucksack schnappen, während ich Katjas freudestrahlende Stimme hörte, daß ich ihnen wohl beim Ausziehen helfen wolle. Nö, hatte ich nicht vor. Obwohl… nö, besser doch nicht. Nur schnell raus. Und schon begann die lange Zeit des Wartens im Gang vor der Garderobe. Noch nicht mal ein Stuhl stand da, was mich alle Jahre wieder nervt. Alexandra blieb ebenfalls noch etwas draußen und nahm lobende Worte von Teilnehmern der Boogie-Woogies entgegen, die sich auf einen weiteren Auftritt vorbereiteten, nämlich einer 50er-Jahre-Modenschau. Schreckliche Klamotten, es leben die 80er. Oder besser doch nicht, modetechnisch war da alles außer dem von mir seinerzeit bevorzugten Don-Johnson-Look eigentlich auch total daneben.

Alexandra erzählte mir schließlich, daß sich der BH der zweitbestehen Ehefrau von allen auf der Bühne bei der Aufnahme eines Schleiers geöffnet habe, er von Alexandra, die das rechtzeitig bemerkte, aber wieder bei passender Gelegenheit geschlossen wurde. Natürlich habe ich das auf dem kleinen Monitor nicht gesehen, habe aber auch andererseits nichts Entsprechendes vernommen. Wenn das aufgefallen wäre, hätte man sicher das eine oder andere Wort dazu gehört, stand ich doch mitten in der Menge und bekam ohnehin alle möglichen Kommentare mit. Mal sehen, was die Aufnahme so ans Tageslicht bringt. Jedenfalls wohl kostümbedingt keine nackten Tatsachen, das zumindest stand fest. Aber für einen nachhaltigen Adrenalinschub wird es bei meiner Angetrauten gesorgt haben. Damit ist – nachdem sie sich bei einem früheren Auftritt auf dieser Bühne einen fetten Splitter in den Fuß gerammt hat und somit leicht blutend und mit entsprechenden Schmerzen weitertanzen musste – der nächste Punkt auf der Liste der Dinge, die auf der Bühne einmal passiert sein müssen, obwohl man sie nicht braucht, abgehakt.

Schließlich erschienen auch die Mädels wieder. Ich wurde erneut mit Taschen bepackt, es konnte der Weg nach Hause angetreten werden, allerdings mit einem kleinen Umweg, denn die Baronin von und zu Weinstein wollte doch zu ihrem noch bei der Turnhalle parkenden Auto gebracht werden.

Wieder im heimischen Kirschgartenweg angekommen erwies es sich als praktisch, daß das Essen nur noch aufgewärmt werden musste, denn der Adrenalinschub, den meine Angetraute mitbekommen hatte, muß für eine beschleunigte Verarbeitung des eingenommenen Frühstücks gesorgt haben. Ihr Magen hing in den Kniekehlen, wie man bei uns so schön sagt, während ich noch nicht mal ansatzweise Hunger hatte, obwohl wir das gleiche gegessen hatten. Mein Vorschlag, zum wiederholten Erreichen des Ziels der schnellen Verdauung häufiger nackt auf der Bühne zu tanzen, wurde mit einem vernichtenden Blick quittiert. Der eigentliche Grund der vorzeitigen Zubereitung des Abendessens hingegen hatte sich zwischenzeitlich in Wohlgefallen aufgelöst, denn mein Friseurtermin konnte umständehalber von Conny nicht wahrgenommen werden.

Zwischenzeitlich machten sich auch die ersten Zeichen der Übernächtigung bemerkbar, aber um das Spiel nicht am Sonntag nochmal mitmachen zu müssen, hielt ich aus so lange es ging. Als ich mich dann schließlich doch bettfein machte, versagt meine elektrische Zahnbürste noch ihren Dienst und hörte einfach auf zu arbeiten. Mit mangelnder Stromversorgung hatte das nichts zu tun, dazu stoppte sie zu abrupt.

Ach ja, die Lampe des linken Scheinwerfers von Balduin ist auch kaputt gegangen. Und ich habe mein knallgelbes Poloshirt beim Essen nun doch noch mit Tomatensauce eingesaut.

Also warten wir voller Vorfreude auf das, was uns der Rest des Wochenendes noch bringen wird.

(wird fortgesetzt)


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