Samstag, 16. März 2013

Ein fast normales Wochenende (1)

Nachdem ich in der ganzen Woche im Büro nur noch zwischen permanentem Aufregen und abgrundtiefer Resignation hin und her pendelte, war ich am Freitag ziemlich ausgelutscht. Die Arbeit ist einfach nicht zu bewältigen, und die Aussicht für die nächsten drei Monate stehen eher auf „es wird noch dicker kommen“ als auf Entwarnung. Was soll man aber dann noch dazu sagen, wenn man mitbekommt, daß einer unserer jüngeren Kollegen sich schon beklagt, daß er vor noch nicht mal zwei Jahren mit vollen Akkus und viel Elan zu uns gekommen war, aber diese Akkus zwischenzeitlich vollkommen leer seien und er keinen Bock mehr habe, weil man machen könne was man will, es aber trotzdem nicht besser würde. Ihm wurde nur noch müde geantwortet, daß es bei uns Leute gibt, die das Elend schon seit mehr als zehn Jahren mitmachen. Thema durch, Fall erledigt. Nicht nett, aber nachvollziehbar. Ich hätte auch nicht gewusst, was ich anderes hätte sagen sollen, wenn er mich angesprochen hätte.  Der Arbeitstag endete mit der Feststellung, daß mein Shirt ein unflickbares Loch im Ärmel offenbarte. Na toll, denn schon in der letzten Woche hat sich an einem ebensolchen Shirt an der gleichen Stelle ebenfalls ein solches Loch gezeigt. Die Dinger waren echt nicht bürotauglich, denn die Löcher sind an den Stellen, an denen meine Arme an der Schreibtischkante aufliegen, während ich arbeite.

So ging ich Freitag eine Stunde früher als üblich in die Koje, natürlich nicht ohne die Fütterung der Raubtiere, grübelte noch etwas und döste dann weg. Meinen Schlafgewohnheiten entsprechend wurde ich früh wach. Da ich ohne Brille blind wie ein Maulwurf bin, robbte ich vorsichtig – Stichwort: Katzenmatratze - etwas näher an den Radiowecker ran und musste feststellen, daß im Bereich der Stundenanzeige eine fette 02 leuchtete. Irrtum ausgeschlossen. Und ich war hellwach. Na prima, eine Stunde früher als sonst. Wie passend.

Die Katzenbande hatte mich auch wieder fest im Griff, so wie es sich gehörte. Sally lag in meinen Kniekehlen und schnarchte vor sich hin, Lilly hatte es sich auf der Seite meines Oberkörpers bequem gemacht, und Marty streckte sich in voller Länge entlang meiner Beine aus. Also waren alle auf  ihren Stammplätzen. Nur Smilla hat sich noch nicht angewöhnt, mich in der Nacht zu belästigen. Die ist eben ein echtes Mama-Kind und eher bei meiner Angetrauten anzutreffen.

Ich blieb noch etwas liegen, bis mir der Gedanke kam, etwas Sinnvolles tun zu können. Am Abend hatte ich einen Termin mit Conny. Die zweitbeste Ehefrau von allen war der Meinung, daß es meiner wallenden Haarpracht mal wieder bekommen würde, etwas gestutzt zu werden. So beschloss ich aufzustehen und um drei Uhr morgens schon mal das Abendessen vorzubereiten. Es würde wieder sehr geruchsintensiv werden, und ich finde es nicht so prickelnd, mit frisch nach Küchendünsten riechenden Haaren zum Friseur zu gehen. Das ist ja so, als ob man mit Knoblauchfahne seinen Zahnarzt heimsucht. Geht einfach nicht.

Also schlurfte ich in die Küche, versorgte die Katzen mit ihrer morgendlichen Nassfutterration, reinigte die drei Katzenklos, nahm die Videokamera, um deren Akku aufzuladen, suchte das Ladekabel, daß sich nicht in der zugehörigen Tasche befand, fand es schließlich direkt neben der Tasche, schloss alles an, ging zurück in die Küche und werkelte so vor mich hin. Ein Blick ins Dunkle überzeugte mich davon, daß der Wetteronkel aus dem Fernsehen auch nicht so richtig wusste wovon er sprach, als er meinte, Regen würde erst heute Abend wieder zu uns kommen. Was ist denn das wohl für ein komisches nasses Zeug, was da vom Himmel fällt? Und das nicht zu knapp. Nö, das gefiel mir gar nicht, weil ich heute noch mehrfach vor die Tür musste. Außerdem hatten die zweitbeste Ehefrau von allen und die Mädels an diesem Wochenende wieder zwei Auftritte, was bedeutete, gut mit Kostümen, der Kamera und sonstiger Ausrüstung beladen durch die Gegend latschen zu müssen.

Als ich mit meinen Vorbereitungen in der Küche fertig war (Rezept folgt, es gab Wurstgulasch) schmiss ich mich an den Rechner, aber nur um festzustellen, daß die Online-Welt auch noch nicht so richtig aktiv war und mir nichts Neues bescherte. Langweilig. Also belud ich im Vorübergehen die Waschmaschine, schaltete sie ein und legte ich mich nochmal für ein Stündchen hin, ignorierte die in voller Stärke zur Fütterung der Raubtiere angetretene Katzenbande (die Leckerchen-Aktion gibt es nur abends und nicht jedes Mal, wenn ich ins Bett gehe) und wartete, daß die Zeit verging.

(wird fortgesetzt)



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