Samstag, 23. März 2013

Der gelbe Daumen

Es gibt Menschen, die haben ja den berühmten grünen Daumen. Ich habe den nicht, bei mir überleben höchstens Drachenbäume (einer schon fast 20 Jahre) und Kakteen. Letztere aber nur, sofern diese nicht von der Katzenbande zerfleischt werden. Da dieses aber von Seiten der Vierbeiner mit Begeisterung und geschieht, habe ich mich von den Kakteen wieder abgewandt. Das ist schon sehr bedauernswert für mich, denn ich mag Kakteen sehr gerne. Aber als Katzenspielzeug sind die mir zu schade. Die Katzenbande legte aber auch ein erstaunliches Geschick an den Tag, als es darum ging, die bemitleidenswerten Opfer zu zerlegen. Egal wie stachelig der jeweilige Kaktus war, es hat nie dazu gereicht, die Killerpfoten so zu stechen, daß Blut floss. Niemals.

Aber zurück zum grünen Daumen, den ich nicht habe. Oder besser hin zu dem Daumen, den ich habe. An sich habe ich zwei, von denen einer ganz normal und unauffällig ist. Der andere aber war morgens plötzlich gelb, als ich ihn mir angesehen habe. So richtig gelb. Auffallend gelb. Und ich konnte nichts schnell Wirksames dagegen unternehmen.

Seniorkatze Sally hat eine heftige Blasenentzündung und wird deswegen mit Tabletten versorgt. Einmal am Tag eine halbe von dieser und ein Viertelchen von jener, und das über 14 Tage verteilt, sollte hoffentlich ausreichen, um die alte Dame wieder fit zu machen – was immer das in ihrem Alter auch bedeuten mag.



Zunächst hatte sich die zweitbeste Ehefrau von allen aufgeopfert, die tägliche Tablettengabe zu übernehmen. Dies hätte den Vorteil, daß ich – als Bezugsperson Nummer 1 – nicht bei Sally in Ungnade fallen würde. Sie würde bei der Verabreichung der Tabletten auch sehr unproblematisch sein, so unsere Erfahrung.

Dieses Mal nicht.

Trotz intensiven Zuredens konnte meine Angetraute Sally nicht davon überzeugen, die Tabletten nicht wieder auszuspucken. Die Sache entwickelte sich schließlich zu einer Machtprobe zwischen den beiden Damen, den die insgesamt weniger Dunkelhaarige von beiden schließlich mit meiner Unterstützung gewonnen hat.

Nun kommt es vor, daß die Katzenmama des Hauses zu der Uhrzeit, zu der Sally versorgt werden muß, durch Abwesenheit glänzt oder einfach auch mal inhäusig verhindert ist, so daß ich die Tabletten gebe, was in Windeseile und ohne Zickenterror erledigt wird. Also bin ich jetzt dafür zuständig geworden. Sally zeigt sich auch nicht nachtragend.  Nachdem sich ihre Verwirrung nach der Tablettengabe gelegt hat, kommt sie direkt wieder zu mir um zu kuscheln oder Leckerchen abzustauben. Eine wirklich eingeschnappte Katze würde so etwas nicht tun. Das haben wir auch schon erlebt. Daisy war ein Paradebeispiel dafür, wie sehr eine Katze beleidigt sein kann. Vielleicht macht sich hier auch der Umstand bemerkbar, daß Sally die zweitbeste Ehefrau von allen seinerzeit huldvoll in ihrer und meiner Wohnung aufgenommen hat. Mit anderen Worten: Was meine Person angeht, hat Sally hier eindeutig die ältesten Rechte, alles andere ist zugelaufenes Pack.

Gestern gab es am späten Nachmittag wieder eine Ration Tabletten von mir. Der Trick ist, diese der Katze ziemlich weit hinten in den Rachen zu geben, so daß sie keine Chance zum Spucken mehr hat. Das bedeutet aber auch, daß Fingerteile ebenfalls ziemlich weit in die Schnauze eines gemeingefährlichen Raubtieres hineinragen. Außerdem macht so eine Katze selbst bei Vorliegen eines innigen Verhältnisses die Klappe nicht freiwillig auf, wenn sie Tabletten schlucken soll. Und ihr könnt mir glauben, diese Klappe wird von nicht zu unterschätzenden Muskeln geschlossen gehalten. Die Kraft, die man aufwenden muß, um da weiterzukommen, ist schon bemerkenswert.

Es ist auch nicht damit getan, die Tabletten in einer guten Position im Rachen abzulegen. Sobald selbiges geschehen ist, wäre es überaus sinnvoll, die Finger schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, denn bei der Katze löst ein Schluckreflex aus, der es auch nach sich zieht, daß die geöffneten Kiefer sich wieder schließen und die Zähne, insbesondere die Reißzähne, sich bedrohlich den nun tablettenlosen Fingern nähern. Wie gesagt, man sollte schnellstmöglichreagieren.

Habe ich aber nicht.

Einer der Reißzähne punktierte meinen Daumen, so daß es blutete. Kein Vorwurf an Sally, sie konnte nicht anders. Da ein Katzenbiss oder auch nur ein Ritzer von einem Katzenzahn erfahrungsgemäß sehr üble Folgen haben könnte, versorgte mich die zweitbeste Ehefrau von allen auch direkt wundmedizinisch. Das aufgetragene Zeug hat aber ziemlich gefärbt, und mit Wasser und Seife ist da nicht soooo leicht was zu machen. Also bekam ich einen gelben Daumen.

Übrigens: Ich finde die Frage hinsichtlich einer eventuellen Gelbsucht auch nach dem fünften Hören nicht übertrieben originell. Aber wie heißt es so schön? Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Oder so ähnlich.


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