Freitag, 29. März 2013

Osterspaziergang

Damals war es, als Ostern noch im beginnenden Frühling stattfand und nicht ein verspätetes Weihnachten darstellte. So rein wettermäßig gesehen jedenfalls. Die Welt war noch in Ordnung, der Feind saß im Osten, und selbiger begann grob rechts neben Frankfurt – am Main, nicht das an der Oder. Außerdem konnte man die weite Reise eines gewissen Herrn Schmitt durchaus noch als Ereignis der näheren Zeitgeschichte betrachten. Vor allen Dingen aber war der große, zunehmend grauhaarige Paterfelis noch ein kleiner blonder Paterfelis, dessen einziger ernstzunehmender Bartansatz durchaus treffend mit dem Begriff Milchbart zu beschreiben war.

Was kann es schöneres geben, als an einem sonnigen Ostertag mit Mama und Papa einen Waldspaziergang zu unternehmen? Einiges! Das hat der kleine Paterfelis schon so gesehen, und der große Paterfelis von heute bringt für diese Ansicht durchaus immer noch ein gewisses Verständnis auf. Spaziergänge mit Mama und Papa sind einfach langweilig, wenn es nichts zu sehen oder zu erleben gibt. Es war ja nicht so, daß ich zu einem solchen Anlass den feinsten Sonntagsstoff anziehen musste, da waren meine Eltern schon etwas bodenständiger, aber interessanter ist die ganze Angelegenheit dadurch trotzdem nicht geworden.

Doch was war das? Da vorne, in dem Astloch des Baumes, direkt neben dem Weg? Da leuchtete etwas in roter Farbe. Das gehörte da bestimmt nicht hin. Paterfelis, guck doch mal nach. Uiiiiih, ein Schokoladenei. Da muß der Osterhase wohl vorbeigekommen sein. Na, junger Mann, dann suche mal weiter. Schnell rannte der kleine Paterfelis vor und siehe da, es fand sich ein blaues Schokoladenei. Und ein gelbes. Und wieder ein rotes. Die Sache wurde auf einmal durchaus spannend. Wohin mit den ganzen Schokoladeneiern? Also wieder zurück. Hier, Papa, halte mal, ich muß die Hände frei haben. Und wieder ab ins Gebüsch. Oh, die Mama ruft, sie hat ein blaues Schokoladenei gesehen. Da, etwas rechts neben ihr. Also zurück, die Beute sichern, Papa bleibt weiter vorne und passt darauf auf.

So ging es eine ganze Weile weiter, immer wieder vor und zurück, Schokoladeneiner suchen. Der ganze Wald schien voller Schokoladeneier zu sein. Der kleine Paterfelis suchte und suchte, fand Unmengen der kleinen Naschereien, und sowohl der Herr Papa als auch die Frau Mutter zeigten sich als willige Lastesel. Doch, dieser Osterspaziergang hatte sich gelohnt.

Wieder zu Hause angekommen wurde mir keineswegs bewusst, daß die Ausbeute nicht mal im Ansatz so groß war, wie sie in Anbetracht der von mir gefundenen Schokoladeneier hätte sein müssen. Denn sonst wäre mir mit Sicherheit klar geworden, daß meine Eltern die gefundenen Schokoladeneier in den zahlreichen unbeobachteten Momenten wieder so versteckt hatten, daß ich sie nochmals finden konnte…



Mittwoch, 27. März 2013

Süß - oder auch nicht

Auf unserer Etage im LASA gab es wieder einige Umzüge. Eine ältere Kollegin im Büro gegenüber, zu der Mandy und ich in regelmäßigem dienstlichen Kontakt standen, war ebenfalls davon betroffen. Sie hat es in unser hier im Blog schon erwähntes büroeigenes Indien, also auf die andere Seite des Ganges in die Nachbarschaft vom Ökoklaus verschlagen. Wir fanden das schon schade, denn die Zusammenarbeit zwischen uns verlief ganz gut, und auch persönlich harmonierten wir.

Der Umzug fand bereits vor einigen Tagen statt, aber zum Abschied wollte unsere Kollegin uns sowie den nachgerückten neuen Büronachbarn einen Ausstand hinterlassen und brachte ihren insbesondere bei Mandy ausnehmend beliebten Fleckenkuchen mit. Und da ich allseits bekanntermaßen nicht so übertrieben auf Süßkram jeglicher Art stehe, bekam ich eine Tüte Chips.

Nett, fand ich echt gut.


Dienstag, 26. März 2013

Der Pizza-Döner-Mutant

Wie der geneigte Leser bereits weiß, gehe ich im Rahmen meiner Einkaufsrunde gerne mal auf die Suche nach Lebensmitteln, welche aufgrund des sich bedrohlich nähernden Verfalldatums preisreduziert sind. Zu diesen Gelegenheiten wage ich auch mal den Kauf von Produkten, die ich zum Normalpreis wohl eher nicht erstehen würde, sei es, weil sie mir dann zu teuer sind oder weil ich sie nicht kenne und das Wagnis, daß da eine zum Normalpreis erworbene ungenießbare Masse wie zum Beispiel Spinat in meinem Einkaufswagen landet, nicht riskieren möchte. Bei einer Preisreduktion von 30 bis 50 % werde ich aber wagemutig wie Jung-Siegfried der Drachentöter und schlage zu.

Bei unserem falsch geschriebenen Onkel Tom entdeckte ich in der Frischekühlung einen Stapel Pizzen. Aber nicht so gewöhnliche olle Dinger wie Salami oder Quattro Hassenichgesehen ohne Turbo, nein, die Verpackung versprach eine Pizza nach Art eines Döner Kebap. Und das für 50 % billiger. Zwei davon wanderten sofort in meinen Wagen, für mehr hätte es in unserem Eisschrank keine Aufbewahrungsmöglichkeiten mehr gegeben. Zwei Gänge weiter fand ich dann – ebenfalls in der Kühlung liegend, aber dort offensichtlich deplatziert – eine weitere dieser Pizzen. Da hat wohl jemand kalte Füße bekommen, oder aber die uns unbekannte Frau Gemahlin hat gesehen, was ihr uns ebenfalls unbekannter Ehemann heimlich in den Wagen gelegt hat und sofortige Maßnahmen gegen den Erwerb des Teiles eingeleitet. Es gibt ja solche unterdrückten armen Kerle, die sich das gefallen lassen.  

Nun gibt es ja heutzutage unendlich viele Pizzakreationen, die selbst in meinen verwegensten Träumen nichts mehr mit dem zu tun haben, was eine Pizza so ausmacht. Ich denke da nur an Banane-Schoko-Pizza, Pizza mit Pommes oder eine Spaghetti-Pizza. Gerade letztere gehört zu den Sorten, welche die zweitbeste Ehefrau von allen zuweilen doch ganz gerne mal isst. Ich hingegen kann von mir behaupten, von diesem ganzen Nichtpizza-Pizzazeug doch der Pizza Currywurst zugetan zu sein, auch wenn hier voller Frevel als Currywurstbasis die verfälschte Berliner Variante mit einer Brühwurst Patin stand und nicht das Original aus dem Ruhrgebiet mit einer feinen Bratwurst.

Wir machten uns einige Zeit später, als die allgemeine Muße zu einem ordentlichen Kochen eher gering ausgeprägt war, todesmutig daran, diese so genannte Pizza nach Art eines Döner Kebap verzehrfertig aufzuarbeiten. Eine erste Sichtung ergab das vollständige Fehlen jeglicher Tomatensauce. Das wäre ja was für meine Oma gewesen. Zwiebeln waren auch nicht erkennbar, dafür aber Unmengen an Schmand, welcher wohl als Knoblauchquark-Ersatz herhalten musste. Käse wiederum fehlte vollständig; also war es nötig, den belegten flachen Teigrundling noch etwas aufzupeppen. Für solche Fälle hat der gewiefte Haushaltsführer schließlich immer gewisse Reserven im Kühlschrank.

Auch nach dem Aufbacken hatte sie keine appetitliche Farbe erhalten. Der Teig war eher blaß-grau, der Schmand weiß, einige wenige Fleischbrocken hatten eine gewisse Bräunung und unser nachbelegter Käse war gelb. Doch was soll ich sagen? Die seltsame Pizza war doch genießbar. Der zweitbestehen Ehefrau von allen war der Teig etwas labberig, was in Anbetracht der großen Mengen an Schmand kaum verwunderte, aber geschmacklich war das schon ok.

Jetzt stellt sich mir nur die Frage, welche gewagte Kreation das wohl noch toppen könnte?


Montag, 25. März 2013

Kein Arschgeweih

„Du, Mandy?!“

„Ja, Paterfelis?“

„Ich muß dich mal was fragen.“

„Und was?“

„Du bist doch eine Frau…“

„Heute Morgen beim Duschen sah es noch so aus.“

„…und kennst dich mit dem weiblichen Körper aus.“

„???“

„Wie nennt man das Maurerdekolleté bei Frauen?“

„Häh? Arschgeweih.“

„Nein, das ist eine Tätowierung über dem Maurerdekolleté.“

„Dann weiß ich auch nicht. Vielleicht einfach Arsch?! Warum?“

„Weil ich von meinem Platz aus zwangsläufig unsere neue Kollegin Karla von hinten beobachten muß, wenn ich nicht starr auf den Monitor gucke. Und immer, wenn die sich auf ihrem Platz mal nach vorne bückt, hängt deren halber Hintern aus der Jeans raus. Also echt jetzt, einen Tanga trägt die nicht, und eine normale Unterhose ist auch nicht erkennbar. Vielleicht trägt die gar ni…“

„PATERFELIS!!!“

Aber eine ordentliche Antwort auf meine Frage habe ich immer noch nicht gefunden.



Sonntag, 24. März 2013

Peinlich

Neulich hatten wir eine lockere Versammlung der Hausbewohner. Wir machen das einmal im Jahr in der Wohnung des über uns wohnenden Ehepaares namens Knutsen, welches hier die Funktion der Hausverwaltung und des Hilfshausmeisters wahrnimmt. Der aufmerksame Blogleser ist darüber bereits informiert.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte dieses Mal als kleines Dankeschön für die Arbeit und die Bewirtung spontan eine Tarte au Citron gebacken und mitgenommen.

Zwei Tage später erschien Frau Knutsen an unserer Tür, gab ihrerseits eine süße Leckerei ab und erklärte, daß die Tarte ihr und ihrem Mann so gut gemundet habe, daß sie gerne das Rezept haben wolle.

Tja, wie kommt man aus der Nummer wieder raus, ohne zu beichten, daß das eine Professor-Schmöttker-Backmischung war, wie man sie für Notfälle eigentlich immer griffbereit herumliegen hat…  Wie gut, daß es auch echte Rezepte dafür gibt. Und wenn unsere Nachbarin die Tarte nach Rezept nicht so gut hinbekommt wie die zweitbeste Ehefrau von allen, dann können wir da wohl auch nichts dran machen. Sollte das Ergebnis – natürlich wider jeglichen Erwartens - doch besser ausfallen, dann mag sie sich an den eigenen Backkünsten gerne erfreuen. Meine Angetraute wird das wohl ziemlich gelassen sehen.


Samstag, 23. März 2013

Der gelbe Daumen

Es gibt Menschen, die haben ja den berühmten grünen Daumen. Ich habe den nicht, bei mir überleben höchstens Drachenbäume (einer schon fast 20 Jahre) und Kakteen. Letztere aber nur, sofern diese nicht von der Katzenbande zerfleischt werden. Da dieses aber von Seiten der Vierbeiner mit Begeisterung und geschieht, habe ich mich von den Kakteen wieder abgewandt. Das ist schon sehr bedauernswert für mich, denn ich mag Kakteen sehr gerne. Aber als Katzenspielzeug sind die mir zu schade. Die Katzenbande legte aber auch ein erstaunliches Geschick an den Tag, als es darum ging, die bemitleidenswerten Opfer zu zerlegen. Egal wie stachelig der jeweilige Kaktus war, es hat nie dazu gereicht, die Killerpfoten so zu stechen, daß Blut floss. Niemals.

Aber zurück zum grünen Daumen, den ich nicht habe. Oder besser hin zu dem Daumen, den ich habe. An sich habe ich zwei, von denen einer ganz normal und unauffällig ist. Der andere aber war morgens plötzlich gelb, als ich ihn mir angesehen habe. So richtig gelb. Auffallend gelb. Und ich konnte nichts schnell Wirksames dagegen unternehmen.

Seniorkatze Sally hat eine heftige Blasenentzündung und wird deswegen mit Tabletten versorgt. Einmal am Tag eine halbe von dieser und ein Viertelchen von jener, und das über 14 Tage verteilt, sollte hoffentlich ausreichen, um die alte Dame wieder fit zu machen – was immer das in ihrem Alter auch bedeuten mag.



Zunächst hatte sich die zweitbeste Ehefrau von allen aufgeopfert, die tägliche Tablettengabe zu übernehmen. Dies hätte den Vorteil, daß ich – als Bezugsperson Nummer 1 – nicht bei Sally in Ungnade fallen würde. Sie würde bei der Verabreichung der Tabletten auch sehr unproblematisch sein, so unsere Erfahrung.

Dieses Mal nicht.

Trotz intensiven Zuredens konnte meine Angetraute Sally nicht davon überzeugen, die Tabletten nicht wieder auszuspucken. Die Sache entwickelte sich schließlich zu einer Machtprobe zwischen den beiden Damen, den die insgesamt weniger Dunkelhaarige von beiden schließlich mit meiner Unterstützung gewonnen hat.

Nun kommt es vor, daß die Katzenmama des Hauses zu der Uhrzeit, zu der Sally versorgt werden muß, durch Abwesenheit glänzt oder einfach auch mal inhäusig verhindert ist, so daß ich die Tabletten gebe, was in Windeseile und ohne Zickenterror erledigt wird. Also bin ich jetzt dafür zuständig geworden. Sally zeigt sich auch nicht nachtragend.  Nachdem sich ihre Verwirrung nach der Tablettengabe gelegt hat, kommt sie direkt wieder zu mir um zu kuscheln oder Leckerchen abzustauben. Eine wirklich eingeschnappte Katze würde so etwas nicht tun. Das haben wir auch schon erlebt. Daisy war ein Paradebeispiel dafür, wie sehr eine Katze beleidigt sein kann. Vielleicht macht sich hier auch der Umstand bemerkbar, daß Sally die zweitbeste Ehefrau von allen seinerzeit huldvoll in ihrer und meiner Wohnung aufgenommen hat. Mit anderen Worten: Was meine Person angeht, hat Sally hier eindeutig die ältesten Rechte, alles andere ist zugelaufenes Pack.

Gestern gab es am späten Nachmittag wieder eine Ration Tabletten von mir. Der Trick ist, diese der Katze ziemlich weit hinten in den Rachen zu geben, so daß sie keine Chance zum Spucken mehr hat. Das bedeutet aber auch, daß Fingerteile ebenfalls ziemlich weit in die Schnauze eines gemeingefährlichen Raubtieres hineinragen. Außerdem macht so eine Katze selbst bei Vorliegen eines innigen Verhältnisses die Klappe nicht freiwillig auf, wenn sie Tabletten schlucken soll. Und ihr könnt mir glauben, diese Klappe wird von nicht zu unterschätzenden Muskeln geschlossen gehalten. Die Kraft, die man aufwenden muß, um da weiterzukommen, ist schon bemerkenswert.

Es ist auch nicht damit getan, die Tabletten in einer guten Position im Rachen abzulegen. Sobald selbiges geschehen ist, wäre es überaus sinnvoll, die Finger schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, denn bei der Katze löst ein Schluckreflex aus, der es auch nach sich zieht, daß die geöffneten Kiefer sich wieder schließen und die Zähne, insbesondere die Reißzähne, sich bedrohlich den nun tablettenlosen Fingern nähern. Wie gesagt, man sollte schnellstmöglichreagieren.

Habe ich aber nicht.

Einer der Reißzähne punktierte meinen Daumen, so daß es blutete. Kein Vorwurf an Sally, sie konnte nicht anders. Da ein Katzenbiss oder auch nur ein Ritzer von einem Katzenzahn erfahrungsgemäß sehr üble Folgen haben könnte, versorgte mich die zweitbeste Ehefrau von allen auch direkt wundmedizinisch. Das aufgetragene Zeug hat aber ziemlich gefärbt, und mit Wasser und Seife ist da nicht soooo leicht was zu machen. Also bekam ich einen gelben Daumen.

Übrigens: Ich finde die Frage hinsichtlich einer eventuellen Gelbsucht auch nach dem fünften Hören nicht übertrieben originell. Aber wie heißt es so schön? Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Oder so ähnlich.


Freitag, 22. März 2013

Gruß aus der Küche - Scharfes Schweinegeschnetzeltes

Wir bleiben der grundsätzlichen Farbgebung unserer Mahlzeiten irgendwie treu. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich mir nochmal ansehe, was hier bereits veröffentlicht wurde. Ich muß wohl in Zukunft der Abwechslung halber auch mal an die anderen Farben ran. Spontan fällt mir dazu nur ein Spinatgrün ein, aber das diesem Farbton zugehörige Ausgangsmaterial akzeptiere ich nur versteckt in Maultaschen oder Ravioli.


Also plaudern wir heute einfach in den gewohnten Farben über scharfes Schweinegeschnetzeltes. Es handelt sich um ein sehr einfaches, schnell zubereitetes Rezept.

Zunächst wird 1 kg Schweinegeschnetzeltes der Theorie nach mit der gleichen Menge in Ringe geschnittenen Zwiebeln scharf angebraten. Die zweitbeste Ehefrau von allen wollte aber nicht, daß der Zwiebelgeschmack dominiert, so daß ich die Menge verarbeiteter Zwiebeln drastisch auf etwa 300 g reduziert habe. In Anbetracht der hier gerade vorrätigen Zwiebeln – der Eisschrank gab keinen vorbereiteten Vorrat mehr her – fand ich das im Nachhinein nicht allzu verkehrt, denn die Dinger waren höllenscharf und haben für Tränen ohne Ende gesorgt.

Nach dem Anbraten löschte ich das Fleisch mit 500 ml Fleischbrühe ab und gab 2 TL grüne Pfefferkörner, 2 TL Majoran, 2 bis 3 EL scharfen Senf und eine halbe Tube Tomatenmark hinzu und verrührte alles ordentlich. Zum Abschluß krönte ich den Topfinhalt mit einem Becher (200 ml) süßer Sahne. Nochmal verrühren, 30 Minuten köcheln lassen, fertig.

Wie immer, trügt der Name, denn so richtig scharf ist das Gericht nicht. Aber lecker.

Bei uns gab es Nudeln dazu.

Und hier die Zutatenliste:

1 kg Schweinegeschnetzteltes
300 – 1.000 g Zwiebeln
500 ml Fleischbrühe
2 TL grüne Pfefferkörner
2 TL Majoran
2 – 3 EL scharfen Senf
½ Tube Tomatenmark, gerne scharf
200 ml süße Sahne



Donnerstag, 21. März 2013

Ein fast normales Wochenende (8)

Ich hatte es nicht schnell genug geschafft, mich durch das vor der Bühne versammelte Publikum in Richtung Garderobe zu kämpfen, um dort noch meine Sachen rausholen zu können, bevor die Mädels hinter verschlossenen Türen blank zogen die Kleidung wechselten. Also wartete ich brav im Vorraum, in dem sich zwei Jugendliche der später noch auftretenden Zirkusschule Don Peperoni aufhielten und mit Bällen jonglierten. Ich beobachtete die beiden Jungs und hatte somit eine gewisse Unterhaltung.

Immer mehr Kinder, Jugendliche und Elternteile versammelten sich; ihre Garderobe befand sich neben unserer. Und wie angehende Zirkuskinder so sind, konnten auch die hier anwesenden nicht ruhig auf die Dinge warten, die da kommen würden, sondern beschäftigen sich mit ihren artistischen Darbietungen. Leider zeigte sich auch schnell, wie nervtötend ehrgeizige Eltern sein können. Ein Elternpaar redete pausenlos auf ihren Sprössling ein, bemerkten schließlich, daß er seine Schläppchen vergessen hatte, was es ihm unmöglich machte, seine Seiltanznummer aufzuführen. Eine Katastrophe – für die Eltern. Der Junior wurde mit Schuldvorwürfen überschüttet, der Tag, ja die ganze Karriere sei gelaufen und Lust zum Zuschauen und Fotografieren habe man ja nun gar nicht mehr.

Don Peperoni, der Chef der Zirkusschule, zeigte sich da deutlich entspannter. Er hat mich mit seinem ruhigen und gelassenen Umgang mit den Kindern und den Eltern sehr beeindruckt. Der Mann muß wirklich abgehärtet sein. Und für den unglücklichen, schläppchenlosen Jungen fand er in seiner tiefenentspannten Art auch eine Lösung, so daß unser unglückliches Nachwuchstalent zu seinem Auftritt kommen würde. Nicht auf dem Seil, das ging so wirklich nicht, aber man zeigte sich vielseitig befähigt. Wunderbar.

Die Mädels waren fertig, wir konnten aufbrechen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich brachten Alexandra noch nach Hause, um dann noch mal in Richtung Messe aufzubrechen. Ich hatte in der Nähe der Bühne einen Gewürzstand gesehen, und da wir da aktuell einen gewissen Bedarf haben, wollten wir die Gelegenheit nochmal nutzen und uns eindecken. Meine Angetraute wies mich vor dem Betreten des Saales darauf hin, daß ich sie bitte unter Anwendung sanfter ausreichender Gewalt davon abhalten solle, auf Jens-Rüdiger loszugehen, falls dieser unseren Weg kreuzen sollte. Das Risiko bestand durchaus, denn er hätte jetzt bald einen weiteren Auftritt. Wir sahen ihn allerdings nicht mehr, doch stattdessen konnten wir den Vorführung der Zirkusschule bewundern. Nach einem leider erfolglosen Besuch des Gewürzstandes setzten wir uns ab.

Ein letztes bemerkenswertes Ereignis des Tages war die Ausfahrt vom Parkplatz. Natürlich herrschte entsprechend starker Verkehr an dieser Engstelle, doch plötzlich stockte alles. Vor uns hatten zwei ältere Damen ihren Wagen mitten in der Ausfahrt angehalten, stiegen aus und begannen, aus dem Kofferraum alte Kleidungsstücke zu entnehmen, um diese im nahegelegenen Altkleidercontainer zu deponieren. Muß man das an so einem Tag machen? Und dann auch noch gleichgültig die massive selbst ausgelöste Behinderung hinnehmen? Wie benebelt können manche Menschen sein?

Auf unserer weiteren Heimreise wurde uns kräftig die Vorfahrt genommen. Balduin ließ als Reaktion auf Geheiß meiner Angetrauten sein Horn nochmal erklingen. So oft musste er dies lange nicht mehr tun. Und wie es so bei Vorfahrt nehmenden Fahrern der Fall ist, geben sie anschließend nur sehr behäbig Gas und schaffen es so, die von ihnen zuvor Aufgehaltenen noch weiter gegen sich aufzubringen.

Wieder zu Hause angekommen haben wir  den Tag langsam bei selbst gemachten Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne ausklingen lassen. Die Baronin hatte zuvor noch eine Idee geäußert, wie das Kleid meiner Angetrauten gerettet werden könne. Es bestand also Hoffnung. So ging ein fast normales Wochenende seinem Abschluss entgegen.

(Ende)



Ein fast normales Wochenende (7)

Da den Mädels heute kein Ersatzmann am CD-Player zur Verfügung stand, hatte Alexandra beschlossen, die Musik durchlaufen zu lassen. Sie und das Ensemble sind Profi genug, um das hinzubekommen. Der Auftritt begann, das Publikum nahm durchaus interessiert Kenntnis von dem Geschehen auf der Bühne. Die Musik war allerdings etwas zu laut ausgesteuert, doch auf der Bühne bekamen die Tänzerinnen das nicht mit, im Gegenteil: Die Bühnenmonitore, das sind die Lautsprecher, welche nicht zum Publikum, sondern zu den Künstlern ausgerichtet sind, hatten eine unglückliche Position und schallten nicht in die optimale Richtung. Es war den Mädels noch zu leise. Das Publikum hat vorher schon die Techno-Attacken überstanden, dann wird es das jetzt hoffentlich auch wohlgefällig aushalten.

Plötzlich begab sich Jens-Rüdiger Buhingnowski auf die Bühne. Die Mädels hatten ihre Schleier und die Isis-Wings, die sie später noch benötigen würden, auf seinem Elektronikbaukasten abgelegt, was ihm sichtbar nicht gefiel. Er nahm die Sachen, wühlte sie etwas durch und schmiss sie – immerhin durchaus  empfindliches Material im Wert von gut 560 Euro - auf den Bühnenboden. Und das vor dem Publikum während des laufenden Auftritts! Nun hatten die Mädels ein Problem! Ihre Sachen hatten sie zuvor sortiert, denn insbesondere die Isis-Wings haben ein den jeweiligen höchst unterschiedlichen Größen der Tänzerinnen angepasstes Maß und lassen sich nicht beliebig untereinander tauschen.

Auch das Publikum hat das sich anbahnende Problem erkannt. Geschickt schafften die Mädels es, das Durcheinander auf dem Boden während der laufenden Show zu entwirren und unter Szenenapplaus des Publikums ihre Isis-Wings anzulegen. Das hielt Jens-Rüdiger nicht davon ab, Katja noch anzupöbeln, doch diese schenkte ihm nur ein strahlendes, entwaffnendes Lächeln, bis er Ruhe gab. Nun weiß man heutzutage ja, daß strahlende Dinge durchaus gefährlich sein können. Und wenn ich sehe, daß Katja in einer solchen Situation strahlt, bedeutet dies für alle, die ihre Sinne halbwegs beisammen haben, tunlichst nichts mehr zu machen, was in irgendeiner Form einen Zünder auslösen könnte.

Außer einem fallen gelassenen Schleier habe ich keine weiteren Unregelmäßigkeiten bei dem Auftritt bemerkt, aber wie immer waren die Mädels unzufrieden. Das gehört wohl dazu, und in Anbetracht der Umstände befand man im Nachhinein, daß der Auftritt durchaus lustig gewesen war. Auch das Publikum zeigte sich sehr angetan und gab zum Abschluss mehr als nur höflichen Applaus.  Warum Jens-Rüdiger sich so hat gehen lassen, wird allerdings unbekannt bleiben, denn sein Elektronikbaukasten war von den Kabeln seiner Stromversorgung überdeckt, so daß durch die dort von den Mädels abgelegten leichten Materialien keinerlei Gefahr einer Beschädigung ausging.

(wird fortgesetzt)



Mittwoch, 20. März 2013

Interessenlagen

Es sollte niemand behaupten,


 


daß unsere





drei Katzendamen





nicht durchweg






die gleichen





Interessenlagen hätten.







Kleine Unterbrechung

Tja, werte Leser, nun ist es soweit: Der Auftritt unserer Mädels vom Ensemble steht bevor, die Geschichte nähert sich ihrem dramatischen Höhepunkt. Was wird noch geschehen? Bemerkt das Publikum das geflickte Kleid? Werden unzählige Kinder mit ihren Luftballonen den Saal überrennen und die Videoaufnahme des Auftritts sabotieren? Was hat es überhaupt mit diesem Jens-Rüdiger Buhingnowski auf sich? Und mit der Zirkusschule Don Peperoni? Natürlich stellen wir uns auch die Frage aller Fragen: Hält der neue Verschluß an dem Auftrittskleid der zweitbestehen Ehefrau von allen?

Fragen über Fragen, die noch zu beantworten sein werden. Doch nun gibt es eine kleine Unterbrechung in der Veröffentlichung der Geschichte über unser fast normales Wochenende, denn auch die Nicht-Leser dieser Geschichte wollen hier etwas Unterhaltung haben und auch bekommen. Doch keine Sorge, die Geschichte über das fast normale Wochenende ist schon zu Ende geschrieben und wartet auf Veröffentlichung.

Bleibt mir gewogen.


Dienstag, 19. März 2013

Ein fast normales Wochenende (6)

Der Zeitplan meiner Angetrauten hatte ausreichend Puffer, so daß wir wohl nicht zu spät zum Auftritt erscheinen würden. Doch wie es so ist, offenbarte sich eine gewisse Nervosität durch eine beherzte Fahrweise, welche Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Autobahn zur unverbindlichen Empfehlung degradieren.

Auf der Landstraße Richtung Gutterdorf ereilte uns schließlich das Unglück. Nein, wird wurden nicht geblitzt, und wenn dies doch der Fall gewesen wäre, dann mit Sicherheit nicht wegen Überschreitens der auch hier vorhandenen unverbindlichen Geschwindigkeitsempfehlung, sondern eher wegen deren Unterschreitens. Vor uns fuhr ein dicker SUV. Wie bereits angedeutet, erreichte er kaum das straffrei höchste nutzbare Tempo, benötigte aufgrund seiner Fahrt in langgezogenen Schlangenlinien durchaus die komplette Breite unserer Straßenhälfte und verzögerte vor grünen Ampeln bis fast zum Stillstand, bevor er dann doch wagte, in die nachfolgenden Kreuzungen einzufahren. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit gab die zweitbeste Ehefrau von allen unserem Balduin die Gelegenheit, sein prachtvolles Horn erschallen zu lassen, doch der Erfolg bei dem rüstigen Rentner vor uns, denn als solchen konnten wir ihn zwischenzeitlich identifizieren, war gleich Null. Schließlich bog der SUV ab und gab die Sicht auf ein bereits an der roten Ampel wartendes PS-starkes Passatmodell frei. Die Ampel wurde grün und – was soll ich sagen, die wahnsinnige Beschleunigung der am Steuer befindlichen rüstigen Rentnerin raubte uns fast den Atem. Irgendwann überschritten wir sogar die von unseren Altvorderen als der Gesundheit wenig zuträglich eingeschätzte Geschwindigkeit von 25 km/h. So in diesem Stile ging es noch einige Kilometer weiter, Überholen war aussichtslos. Dennoch räumte auch dieses Verkehrshindernis irgendwann den Weg, so daß wir dank der ausreichenden Puffer im Zeitplan immer noch vorzeitig vor Ort waren und auch Alexandra noch mit einem kleinen Umweg mitnehmen konnten.

Meine Angetraute fuhr direkt zum Hintereingang der Halle; ich nahm ihre sowie meine Sachen und ging mit Alexandra zur Tür, während sich meine Angetraute auf Parkplatzsuche begab. Der Eingang war verschlossen, also verschwand auch Alexandra unter Zurücklassen ihrer Taschen, um den Menschen mit dem Schlüssel zu suchen, während ich mal wieder in tragender Funktion vor verschlossenen Türen stehenblieb. Nach gefühlten Ewigkeiten öffnete sich die Tür, so daß der Weg zur Garderobe frei war. Heute würde sie nicht beengt sein, denn es wurden nur noch Katja und die Baronin erwartet. Aus der Halle dröhnten Techno-Klänge, welche eine Zumba-Vorstellung begleiteten. Alexandra erzählte, daß sie von Mitgliedern des Sporttempels, in dem sie auch unterrichtet, gefragt worden wäre, ob die Kurse mit orientalischem Tanz vergleichbar wären mit den von ihnen besuchten Zumba-Kursen… Ich erspare mir hier jeglichen Kommentar.

Die Mädels wollten sich irgendwann umziehen und legten auf meine Anwesenheit in der Garderobe mit Sicherheit keinen weiteren Wert. Bevor man mich mit Nachdruck darauf aufmerksam machen würde, trat ich freiwillig den Rückzug an und suchte mir wieder einen Platz für die Kamera. Auf der Bühne präsentierte sich mittlerweile ein Alleinunterhalter namens Jens-Rüdiger Buhingnowski. Der Typ war wohl grob in meinem Alter, ganz in schwarz gekleidet und mit langer Haarmähne versehen, die selbst mir als bekennendem Langhaarträger (außer Dienst) als etwas zu viel des Guten erschien. Er spielte live Saxophon und sang zwischendurch auch mal zu begleitender Musik aus dem Elektronikbaukasten, den er auf der Bühne platziert hatte. Zwischen den Stücken gab er ein paar einstudierte Sätze von sich, mal auf Deutsch, mal mit englischen Floskeln versehen. Mich widerte diese Darstellung einfach an, und auch die Musik war jetzt nicht so meine Welt. Das war typische Aufzugs- und Hintergrundmusik, der man üblicherweise – weil HINTERGRUND-Musik – keine Beachtung schenkt. Die vor der Bühne im Cafeteria-Bereich sitzenden Gäste sahen das wohl ähnlich. Jedenfalls war Herr Jens-Rüdiger Buhingnowski deswegen wohl etwas angepisstverärgert und ließ sich schließlich zu dem Satz hinreißen, daß man als Publikum trotz des schlechten Wetters gerne mal lächeln könne. Schließlich war er fertig, es gab verhaltenen Applaus. Später würde er noch einen Auftritt zu einer „gemütlichen halben Stunde“ haben, so daß Jens-Rüdiger seinen Elektronikbaukasten in die hintere Ecke der Bühne stellte und sein Saxophon hinter dem rückwärtigen Vorhang versteckte. Die Mädels konnten kommen.

(wird fortgesetzt)


Montag, 18. März 2013

Ein fast normales Wochenende (5)

Dank meiner intensiven Bemühungen vom Vortag, noch möglichst lange nicht ins Bett zu gehen, gelang es mir schließlich doch noch, zumindest bis 4 Uhr morgens zu schlafen. Ich entfernte die um mich herum verteilten Katzgetiere und stand auf, um den Blogeintrag der Ereignisse von Samstag zu schreiben. Später, aber doch umständehalber zu ungewohnt früher Stunde, erschien die zweitbeste  Ehefrau von allen, um ihr Auftrittsmaterial für den heutigen Tag vorzubereiten und insbesondere den BH-Verschluss ihres Auftrittskleides deutlich zu verstärken. Sie nahm das Kleid, da sah ich das Elend schon auf mich zukommen. Nein, nicht meine Angetraute, obwohl sie denselben Weg eingeschlagen hatte wie das von mir wahrgenommene drohende Ungemach. Zwischen dem BH und dem Rock befindet sich ein Netzeinsatz, welcher auch dazu beiträgt, daß aus BH und Rock ein einteiliges Kleid wird. Bevor ich wieder verbessert werde: Ja, es gibt auch weitere verbindende Verbindungsstücke zum Verbinden der ansonsten unverbundenen Teile.

Der Netzeinsatz aber hatte Löcher. Der mitdenkende Leser könnte nun anmerken, daß dies bei einem Netzeinsatz völlig normal sei, denn schließlich käme der Wortteil Netznicht von ungefähr, aber die von mir entdeckten Löcher waren doch etwas größer als sie sein sollten, von weniger gleichmäßiger Struktur und überhaupt gestern während des Auftritts noch gar nicht vorhanden. Vorsichtig wies ich die zweitbeste Ehefrau von allen auf diesen misslichen Umstand hin. Sie reagierte sofort und der Situation angemessen:




 Die Sachlage wurde begutachtet und Überlegungen zum weiteren Fortfahren in der Angelegenheit angestellt. Direkt im Anschluss aktivierte man die fernmündliche Standleitung zu Alexandra. Im Rahmen der weiteren Erörterung erinnerte man sich, gestern neben der Bühne leicht zusammengestoßen zu sein, was bedingt durch den auf den Kleidern angebrachten Strass zu dem unschönen Ergebnis geführt haben könnte. Das ist im Endeffekt ungefähr mit einem Geländewagen vergleichbar, der auf seiner Stoßstange noch einen Kuhfänger montiert hat und mit einem Kleinwagen aneinandergerät. Das Kleid ist durchaus reparabel, doch nicht in der Kürze der Zeit. Also wurden sämtliche in Frage kommenden Alternativen ausgelotet, welche zu einem Farbwechsel in der Kleider- bzw. Schleierauswahl führen würden. Die Mädels sollten zu Dritt mit Schleiern auf der Bühne stehen, da ist eine gewisse Harmonie in der optischen Gestaltung der Textilien durchaus von Nöten. Doch eine einwandfrei funktionierende Lösung fand sich nicht, so daß meine Angetraute sich daran machte, die Löcher behelfsmäßig zu flicken. Im Publikum würde man dies auf der Distanz wohl hoffentlich nicht wahrnehmen können.

Schließlich erklärte mir die zweitbeste Ehefrau von allen, welchen Aufwand es bedeute, den Netzeinsatz herauszulösen, einen neuen in entsprechender Farbe zu besorgen und diesen wieder in das Kleid einzuarbeiten. Schließlich müsse auch bedacht werden, daß der angebrachte Strass zu entfernen und neu anzubringen sei. Dies würde ihre Stimmung nicht gerade heben, so daß ich sofort der Situation angemessen reagierte:



Ich hatte einige Ideen, die unter anderem den ursprünglichen ägyptischen Schneider des Kleides involvierte, doch das half uns jetzt auch nicht weiter. Schließlich gelang es der zweitbesten Ehefrau von allen, den Netzeinsatz unschön aber behelfsmäßig auftrittstauglich zu flicken und sie vergaß auch die vorgesehene Verstärkung des BH-Verschlusses nicht. Wir machten uns schließlich mit einer Stunde Rückstand im Zeitplan auf den Weg.

(wird fortgesetzt)


Sonntag, 17. März 2013

Ein fast normales Wochenende (4)

Alexandra nahm sich das Mikrofon, was für mich das Zeichen zum Start war. Sie sprach ihre Eröffnungsworte, dann ging es los. Aus meiner Sicht verlief alles weitgehend gut, doch ist das leider nicht sehr aussagefähig, denn wenn ich als Kameramann vor Ort bin, beobachte die ganze Aktion immer nur über den kleinen Monitor, und auf dem sehe ich natürlich nicht übertrieben viele Details und achte im Wesentlichen nur darauf, daß  der Bildausschnitt stimmt und mir niemand aus dem Bild hüpft. Gerade Alexandra neigt dazu, die volle Bühnenbreite in Anspruch zu nehmen, was immer wieder Korrekturen in der Kameraführung nach sich zieht. Und die Messebühne ist richtig breit. Doch dieses Mal gab es für mich keine Probleme. Sehr schön.

Allerdings merkte ich schmerzlich, daß ich meine Wasserflasche in der Garderobe gelassen hatte, unmittelbar in der Nähe meiner Kaugummis. Und natürlich ist genau das der Moment, in dem man in der deutlichen zu warmen Messenhalle ein nicht geringes Durstgefühl aufgedrängt bekommt. Pech, da musste ich wohl durch.

Vor der Bühne befand sich zweckmäßigerweise auch der Sitzplatzbereich der eingerichteten Cafeteria. Dort hatten sich massenhaft überaus ältere Damen bei Kaffee und Kuchen niedergelassen. Natürlich nicht, ohne ihre dicken Winterjacken bis zur Halskrause geschlossen zu halten, während oben aus dem Kragen noch Reste der selbstverständlich getragenen Wollschals herausragten. Ich werde es nie begreifen.

Die Show war vorbei, es ging wieder in Richtung Garderobe. Mit knapper Not konnte ich zwischen den ganzen gackernden Hühnern meinen Rucksack schnappen, während ich Katjas freudestrahlende Stimme hörte, daß ich ihnen wohl beim Ausziehen helfen wolle. Nö, hatte ich nicht vor. Obwohl… nö, besser doch nicht. Nur schnell raus. Und schon begann die lange Zeit des Wartens im Gang vor der Garderobe. Noch nicht mal ein Stuhl stand da, was mich alle Jahre wieder nervt. Alexandra blieb ebenfalls noch etwas draußen und nahm lobende Worte von Teilnehmern der Boogie-Woogies entgegen, die sich auf einen weiteren Auftritt vorbereiteten, nämlich einer 50er-Jahre-Modenschau. Schreckliche Klamotten, es leben die 80er. Oder besser doch nicht, modetechnisch war da alles außer dem von mir seinerzeit bevorzugten Don-Johnson-Look eigentlich auch total daneben.

Alexandra erzählte mir schließlich, daß sich der BH der zweitbestehen Ehefrau von allen auf der Bühne bei der Aufnahme eines Schleiers geöffnet habe, er von Alexandra, die das rechtzeitig bemerkte, aber wieder bei passender Gelegenheit geschlossen wurde. Natürlich habe ich das auf dem kleinen Monitor nicht gesehen, habe aber auch andererseits nichts Entsprechendes vernommen. Wenn das aufgefallen wäre, hätte man sicher das eine oder andere Wort dazu gehört, stand ich doch mitten in der Menge und bekam ohnehin alle möglichen Kommentare mit. Mal sehen, was die Aufnahme so ans Tageslicht bringt. Jedenfalls wohl kostümbedingt keine nackten Tatsachen, das zumindest stand fest. Aber für einen nachhaltigen Adrenalinschub wird es bei meiner Angetrauten gesorgt haben. Damit ist – nachdem sie sich bei einem früheren Auftritt auf dieser Bühne einen fetten Splitter in den Fuß gerammt hat und somit leicht blutend und mit entsprechenden Schmerzen weitertanzen musste – der nächste Punkt auf der Liste der Dinge, die auf der Bühne einmal passiert sein müssen, obwohl man sie nicht braucht, abgehakt.

Schließlich erschienen auch die Mädels wieder. Ich wurde erneut mit Taschen bepackt, es konnte der Weg nach Hause angetreten werden, allerdings mit einem kleinen Umweg, denn die Baronin von und zu Weinstein wollte doch zu ihrem noch bei der Turnhalle parkenden Auto gebracht werden.

Wieder im heimischen Kirschgartenweg angekommen erwies es sich als praktisch, daß das Essen nur noch aufgewärmt werden musste, denn der Adrenalinschub, den meine Angetraute mitbekommen hatte, muß für eine beschleunigte Verarbeitung des eingenommenen Frühstücks gesorgt haben. Ihr Magen hing in den Kniekehlen, wie man bei uns so schön sagt, während ich noch nicht mal ansatzweise Hunger hatte, obwohl wir das gleiche gegessen hatten. Mein Vorschlag, zum wiederholten Erreichen des Ziels der schnellen Verdauung häufiger nackt auf der Bühne zu tanzen, wurde mit einem vernichtenden Blick quittiert. Der eigentliche Grund der vorzeitigen Zubereitung des Abendessens hingegen hatte sich zwischenzeitlich in Wohlgefallen aufgelöst, denn mein Friseurtermin konnte umständehalber von Conny nicht wahrgenommen werden.

Zwischenzeitlich machten sich auch die ersten Zeichen der Übernächtigung bemerkbar, aber um das Spiel nicht am Sonntag nochmal mitmachen zu müssen, hielt ich aus so lange es ging. Als ich mich dann schließlich doch bettfein machte, versagt meine elektrische Zahnbürste noch ihren Dienst und hörte einfach auf zu arbeiten. Mit mangelnder Stromversorgung hatte das nichts zu tun, dazu stoppte sie zu abrupt.

Ach ja, die Lampe des linken Scheinwerfers von Balduin ist auch kaputt gegangen. Und ich habe mein knallgelbes Poloshirt beim Essen nun doch noch mit Tomatensauce eingesaut.

Also warten wir voller Vorfreude auf das, was uns der Rest des Wochenendes noch bringen wird.

(wird fortgesetzt)


Ein fast normales Wochenende (3)

Wir erreichten den Messeparkplatz und fanden glücklicherweise zügig eine Abstellmöglichkeit für unseren Balduin. Voll bepackt warteten wird auf den Rest der Truppe und marschierten danach in Richtung Halle – nicht, ohne auf dem Weg von Passanten beachtet und angesprochen zu werden, denn die Kostüme fielen auch in ihren teilweise transparenten Transportverpackungen schon auf. Am Bühneneingang warteten wir, bis Alexandra mit dem Garderobenschlüssel kam. Dieser Eingang befand sich in der Nähe der Bühne, so daß wir schon sehen konnten, daß auch der Zuschauerbereich vor der Bühne gut gefüllt war. Zur Zeit gab es den Auftritt einer Boogie Woogie-Truppe zu sehen. Man kannte sich schon aus den letzten Jahren. Doch zum Gucken blieb keine Zeit, die Garderobe wartete. Ausgerechnet heute, als die Mädels mit recht hoher Personenstärke anrückten, stand nur ein relativ kleiner Raum zur Verfügung. Wie gut, daß ich mit den darin vermutlich stattfindenden Dramen nichts zu tun haben würde. Ich hatte noch die Gelegenheit, mein Gepäck entsprechend abzustellen, mir Stativ und Kamera zu schnappen und wurde auch schon rausgeschmissen. So hatte ich Zeit genug, mir einen schönen Platz für die Kamera zu suchen.

Die Messe selber fand ich in den letzten Jahren total uninteressant. Ein zuvor in das Ausstellerverzeichnis geworfener Blick hatte mir schon verraten, daß sich das auch in diesem Jahr nicht ändern würde, so daß ich keine Zeit für einen Rundgang verschwendete. Auf der Bühne näherte sich die Boogie Woogie-Show ihrem Ende. Danach würden sich die Zuschauer wieder etwas verlaufen, was mir etwas Platz verschaffen sollte. Irgendwie musste ich eine Position finden, in der ich das Stativ ausreichend gesichert möglichst frontal zu Bühne hinstellen konnte. Aus den letzten Jahren hatte ich noch so einen Ort im Hinterkopf, aber in diesem Jahr wollte man mich ärgern. Normalerweise stören mich ja immer Kinder mit ihren Luftballons, welche ständig in das Bild geraten. In diesem Jahr gab es keine Ballons. Nein, man hatte natürlich nur aus dem Grund, mich zur Verzweiflung zu bringen, an dem stets in der Nähe befindlichen Kinderbelustigungsstand ein Gerüst mit einem mechanischen Clown aufgebaut, welcher ständig irgendwelche akrobatischen Übungen ausführte. Und ich konnte machen was ich wollte, von meinem Stammplatz aus würde ich das Teil ständig in Bild haben. Also blieb nur ein Positionswechsel, was ich aber hinbekam. Jetzt würde der Aufnahmewinkel zwar leicht angeschrägt sein, was aber unvermeidlich und wohl noch vertretbar war.

Die Boogie Woogie-Show war zu Ende, die Mädels noch nicht in Sicht, als die Angehörigen der örtlichen Zirkusschule Don Peperoni, ebenfalls alte Bekannte, anfingen, schweres Gerät auf die Bühne zu schleppen. Deren Auftritt sollte aber erst nach den Mädels stattfinden. Gut, harren wir der Dinge. Es wäre nicht das erste Mal, daß eine nachfolgende Gruppe schon anfängt, ihre Sachen auf die Bühne zu schleppen – natürlich mit dem Ergebnis, daß sie alles wieder abräumen dürfen. Aber genauso ist es schon vorgenommen, daß die Auftrittsreihenfolge geändert wurde. Da ich die Kamera nicht alleine lassen konnte, meinen Platz aber auch durch Mitnehmen der Kamera nicht wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollte, vermochte ich nichts zur weiteren Klärung beizutragen. Das machte aber nichts, denn das schwere Zirkusgerät wurde nach dem Zusammenbau schließlich wieder von der Bühne entfernt und vor derselben auf dem Boden abgestellt. Kein Problem. Schließlich sah ich auch Alexandra, wie sie jemandem eine kurze Einweisung in die Technik gab, denn unser dafür vorgesehener Freiwilliger hatte kurz vor knapp abgesagt. Gut, das hätte dann auch noch geklappt. Viel Aufwand war heute auch nicht damit verbunden, denn es ging nur darum, die Musik zu den richtigen Zeitpunkten zu starten und zu stoppen.

(wird fortgesetzt)


Samstag, 16. März 2013

Ein fast normales Wochenende (2)

Nach einer Stunde des Ruhens und Grübelns stand ich um fünf Uhr wieder auf, machte mich daran, den Speiseplan für nächste Woche zu vollenden und den Einkaufszettel zu schreiben. Anschließend ging es unter die Dusche, anziehen, Müll rausbringen und hoffen, daß der große schwarze Plastiksack mit dem Katzendreck auf dem Weg nicht reißt. Ich kann euch sagen, der gesammelte Dreck, den vier Katzen in einer Woche produzieren, bringt dem Klumpstreu sei Dank schon ein ordentliches Gewicht auf die Waage. Und wem einmal bei feuchter Witterung der Müllsack mit eben diesem Inhalt auf der Straße gerissen ist, der weiß, was er so schnell nicht mehr erleben möchte. Das gehört auf jeden Fall zu den Erlebnissen, die man nie vergisst. Die Streuklumpen zerfallen beim Aufprall natürlich sofort, und die zwangsläufig auch in dem Sack vorhandenen noch unbenutzten Partikel nehmen direkt Verbindung mit der regenfeuchten Straße auf. Herrlich!

Ich nahm noch das Altglas zu meiner nun beginnenden Einkaufstour mit, was ich auch schon wieder als nervend empfinde. Bei uns muß das Altglas gesammelt und irgendwann mal in einem Altglascontainer entsorgt werden. Früher standen bei uns in der Gegend auch welche herum, die man mal eben fußläufig erreichen konnte, aber nach Beschwerden aus der Nachbarschaft wurden diese entfernt. Die nächsten gut zu erreichenden Container standen auf dem Parkplatz des Getränkemarktes unseres falsch geschriebenen Onkel Toms, von der nächsten Wohnbebauung durch jede Menge Sträucher und der örtlichen Bahnlinie getrennt. Aber auch dort wurden die Container schon vor einigen Monaten entfernt. Also blieb mir nur noch, den Containerstandort in der sogenannten Innenstadt des Neustädter Ländchens aufzusuchen, hier aber wieder mit unmittelbarer Wohnbebauung. Ich habe ja schon Skrupel, die Flaschen da an einem Samstag um 8 Uhr morgens einzuwerfen, auch wenn es dann schon erlaubt ist.

Irgendwie war das in meiner niederrheinischen Heimat schöner gelöst. Man bekam pro Haus eine bestimmte Anzahl Plastikboxen zur Verfügung gestellt, in welche man die Flaschen – möglichst farblich sortiert – stellen konnte. Am Mülltag musste man diese dann zwar selber vor die Tür stellen, hatte ansonsten aber nichts mehr damit zu tun. Jetzt habe ich ja nun keine ernsthaften Probleme damit, die Flaschen mit dem Wagen regelmäßig wegzubringen, aber so ohne Auto wird das für Behinderte oder ältere Menschen mit Sicherheit etwas problematischer sein, zumal unsere hiesigen Glascontainer nicht in der Nähe von irgendwelchen Geschäften des täglichen Bedarfs aufgestellt sind und man diese eben auch nicht im Rahmen der üblichen Einkaufstour auf dem Weg zu Fuß aufsucht. Und mit einer Sammlung Altglas möchte ich auch nicht unbedingt mit dem Bus unterwegs sein.

Wieder zu Hause angekommen fand ich die zweitbeste Ehefrau von allen dabei vor, wie sie ihre Ausrüstung für den Auftritt vorbereitete. Und schon kam sie – die Frage aller Fragen, die mich jedes Mal zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Die Frage, die mir jedes Mal Arbeit und Panikattacken beschert. Die Frage, die stets mit den Worten „Weißt du, wo…“ beginnt. Nein, ich wusste nicht, wo sie die noch benötigten Dinge geparkt hatte. Mit der Lösung dieses Problems waren wir dann auch wieder einige Zeit beschäftigt, hatten letztendlich aber alles im Griff.

Pünktlich und weitgehend regenfrei ging es los in Richtung Gutterdorf. Wir würden uns zunächst an einer Turnhalle mit dem Rest der Truppe treffen. Der Auftritt sollte im Rahmen des Bühnenprogramms einer Messe der örtlichen Wirtschaft, der Leistungsschau des städtischen Einzelhandels stattfinden. Am heutigen Samstag würde Alexandra mit großer Besetzung auftreten, das heißt dem Ensemble, bestehend Katja, der Baronin und meiner Angetrauten, dazu Teilnehmerinnen anderer von ihr geleiteter Kurse sowie einer von ihr unterrichteten Schülerinnengruppe der örtlichen Gesamtschule, die auch schon auf der großen Show im Oktober letzten Jahres dabei war. In der Halle gab es die letzten Instruktionen und nochmal einen Durchlauf des Auftritts, bevor wir uns auf möglichst wenige Autos verteilt auf den Weg zur Messehalle machten. Schon auf dem Hinweg zur Turnhalle kamen wir an dem Messeparkplatz vorbei, und was wir da gesehen haben, lies zwar auf größere Besucherzahlen schließen, was ja auch im Sinne des Auftritts war, aber auch befürchten, daß ein freier Parkplatz ein Luxusgut sein würde.

(wird fortgesetzt)


Ein fast normales Wochenende (1)

Nachdem ich in der ganzen Woche im Büro nur noch zwischen permanentem Aufregen und abgrundtiefer Resignation hin und her pendelte, war ich am Freitag ziemlich ausgelutscht. Die Arbeit ist einfach nicht zu bewältigen, und die Aussicht für die nächsten drei Monate stehen eher auf „es wird noch dicker kommen“ als auf Entwarnung. Was soll man aber dann noch dazu sagen, wenn man mitbekommt, daß einer unserer jüngeren Kollegen sich schon beklagt, daß er vor noch nicht mal zwei Jahren mit vollen Akkus und viel Elan zu uns gekommen war, aber diese Akkus zwischenzeitlich vollkommen leer seien und er keinen Bock mehr habe, weil man machen könne was man will, es aber trotzdem nicht besser würde. Ihm wurde nur noch müde geantwortet, daß es bei uns Leute gibt, die das Elend schon seit mehr als zehn Jahren mitmachen. Thema durch, Fall erledigt. Nicht nett, aber nachvollziehbar. Ich hätte auch nicht gewusst, was ich anderes hätte sagen sollen, wenn er mich angesprochen hätte.  Der Arbeitstag endete mit der Feststellung, daß mein Shirt ein unflickbares Loch im Ärmel offenbarte. Na toll, denn schon in der letzten Woche hat sich an einem ebensolchen Shirt an der gleichen Stelle ebenfalls ein solches Loch gezeigt. Die Dinger waren echt nicht bürotauglich, denn die Löcher sind an den Stellen, an denen meine Arme an der Schreibtischkante aufliegen, während ich arbeite.

So ging ich Freitag eine Stunde früher als üblich in die Koje, natürlich nicht ohne die Fütterung der Raubtiere, grübelte noch etwas und döste dann weg. Meinen Schlafgewohnheiten entsprechend wurde ich früh wach. Da ich ohne Brille blind wie ein Maulwurf bin, robbte ich vorsichtig – Stichwort: Katzenmatratze - etwas näher an den Radiowecker ran und musste feststellen, daß im Bereich der Stundenanzeige eine fette 02 leuchtete. Irrtum ausgeschlossen. Und ich war hellwach. Na prima, eine Stunde früher als sonst. Wie passend.

Die Katzenbande hatte mich auch wieder fest im Griff, so wie es sich gehörte. Sally lag in meinen Kniekehlen und schnarchte vor sich hin, Lilly hatte es sich auf der Seite meines Oberkörpers bequem gemacht, und Marty streckte sich in voller Länge entlang meiner Beine aus. Also waren alle auf  ihren Stammplätzen. Nur Smilla hat sich noch nicht angewöhnt, mich in der Nacht zu belästigen. Die ist eben ein echtes Mama-Kind und eher bei meiner Angetrauten anzutreffen.

Ich blieb noch etwas liegen, bis mir der Gedanke kam, etwas Sinnvolles tun zu können. Am Abend hatte ich einen Termin mit Conny. Die zweitbeste Ehefrau von allen war der Meinung, daß es meiner wallenden Haarpracht mal wieder bekommen würde, etwas gestutzt zu werden. So beschloss ich aufzustehen und um drei Uhr morgens schon mal das Abendessen vorzubereiten. Es würde wieder sehr geruchsintensiv werden, und ich finde es nicht so prickelnd, mit frisch nach Küchendünsten riechenden Haaren zum Friseur zu gehen. Das ist ja so, als ob man mit Knoblauchfahne seinen Zahnarzt heimsucht. Geht einfach nicht.

Also schlurfte ich in die Küche, versorgte die Katzen mit ihrer morgendlichen Nassfutterration, reinigte die drei Katzenklos, nahm die Videokamera, um deren Akku aufzuladen, suchte das Ladekabel, daß sich nicht in der zugehörigen Tasche befand, fand es schließlich direkt neben der Tasche, schloss alles an, ging zurück in die Küche und werkelte so vor mich hin. Ein Blick ins Dunkle überzeugte mich davon, daß der Wetteronkel aus dem Fernsehen auch nicht so richtig wusste wovon er sprach, als er meinte, Regen würde erst heute Abend wieder zu uns kommen. Was ist denn das wohl für ein komisches nasses Zeug, was da vom Himmel fällt? Und das nicht zu knapp. Nö, das gefiel mir gar nicht, weil ich heute noch mehrfach vor die Tür musste. Außerdem hatten die zweitbeste Ehefrau von allen und die Mädels an diesem Wochenende wieder zwei Auftritte, was bedeutete, gut mit Kostümen, der Kamera und sonstiger Ausrüstung beladen durch die Gegend latschen zu müssen.

Als ich mit meinen Vorbereitungen in der Küche fertig war (Rezept folgt, es gab Wurstgulasch) schmiss ich mich an den Rechner, aber nur um festzustellen, daß die Online-Welt auch noch nicht so richtig aktiv war und mir nichts Neues bescherte. Langweilig. Also belud ich im Vorübergehen die Waschmaschine, schaltete sie ein und legte ich mich nochmal für ein Stündchen hin, ignorierte die in voller Stärke zur Fütterung der Raubtiere angetretene Katzenbande (die Leckerchen-Aktion gibt es nur abends und nicht jedes Mal, wenn ich ins Bett gehe) und wartete, daß die Zeit verging.

(wird fortgesetzt)



Freitag, 15. März 2013

Moderne Zeiten

Wir schreiben das Jahr 2013 nach der vermuteten Geburt eines hebräischen Zimmermanns. Es ist das Jahrtausend, in dem die verschiedenen Varianten des Raumschiffs Enterprise durch die Galaxis kreuzen werden. Vor drei Jahren begann die große Offensive im LASA mit dem Ziel, bestimmte Leistungsanträge schneller erledigen zu können  müssen. Verzweifelt suchten hochbezahlte, weniger hochbezahlte und schlechtbezahlte Verantwortliche in einem Arbeitskreis nach Lösungen, die Bearbeitungsabläufe zu beschleunigen. In ihrer Not wandte sich der Arbeitskreis sogar an uns, das Fußvolk, um Anregungen zu erhalten.

Wir erzählten, daß wir schon mal was von einem gewissen Emil gehört hätten, mit dessen Hilfe man weltweit deutlich schneller kommunizieren könne als unter Nutzung der Bummelpost. Der Arbeitskreis ging in sich und beratschlagte. Man überlegte, wer dieser geheimnisvolle Emil sein könne und wie man seiner habhaft würde. Schließlich schaltete man unsere Geschäftsführung ein, und diese gab ihr Einverständnis für eine freie Jagd und Anwerbung des Emils.  

Vor zwei Jahren erklärte man uns, diesen Emil gefunden zu haben und versprach, daß wir alle seine Dienste nutzen könnten. Natürlich nur mit gewissen Einschränkungen, die es uns kaum ermöglichen würden, diese Dienste auch wirklich umfassend, sinnvoll und zeitgemäß zu nutzen.

Und jetzt, nach weiteren zwei Jahren, ist es soweit. Der Emil ist bereit für uns.

Dr. Strebsinger wies uns in einem internen Kommuniqué darauf hin, daß der Emil gar nicht Emil, sondern wohl eher Email, Emaille, E-Mail oder so in der Art zu schreiben sei. Jedenfalls sei dies was Elektronisches, habe mit Post und so zu tun, wir hätten in den letzten Jahren seit Beginn der Suche nach dem Emil vermutlich schon selbst mal davon gehört und wären wahrscheinlich auch schon alle Besitzer einer privaten E-Mail-Adresse.

Um nun zu testen, ob wir denn wirklich alle schon zur Nutzung dieses neumodischen Zeugs in unserem Amt freigeschaltet wären, bat uns Dr. Strebsinger, doch einfach mal eine E-Mail an unsere private Adresse zu schicken. Derjenige, bei dem dies noch nicht funktioniere, möge sich in eine Liste eintragen, damit man dies überprüfen könne.

Nun, aus meiner bescheidenen und durchaus laienhaften Sicht kommt mir dies durchaus zweckmäßig und zielführend vor.

Nicht aber unserem Ökoklaus! Er stöhnte, nein, er jaulte gequält auf, daß einer derartigen Idee doch keinesfalls zu folgen sei. Schnell setzte er sich fernmündlich (bevor jemand fragt: ja, wir haben schon Tastentelefone, aber ich kenne auch noch die grauen mit Wählscheibe) mit Mandy in Verbindung, um auch sie hoffentlich noch rechtzeitig davon abzuhalten, in einem Akt verantwortungslosen Leichtsinns die gewünschte E-Mail an ihre eigene, ganz private Privatadresse zu schicken.

Geschicktes Nachfragen Svens brachte an den Tag, daß das LASA im Falle einer Umsetzung der Bitte Dr. Strebsingers dann doch nach Ansicht unseres Ökoklaus' unsere privaten Mailadressen in Erfahrung brächte. Fortan würden diese Postfächer doch wohl mit Sicherheit von Spammails überflutet werden, und wer wisse schon, was das LASA mit diesem wertvollen und schützenswerten Wissensschatz noch alles anzufangen gedachte. Niemals würde er jemandem seine private Mailadresse bekanntgeben.

Sven fragte in aller Seelenruhe beim Ökoklaus nach, ob er denn keine Wegwerfadresse für solche Dinge habe, was dieser verneinte und ihn noch mehr in Aufregung versetzte. Da würde er es doch lieber darauf ankommen lassen, ob er nun technisch zum Mailen in der Lage sei oder nicht.

Willkommen im dritten Jahrtausend, liebes LASA und lieber Ökoklaus.



Donnerstag, 14. März 2013

Frühlingsimpressionen 2013

Und hier ein Blick aus der Terrassentür vom heutigen Donnerstag:




Wie ihr seht, seht ihr nichts. Das Nichts ist reines Schneegestöber.

Wenn das so weitergeht, verstecken wir zu Ostern ungefärbte weiße Eier im Garten. Die findet da kein Mensch  mehr.



Dienstag, 12. März 2013

Ein neues Drama?

Unsere Seniorkatze Sally ist mit ihren über 15 Jahren schon richtig alt. Um es klar zu sagen: Sie ist dabei, den oberen Grenzbereich der durchschnittlichen Lebenserwartung einer Hauskatze zu überschreiten. Und sie zeigt deutliche Spuren des Alterns. Geistig ist sie scheinbar nicht mehr ganz auf der Höhe, sie ist quengelig, die Augen sind schon etwas trübe und zum Fressen müssen wir sie auch immer wieder überreden. Außerdem hat sie abgenommen. Allerdings ist sie auch noch relativ aufmerksam, nimmt in einem gewissen Rahmen am Familienleben teil, hat sich die Neugier bewahrt, ist anhänglich und kommt überall hin, wo sie hin will. Wenn es sein muß, dann auch in die Höhle der obersten Etage des Kratzbaums. Dennoch mache ich mir natürlich Sorgen, und das nicht zu knapp.




Heute rief mich die zweitbeste Ehefrau von allen im Büro an und fragte mich, ob ich mitgehen wolle, wenn sie heute mit Sally zum Tierarzt geht. Was überhaupt los war habe ich dann auf Nachfrage erfahren. Sally hatte Blut im Urin, den sie in der Wohnung in kleineren Mengen verteilte. Das hört sich für mich gar nicht gut an. Natürlich wollte ich mit zum Tierarzt, und ich muß gestehen, daß ich schon vor meinem geistigen Auge gesehen habe, daß wir Sally jetzt einschläfern lassen müssen, auch wenn meine Angetraute mich zu beruhigen versuchte und erklärte, daß das Symptome einer Blasenentzündung seien, die durchaus behandelbar wäre.

Nein, meine Nerven sind ziemlich runter. Dies umso mehr, seit dem wir hier das Drama mit der CNI-Erkrankung von Daisy hatten. Ich beäuge immer wieder misstrauisch, was ich so an Ballen aus dem Katzenklo hole. Sind die Dinger zu groß, werde ich genauso unruhig, als wenn da ein paar zu kleine bei sind.

Beim Tierarzt wurde die Vermutung einer Blasenentzündung bestätigt. Also gibt es jetzt erst mal 14 Tage lang leckere Pillen. Sally ist unter den Katzen ein Schaf; wir werden erfahrungsgemäß keine Probleme damit haben, ihr die Pillen zu verabreichen. Allerdings entdeckte unsere Tierärztin auch Hinweise auf andere Erkrankungen. Es war – allerdings erklärbarer – Zucker im Urin, Sallys Pupillen reagieren nicht mehr so richtig und es gibt auch den Verdacht auf eine Nierenerkrankung. Nun muß man sagen, daß das alles für Katzen in dem Alter nicht so ungewöhnlich ist, und die Todesursache Nr. 1 für Katzen ist nun mal das Nierenversagen. Insgesamt aber sei Sally für ihr hohes Alter sehr gepflegt und erstaunlich gut in Schuss. Und sie nahm im Zusammenhang mit Sally auch das Wort „Museumsstück“ in den Mund.

Wir lassen zunächst mal die Blasenentzündung behandeln. Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht. Man könnte Sally auf diverse weitere Erkrankungen hin untersuchen lassen, um zu wissen, woran man sei, aber ob es wirklich was bringt, wenn ich weiß, was sie noch alles hat? Ist es behandelbar? Natürlich ist es sehr unglücklich die Frage zu stellen, ob es sich noch lohnt, eine schwere Erkrankung zu behandeln. Tierärzte sind nicht billig, und wenn man jeden Handgriff selber zahlen muß, kommt da auch schnell mal ein vierstelliger Betrag zusammen. Damit haben wir schon unsere Erfahrungen gemacht. Alles hat aber seine Grenzen, und es ist immer noch so, daß Sally ein Tier ist und kein Mensch. Da muß der Gedanke nach den Grenzen einfach erlaubt sein, auch wenn mir die Vorstellung ihres Todes wirklich sehr nahe geht.

Ich weiß es einfach nicht.



Abenteuerreise

Der Winter ist wieder da, Schnee liegt allen Ortens und es hört überhaupt nicht auf zu schneien. Ich war darum schon sehr erstaunt, daß mein Bus morgens überhaupt pünktlich kam. Immerhin eine Sorge weniger. Ich setzte mich auf meinem Stammplatz hinter den Fahrer und ließ mich kutschieren. Später stiegen noch zwei weitere NÖP-Mitarbeiter ein, die vorne beim Fahrer stehen blieben und Fachgespräche führten.

Wie lautet die Mahnung an die Mitfahrenden, die man immer wieder auf einem in Fahrernähe angebrachten Schild findet? Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen? Nun denn, ich höre bei solchen Gesprächen immer wieder sehr gespannt zu, denn man bekommt doch die eine oder andere interessante Information mit. Und das gehört ja auch zu den Dingen, die uns Männer von Frauen einfach unterscheidet: Männer sind wissbegierig, Frauen neugierig. Und mein Wissensdrang ist doch schon nicht der Kleinste.

Man unterhielt sich natürlich über das Wetter und den Ärger, den man mit den Gelenkbussen der NÖP habe, die im Gegensatz zu den normalen Bussen nicht mit einer Antriebsschlupfregelung ausgestattet seien. Auch erfuhr ich, daß der Rhythmus der Fahrerfortbildungen und -trainings der NÖP von einst zweimal jährlich auf einmal jährlich und nun auf einmal in fünf Jahren reduziert wurde. Aber das nur mal so am Rande.

Unser Fahrer machte schon einen besonnenen Eindruck und fuhr langsam und vorsichtig. Dennoch gab es kurz nach der Weiterfahrt vom Busbahnhof Neustädter Ländchen das nicht ganz so prickelnde Gefühl wie es ist, mit einem Bus, dessen aktives ABS man deutlich vernehmen konnte und der nun wirklich nicht schnell fuhr, in eine Kreuzung zu rutschen. Es ist nicht so, daß ich mit meinem Leben in dem Moment abgeschlossen hätte, denn mein Platz befand sich direkt über einer Achse, so daß ich bei einem seitlichen Aufprall durch einen PKW doch etwas geschützter gewesen wäre und es zudem noch früh genug war, daß es hier noch fast keinen weiteren Verkehr gab, aber dennoch war das nicht ohne.

Weiter ging die Fahrt, bis wir von der Haltestelle Hinterheidenheimer Kirche abfuhren. Es geht direkt in eine scharfe Rechtskurve, hinter der sich die Straße deutlich verengt. Die Weiterfahrt führt die so beengte Straße steil bergab. Schon unter normalen Bedingungen fahren die Busse hier erst weiter, wenn kein Gegenverkehr sichtbar ist, denn der müsste im Falle einer Begegnung regelmäßig über den Bürgersteig ausweichen, was immer noch oft genug vorkommt. Mit knapper Schrittgeschwindigkeit ging es auf den schrägen Teil der Straße, dann  vorsichtig weiter und weiter, bis schließlich wieder das ABS-Geräusch durch den Wagen tönte, der aber nicht langsamer wurde. Der Bus rutschte den Weg weiter runter, das Ende der Straße rückte bedenklich näher, denn es ging in der Ebene zwar rechts und links weiter, aber eben nicht geradeaus. Doch schließlich gelang es dem Fahrer, den schweren Wagen kurz vor der Bordsteinkante doch noch zum Stehen zu bringen.

Er rief die Verkehrsleitzentrale der NÖP und meldete die gerade befahrene Straße für die Busse als unpassierbar, doch außer einer müden Empfangsbestätigung geschah nichts weiter. Seinen Kollegen erzählte unser Fahrer, daß eine solche Meldung schon vorher von zwei weiteren Fahrern abgesetzt wurde, aber man seitens der Zentrale scheinbar nicht gewillt war, eine Umleitung anzuordnen.

Die letzte Herausforderung auf unserem Weg war die Einfahrt in den Busbahnhof in der Innenstadt. Auch hier geriet das Fahrzeug nochmal in leichtes Schlingern. In dem dichten Verkehr ein- und ausfahrender Busse und zahlreicher Fußgänger schien mir auch dies nicht ungefährlich zu sein.

Den Rest des Weges legte ich weitgehend unbeschadet zu Fuß zurück. Ich erreichte unsere LASA-Außenstelle natürlich mit Verspätung, doch war ich immer noch der erste Ankömmling. Nicht mal unser Hausmeister hatte es geschafft, der Schnee vor dem Haus und der Garagenzufahrt war nicht angetastet. Allerdings sah ich eine Mitarbeiterin unseres Notfall-Hausmeisterservices, welche dabei war, den an dieser Stelle kaum genutzten Bürgersteig vom Schnee zu befreien. Mit Logik hatte das nicht viel zu tun, denn dringlicher wäre mir erschienen, die Wege ins Haus verkehrssicher zu gestalten. Insbesondere unser Treppenaufgang mit metallenen Stufen ist bei Nässe extrem glatt, während der vorbeiführende Bürgersteig – wie bereits erwähnt – um diese Uhrzeit kaum von Passanten genutzt wird, weil sich hinter unserer Außenstelle nichts mehr befindet, was von Interesse sein könnte.

Aber ich habe es immerhin geschafft, das Büro zu erreichen, was man nicht von allen Kollegen behaupten konnte.



Montag, 11. März 2013

Enkel

Nein, ich bin nicht Großvater geworden. Zumindest hätte ich das nicht mitbekommen, aber insgesamt käme es mir auch vor, daß eine solche Nachricht wohl nur einen verschwindend geringen Wahrheitsgehalt haben könne.

Und auch die Ersatzkinder der Familie Paterfelis haben sich nicht nach unzüchtigem Verhalten vermehrt. Dazu sind sie auch gar nicht mehr in der Lage.

Ich rede hier von den Enkeln des Ehepaares Knutsen, unserer Hausverwalterin und des Hilfshausmeisters, der nebenbei auch noch die Funktionen des Ehemannes der Hausverwalterin übernimmt. Die Abkömmlinge der beiden nicht mehr ganz so jungen Herrschaften haben sich weiter vermehrt und dafür Sorge getragen, daß mindestens zwei uns bekannte Stammhalter der Familie auf diesem Planten wandeln.

Diese Enkel sind – gelinde gesagt – rotzfrech, wenn sie bei Oma und Opa die Ferien verbringen müssen dürfen. Neben vielen anderen Untaten haben sie zum Beispiel auch schon unseren Vorgarten gewässert, bevor dieser neu gestaltet wurde. Der Weg zum Porzellanpalast  in die erste Etage wäre ja auch etwas weit gewesen. Außerdem hätten sie sich dort mit dem von ihnen zerstörten Waschbecken konfrontiert gesehen.

Ich mag mich ja irren, insbesondere weil ich mich mit Kindern im beginnenden Flegelalter nicht so übertrieben gut auskenne, aber eine der Maßregelung dienende Ansage des Opas, daß die beiden richtige Lauselümmel seien, dürfte doch wohl nicht unbedingt einen wie auch immer gearteten nachhaltigen Eindruck auf die beiden hinterlassen haben, oder?!


Samstag, 9. März 2013

Wie ich dereinst Schalke-Fan wurde - oder etwas in der Art

Wie wird man eigentlich Anhänger einer Fußballmannschaft? Ich finde es durchaus naheliegend, daß man es ganz gerne sieht, wenn die Mannschaft des Heimatortes hin und wieder mal ein Spiel gewinnt. Oder als Mitarbeiter eines Großkonzernes der deutschen Pharmaindustrie der Werksverein. Auch wenn man im letzteren Fall nicht in Krefeld oder Leverkusen wohnt. Man müsste doch irgendeinen Bezug zu der Mannschaft haben. Eigentlich. Natürlich ist es einfach zu sagen, man sei Fan der Bayern, weil die „den schönsten Fußball spielen“ und meint damit bloß „weil die am häufigsten gewinnen“. Wieso wird man als Hamburger zum Beispiel Fan von Nürnberg? Oder als Karlsruher Fan von Berlin? Verstehe ich nicht. Nicht so richtig jedenfalls. Die können doch nicht alle so einen Werdegang gehabt haben wie ich. Oder doch?

Fußball war bei uns zu Hause nie ein wesentliches Thema. Als junger Mensch wusste ich zwar, um was es dabei geht und werde wohl auch hin und wieder mal einen Ball getreten haben, aber das war es dann auch schon. Bundesliga? Ja, gibt es. Punkt.

Das hatte natürlich auch den riesigen Vorteil, daß es am Samstag keinen Streit darum gab, ob man der Sportberichterstattung im ersten oder doch lieber den gleichzeitig laufenden Abenteuern des Raumschiffs Enterprise im zweiten Programm folgen würde. Raumschiffe waren eindeutig cooler, auch wenn man das damals noch etwas anders auszudrücken pflegte.

Natürlich verbrachte ich meine Zeit nicht nur zu Hause. Auch ich hatte meine Verpflichtungen, die mich mit anderen Menschen und Ansichten konfrontierten. Ich verließ also die heimische Wohnung und ging in den Kindergarten. Und da wurde ich früher oder später mit der unausweichlichen Frage konfrontiert, die mein seinerzeit bester Freund Holger mit stellte: „Für welchen Fußballverein bist du eigentlich?“

Da stand ich nun, denn mit dieser Frage hatte ich mich noch nie richtig auseinandergesetzt. Ich wusste nur, daß man nicht FC Bayern München sagt, sondern besser Die Saubayern. Also musste ich die Sache mal hinterfragen. Holger jedenfalls war Fan der Bayern, das wusste ich.

Eine wesentliche Option beim Finden des richtigen Vereins, dessen Anhänger man zu werden gedenkt, ist selbstverständlich dessen Außenwirkung. Nun sollte ich an dieser Stelle zu einem besseren Verständnis des Problems einem kleinen Exkurs beginnen.

Schon als Kind liebte ich Schiffe. Besonders Segelschiffe. Große Segelschiffe. Große alte Segelschiffe. Möglichst mit vielen Kanonen. Wenn wir im Kindergarten Bilder ohne Vorgabe eines Themas malen sollten oder durften, habe ich immer Segelschiffe gemalt. Bevorzugt Dreimaster, wenn auch ohne Kanonen und mehr einem Klipper als einem der Linienschiffe des ausgehenden18. Jahrhunderts ähnelnd. Man hat ja so seine Grenzen. Tante Marianne, unsere Erzieherin, ist dabei fast wahnsinnig geworden. Lief im Fernsehen ein Film, in dem Segelschiffe vorkamen, habe ich alles daran gesetzt, diesen sehen zu dürfen. Was habe ich später die Onedin-Linie geliebt.

Das ist jedenfalls heute auch noch so, nur mit dem Unterschied, daß die Fernsehbilder zwischenzeitlich bunt sind und ich selbst bestimmen darf, was ich im Fernsehen ansehe. Zumindest immer dann, wenn die zweitbeste Ehefrau von allen nicht durch Anwesenheit brilliert. Und welche Nation beherrschte über Jahrhunderte die Weltmeere mit ihren Segelschiffen? Richtig, England. Und welche Flagge wehte an den Masten? Richtig, die Englische. Und welche war die Schönste? Die Englische! Ähm, nein, ich meinte eigentlich die Flagge Großbritanniens, aber die feine Differenzierung zwischen England und Großbritannien lernte ich erst später. Jedenfalls sah die vermeintlich englische Flagge besser aus als alle anderen. Folgerichtig fragte ich Holger, ob England denn auch eine Fußballmannschaft habe, was er mir bestätigte. Also wurde meine Lieblingsfußballmannschaft zunächst die englische.

Holger lachte mich aus, die Engländer würden doch gar nicht in der Bundesliga spielen. Ok, Problem, klar. So fragte ich nach, wer denn alles in der Bundesliga spielen würde. Holger zählte mir einige Städte auf, deren Namen ich schon mal gehört hatte. München schied natürlich aus, denn das waren ja die Saubayern. Nö, ging gar nicht. Und dann hörte ich den Namen Schalke. Hmm, eine Stadt mit dem Namen Schalke kannte ich nicht. Hörte sich aber irgendwie interessant an.

Und so wurde Schalke 05 04 meine Lieblingsmannschaft.

An und für sich ist mir Fußball bis heute relativ egal. Ich schaue mir keine Spiele an, es sei denn, es geht mit deutscher Beteiligung in eine Europa- oder Weltmeisterschaft. Sobald die Deutschen sich aus dieser Veranstaltung verabschiedet haben, ist mir der Rest auch egal. Im Rahmen der Bundesliga jedoch erfreue ich mich weiterhin an jeder Meldung, welche dahin zielt, daß die Saubayern verloren haben. Aber es ist auch immer noch so, daß ich mich über einen Sieg von Schalke freue. Das nennt man wohl frühkindliche Prägung.

He, ich kann doch auch nichts dafür, daß England nicht in der Bundesliga spielt.



Freitag, 8. März 2013

Gruß aus der Küche - Pizzasuppe

Aus der Auswahlliste der für diese Woche vorgesehenen Speisenfolge entschied sich die zweitbeste Ehefrau von allen für die Pizzasuppe als Angebot des Tages. Also schlurfte ich in die Küche, um die Produktion in Angriff zu nehmen. Ich begann voller Optimismus, vier Zwiebeln zu schälen und zu zerkleinern, hatte mir meine Angetraute doch unlängst erklärt, daß die Sorte, welche sich in unserem aktuellen Vorrat befände, nicht derart scharf sei, daß man ob ihrer Bearbeitung zu Tränen gerührt werden müsse.



Von wegen!

Während die zweitbeste Ehefrau von allen kürzlich ohne auch nur den Ansatz eines solchen salzhaltigen, selbstproduzierten Augenkullerchens mehrere Zwiebeln aus diesem Netz verzehrfertig aufarbeitete, war ich schon nach Häutung der ersten von vier Zwiebeln am Flennen wie ein Schlosshund. Warum kann man bei Zwiebeln nicht auch so vorgehen wie bei Kartoffeln und die Netze sortenrein und entsprechend beschriftet verkaufen? So kann ich zwar Gemüsezwiebeln von Schalotten, Frühlingszwiebeln und ordinären Speisezwiebeln unterscheiden, aber das war es dann auch. Das muß doch auch anders gehen? Oder würde dann keiner mehr die scharfen Teile kaufen? Das wäre doch die Chance für die anderen Sorten, groß rauszukommen.

Nun ja, nachdem ich das überstanden hatte, ließ ich die Zwiebeln mit dem Inhalt einer großen Dose der billigen, von Feinschmeckern verachteten drittklassigen Champignons anbraten. Während dessen schnitt ich 600 g Rindswürste, geeignet sind auch Cabanossi oder ähnliche Wurstwaren, in mundgerechte Stücke und gab diese zum Gemüse.

Als nächstes stellte sich die Frage, ob ich mein knallgelbes Polohemd der Gefahr von Tomatensaftspritzern aussetzen sollte oder nicht. Ich entschied mich für die Variante „oder nicht“ und entledigte mich des Teils. Eine Schürze hätte ja auch die Ärmel und weitere Teile der Oberfläche nicht bedeckt, und ein Ganzkörperkondom haben wir auch nicht vorrätig. Also lieber nichts riskieren und die Nachbarin von nebenan aus dem ersten Stock feuchte Augen kriegen lassen, denn von deren Wohnzimmer aus ist ein Blick in unsere Küche durchaus ungebremst möglich.

Als wir noch in unserer alten Wohnung ansässig waren, hat uns ein solcher Blick, hier allerdings von Küche zu Küche, auch mal feuchte Augen bekommen lassen; allerdings handelte es sich eher um Lachtränen. Ein grünes, aber doch eher dem mächtigen Hulk ziemlich unähnlich sehendes Etwas stand dort am Fenster herum und erledigte dort haushaltstechnische Dinge. Frau Nachbarin hatte sich eine grüne Gesichtsmaske aufgetragen und die wohl noch duschfeuchten Haare mittels eines Turbans hochragend gesichert. Wie gut, daß meine Angetraute das nicht macht. Zumindest nicht das mit dem grünen Gesicht. Oder wenigstens so lange ich nicht anwesend bin und ich es damit nicht besser weiß. Was mich jetzt aber wiederum daran erinnert, wie ich mal in einer Sauna von ihr genötigt wurde, mich mit so einem Zeug in verschiedenen Brauntönen einzukleistern. Wie kann frau sich so etwas nur regelmäßig antun?

Wo war ich stehen geblieben? Tomaten! Es ist doch immer wieder interessant, wie man sich in anderen Themen verlieren kann…

Jedenfalls löschte ich die im Topf vor sich hin schmorende Masse mit 4 Paketen (zu jeweils 500 ml) passierten Tomaten ab und gab etwas Zucker, Salz und frisch gemahlenen Pfeffer hinzu. Zur weiteren geschmacklichen Aufbesserung gab es noch etwas Gemüsesuppenpulver sowie einige Löffel Pizzagewürz oben drauf. Bei dem Pizzagewürz kann es sich um eine handelsübliche Gewürzmischung oder selbst zusammengestellte, als hinreichend bekannt vorausgesetzte italienische Kräuter handeln. Nun ließ ich alles etwas köcheln und bereitete zwei Bund Frühlingszwiebeln zur weiteren Verwendung vor. Diese gab ich ebenfalls in die Suppe und ließ selbige weitere 15 Minuten weiterköcheln. Nochmal abschmecken und fertig.

Da eine Pizza ohne Käse nicht vorstellbar ist verwandelte meine Angetraute weite Teile des hier noch vorrätigen Goudastücks in Würfel, um diese dann auf den Tellern zur Suppe bzw. auf diese geben zu können. Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß es machbar wäre, nicht nur Käse auf die Suppe zu legen, sondern auch Ananas- oder Thunfischstücke. Und wenn man zufällig noch Hefeteig übrig hat und diesen auf ein Backblech verteilen würde, könnte man noch vorhandene Suppenreste durchaus…

Unverzichtbar ist natürlich die Tomatenbasis. Diese Selbstverständlichkeit erwähne ich jetzt nur, um einen Schlenker (gut, der kommt jetzt mit dem Holzhammer, habe ich selbst gemerkt) zu meiner Oma machen zu können. Die hat die Sache mit der Unverzichtbarkeit der Tomaten bzw. der Tomatensauce auf einer Pizza nämlich nie verstanden. Sie hätte Pizza ja an sich sehr gerne gegessen, wenn da „nicht immer diese blöde Tomatensauce drauf wäre“.  In einem Restaurant konnte sie nur mit äußerster Mühe davon abgehalten werden, Pizza ohne Tomatensauce zu bestellen. Stattdessen gab es für sie von jetzt an in einem Restaurant stets Toast Hawaii. Immer und ohne Ausnahme. Weil da die Tomatensauce fehlt. Und die Zwiebeln, denn die gingen auch gaaaaaar nicht bei ihr. Zumindest, wenn sie wusste, daß welche im Essen waren. Ansonsten aber schon. Ist halt so eine Sache mit dem guten Geschmack.

Und damit sind wir wieder bei der Suppe. Die ist nämlich lecker und ich würde sie auch wieder so essen. Die Wurstmengen lassen sich natürlich noch dem eigenen Geschmack anpassen.

Und hier die Zutatenliste, wie immer für eine Mehrtagesportion:

4 Zwiebeln
600 g Rindswurst oder Cabanossi
1 große Dose Champignons
2 Bund Frühlingszwiebeln
2 l passierte Tomaten
5 Peperoni (habe ich beim Kochen tatsächlich vergessen)
Gemüsesuppenpulver o. ä.
Pizzagewürz oder entsprechende Kräuter
Salz
Pfeffer
Zucker
Käse nach Belieben, aber immer reichlich



Donnerstag, 7. März 2013

Bekanntschaften

Kürzlich war ich abends alleine unterwegs, um mir einen Vortrag anzuhören, den Rajiv hier in der Gegend gehalten hat. Die zweitbeste Ehefrau von allen hätte mich gerne dazu begleitet, doch weilte sie im Rahmen ihrer Trainerausbildung ebenfalls auf einer, allerdings etwas stärker frequentierten aber deswegen nicht zwangsläufig auch interessanteren Vortragsveranstaltung.

Was mich dann doch etwas irritierte war der Umstand, daß mich auf „meiner“ Veranstaltung Leute, deren Gesicht ich meiner Erinnerung nach zuvor noch nie gesehen hatte, auf die Abwesenheit meiner von diesen Leuten auch namentlich benannten Angetrauten ansprachen.

Ich sollte vielleicht doch anfangen, etwas mehr auf mein Umfeld zu achten.


Dienstag, 5. März 2013

Nachbarschaft

Im Erdgeschoss des Nachbarhauses wohnte eine koreanische Familie. Zumindest hat unsere Hausverwalterin, welche gleichzeitig die über uns wohnende und im Allgemeinen gut informierte Nachbarin ist, behauptet, daß diese aus Korea stammt. Der Name der Familie lautete Kim, was ein guter Hinweis darauf ist, daß es sich tatsächlich um Koreaner handelte, denn alle Koreaner heißen Kim. Genau wie alle Vietnamesen Nguyen heißen. Ich darf von mir behaupten, durchaus schon mit einigen Vietnamesen Kontakt gehabt zu haben, und jeder von denen hieß tatsächlich mit Familiennamen Nguyen. Und alle mir bislang bekannten Koreaner hießen Kim. Da kann der deutsche Müller-Meier-Schulz ja noch froh sein, daß es hier namenstechnisch noch etwas Abwechslung gibt. Zumindest in den Schreibweisen, aber auch da fällt ein Müller ja schon wieder raus.

Unser Gärten lagen Seite an Seite, und ich hatte beim Einzug der Koreaner schon die leise Hoffnung, daß sich daraus der eine oder andere Kontakt ergeben würde, der als Nebeneffekt vielleicht auch noch für einen Einblick in die koreanische Küche sorgen würde. Bislang beschränkten sich selbige Einblicke nämlich auf einen einzigen Restaurantbesuch. Vor Jahren haben die zweitbeste Ehefrau und ich eine ehemalige Freundin von mir besucht, und im Rahmen dieses Besuchs beabsichtigten wir, ein dort ansässiges China-Restaurant mit unserer Anwesenheit zu beehren.

Als wir vor Ort ankamen stellten wir fest, daß der Chinese zwischenzeitlich zu einem Koreaner mutiert war. Auch meine ehemalige Freundin konnte zur koreanischen Küche keine weiterführenden kenntnisreichen Beiträge leisten, so daß wir das Experiment einfach wagten. Wir betraten das Restaurant und wurden an einen Tisch geführt. Die Auswahl potentieller Sitzgelegenheiten war durchaus bemerkenswert, waren wir – und dies würde sich für den Rest des Abends auch nicht ändern – doch die einzigen Gäste. Nach dem Studium der Speisekarte entschieden wir uns für eine gemischte Vorspeisenplatte für mehrere Personen und irgendetwas anderes, was wir uns am Tisch selber auf einer Art heißen Stein braten mussten.

Der Kellner servierte, war aber mangels Sprachkenntnissen (der konnte echt überhaupt kein Wort Deutsch) nicht befähigt uns zu erläutern, was sich da so alles auf der Vorspeisenplatte befand. Zunächst zögernd, später weiterhin zögernd und zum Abschluss immer noch zögernd leerten wir die vielen kleinen Schüsseln. Manche Dinge waren lecker, manche nicht, eigentümlich sahen viele aus und ich weiß bis heute nicht, was ich da gegessen habe. Und ganz ehrlich: Ich will es auch nicht wissen. Nur so zur Sicherheit. Vermutlich waren da auch Algen und Fleisch von Seegetieren bei. Ich habe nichts gegen Fleisch von Seegetieren, so lange dieses unter die Oberrubrik Fisch fällt. Doch das gegessene Fleisch gehörte früher vermutlich wohl zu einem Seegetier mit Beinen. Aber immerhin hat es geschmeckt. Im Gegensatz zu jenen Dingen, von denen ich vermute, daß es sich um sauer eingelegte Algen gehandelt hat. Gibt es so was? NEIN, NICHT SAGEN!

Nach dem Servieren des durchaus schmackhaften Hauptganges, eben der Sache mit den heißen Steinen, haben wir den Kellner nicht mehr gesehen. Es schien, daß wir nun ganz alleine im Restaurant seien. Auch nach einstündigem Warten konnten wir nicht auf uns aufmerksam machen, um Getränke zu ordern oder unserem schließlich immer dringender werdenden Wunsch, die Rechnung bezahlen zu wollen, kundzutun. Und mal ganz ehrlich: Ich laufe nicht durch den Laden, hinter den Tresen und schließlich in die Küche, um daran zu erinnern, daß noch Gäste anwesend sind. Also verließen wir das Restaurant, allerdings nicht, ohne abgezähltes Geld auf dem Tisch liegen zu lassen. Eine Entschädigung haben wir uns aber auch gegönnt. Wir essen nämlich alle gerne mit Stäbchen. Und in dem Laden gab es nicht die billigen Holzstäbchen zur Einmalverwendung oder welche aus Plastik, sondern gute aus Metall! Tja… Wir haben jedenfalls jetzt auch solche schönen Stäbchen aus Metall in unserem Fundus.

Aber echt jetzt, so kann man doch kein Restaurant betreiben. Kein Wunder, daß der Laden unter der Woche in einer großstädtischen Innenstadt so absolut leer blieb.

Zu unseren koreanischen Nachbarn kam auch kein Kontakt zustande, der über das höfliche Ansagen der Tageszeit hinausreichte. Frau Kim war tagsüber aushäusig, Herr Kim wachte über den Sohnemann, sprach aber gleich unserem Kellner kein Wort Deutsch, dafür aber fließend Koreanisch, Englisch und Holländisch. Was mir aber auch nicht weiterhilft. Am Wochenende war man sehr oft unterwegs, so daß die halbwegs deutschsprachige Frau Kim auch nicht zu fassen war. Egal.

Eines Tages manövrierte ein Sattelschlapper mit einem Überseecontainer in unseren engen Wohngebietsstraßen herum. Die zweitbeste Ehefrau von allen stand kurz vor dem Herzinfarkt, denn zwischen unserem Garten und den fetten Reifen des Gefährts klaffte oft genug nur ein Spalt von wenigen Zentimetern. Man muß dazu sagen, daß wir keinen richtigen Gartenzaun oder gar eine höhere Mauer haben, sondern einen eher offenen Garten mit einer nur niedrigen Trockenmauer. Heute würden wir den Garten auch nicht mehr so ohne beeindruckende Begrenzung anlegen, aber das ist eine andere Geschichte, die später mal erzählt werden will.

Jedenfalls stellte sich schnell heraus, daß der umherirrende und verzweifelt herumrangierende Sattelschlepper zu unseren Koreanern wollte, welche wohl wieder auszureisen gedachten. Irgendwann hatte man dann auch einen geeigneten Stellplatz gefunden: unmittelbar vor unserem Garten, den Zugang zu unserem Haus vollständig blockierend und die Straße gerade so weit freihaltend, daß ich immerhin mit unserem Balduin den heimischen Carport erreichen konnte. Zur Haustür gelang ich dann abseits aller dafür vorgesehenen Wege direkt durch den Garten.

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich begannen sofort wieder unsere üblichen Planungen hinsichtlich der Auswahl der neuen Nachbarn. Wann immer wir den Verdacht hegen würden, daß ein potentieller Kandidat, den wir nicht in unserer Nähe wohnen lassen wollten, vor Ort wäre, um sich die freie Wohnung anzusehen, sollte einer von uns von außen unsichtbar aus einem offenen Fenster nach Käwinn brüllen, der endlich der Schackeline sagen solle, daß sie die kleine Schaienne-Schantall nicht immer mit der Schüppe hauen soll. Wir hatten auch schon einen genauen Plan fertig, wer von uns bei gemeinsamer Anwesenheit zu Hause welche Schicht zu übernehmen hätte, aber leider war die Arbeit umsonst, die Vermieter waren schneller. Nur wenige Tage nach dem Auszug fand der Einzug der Neuen statt, ohne daß wir im Vorfeld Wind davon bekommen hätten.

Ein paar Sorgen mache ich mir ja schon, denn wenn man da während der Umzugsarbeiten mit der Flasche Bier in der Hand herumsteht, erweckt das bei mir nicht den besten ersten Eindruck zum Start. Man wird sehen.