Mittwoch, 30. Januar 2013

Debatten

Vor einiger Zeit in der Dienstbesprechung:

Frl. Hasenclever: „Herr Paterfelis, Sie sind so ruhig. Was ist los?“

Paterfelis: „Fräulein Hasenclever, ich sah noch keine Veranlassung, korrigierend in die Debatte einzugreifen.“


Sonntag, 27. Januar 2013

Heidrun (2)

Wurdet ihr auch schon mal von der Polizei aus einer Disco oder einem Club früh morgens nach Hause gebracht? So richtig in dem schicken Auto mit der blauen Lampe auf dem Dach? Nicht? Ich schon. Und das kam so:

Heidrun kennt ihr jetzt ja schon. Sie war ausnehmend geschwätzig. Zumindest aus meiner Sicht. Ich neige ja eher dazu ein Typ zu sein, der dem Prinzip vom Schweigen der Männer  huldigt. Zwar nicht immer und überall, aber doch tendentiell. Ich habe ja auch nicht viel zu erzählen. In meinem Leben passiert nicht so viel Erzählenswertes. Gut, in anderen Leben ist das nicht anders, hält die Betroffenen aber nicht davon ab, trotzdem viel zu erzählen. Ich kann das aber nicht. Vielleicht kann ich viel über nichts schreiben, aber nicht erzählen. So mit gesprochenen Worten. Egal. Wir waren bei Heidrun. Frauen mögen Heidrun anders einschätzen; über die Gründe möchte ich mich hier vorsorglich nicht weiter auslassen.

Unsere tägliche Tour zur Arbeit und wieder zurück dauerte im Schnitt eine Stunde. Morgens neigte Heidrun dazu, im Auto noch etwas weiterzuschlafen, aber auf dem Rückweg war Konversation angesetzt. Das heißt im Klartext, daß sie auf mich einredete und ich die üblichen männlichen Geräusche von mir gab, welche Aufmerksamkeit signalisieren sollten. Gelegentlich gab ich auch mal einen Kommentar zu dem eben Gehörten ab, doch sollte das die Ausnahme bleiben. Es gibt ja so Leute, die können minutenlang reden, ohne Luft zu holen, und meine einzige Chance auf einen Kommentar war nun mal so eine Atempause. Die Pausen waren aber nie so lang, daß es sich gelohnt hätte, mehr als einen Satz zu äußern, so daß ich aus der Nummer schnell wieder raus war.

Heidrun erzählte alles, beginnend mit dem Abendessen von gestern, Klatsch aus dem Büro, ihrer Drüsenfehlfunktion, welche dafür sorgte, daß bei ihr Milch einschoß, obwohl sie nicht schwanger war bis hin zum Thema Intimrasur. Als langjähriger Saunagänger, der sich bei selbiger Gelegenheit durchaus mal mit Kollegen oder Bekannten vor Ort trifft und sich von daher schon zwangsweise mit deren entsprechenden Ansichten zu letzterem Thema konfrontiert sieht, gehe ich damit ziemlich entspannt um, bin aber dennoch der Meinung, daß ich mich nicht mit jedem über alles unterhalten muß. Aber als höflicher Mensch habe ich natürlich auch diesen Ausführungen zugehört. Man nimmt ja Anteil.

So war ich auch über Heidruns Ansichten zu ehelicher Treue informiert. Da war sie knallhart. Ihre stets verkündete Meinung war, daß ein Mann, welcher an eine andere Frau denkt, während er gerade mit seiner Frau kuschelt oder sonst wie zur Sache geht, ein elender Fremdgeher und Ehebrecher ist und daß diese wirklich verabscheuungswürdige Tat härteste Bestrafung nach sich zu ziehen hat.

Allerdings hat es sich ergeben, daß Heidrun einen Kellner aus der Disco des Nachbarortes durchaus unterhaltsam fand und etwas mit ihm angefangen hat. Das war etwas, was ihren Mann an sich gar nichts anginge, denn wenn sie mit dem Kellner in der Koje oder sonst wo lag, dann machte sie das mit IHREM Körper, und was sie mit selbigem macht, war IHRE Sache und hätte ihren Mann, wie bereits erwähnt, so absolut gar nichts anzugehen.

Ok, es ist ein freies Land und jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Meine behielt ich für mich.

Wir näherten uns dem Jahreswechsel. Im Rahmen unserer zwischenzeitlich erweiterten Fahrgemeinschaft wurde über die anstehenden Feierlichkeiten gesprochen. Ich hatte an sich vor, Silvester auf die mir genehmste Weise zu begehen, nämlich alleine zu Hause. Die Damen ließen aber keine Ruhe und beschlossen, mich in die Großdisco des Nachbarortes mitzuschleppen. Jauuuuuu, richtig was für mich. Ich bin nicht übertrieben gesellig, hasse Massenveranstaltungen, werfe mich nicht gerne in Schale und bin überzeugter und nach Ansicht nicht nur der zweitbesten Ehefrauen von allen, sondern auch einiger Kolleginnen, welche schon versucht hatten, mir ein paar Tanzschritte beizubringen, ein perfekter Nichttänzer. Gehen wir also in die Disco.

Der Türsteher hat mich tatsächlich reingelassen. Also echt, einem Schuppen, der mich zum Feiern reinlässt, würde ich schon mal gar nicht trauen. Meine letzte Chance, dem Übel zu entgehen, war vertan. Wie erwartet, war es für mich total langweilig. Ich schaffte noch nicht mal den Mindestverzehr an Getränken. Alkohol trinke ich ja auch so gut wie gar nicht, worüber meine Begleiterinnen zwar informiert waren, was sie aber nicht davon abhielt, auf gemeinsame Rechnung eine Flasche Sekt zum Anstoßen um Mitternacht für 50 DM zu erwerben. Nö, da habe ich dann doch Abstand von genommen. Nennt mich ruhig Spaßbremse, ich kann damit leben.

Heidrun war an diesem Abend sehr zufrieden, war doch ihr persönlicher Kellner heute Abend zum Dienst eingeteilt. Der Herr Gemahl wusste zwischenzeitlich um das bestehende Verhältnis, was in der bestehenden Ehe durchaus zu gewissen Spannungen geführt hatte. Doch hatte Heidrun versichert, daß das Thema zwischenzeitig erledigt sei.

Der Morgen brach so langsam an, als die Damen soweit waren, den Weg nach Hause antreten zu wollen. Für unsere Heimkehr war gesorgt. Heidruns Ehemann, seines Zeichens Polizist, konnte an unserer wilden Feier in das neue Jahr nicht teilnehmen, weil er Dienst schieben musste. Aber er hatte sich bereit erklärt, uns nach Hause zu fahren, falls er gerade nicht im Einsatz war. Und das war er gerade nicht. So kam es dann, daß er uns mit dem Streifenwagen abholte und nach Hause brachte. Heidrun konnte ihn dankenswerterweise nicht dazu überreden, dieses mit eingeschaltetem Blaulicht und Taterütata zu machen. Im Wagen selbst verplapperte sich unsere erweiterte Fahrgemeinschaft dummerweise über die Anwesenheit von Heidruns Lieblingskellner, was dazu führte, daß die Heimfahrt von diesem Zeitpunkt an etwas ruppiger wurde.

Es erübrigt sich zu sagen, daß die Ehe von Heidrun und ihrem Polizisten nicht mehr von längerem Bestand war.

Tja, das war jetzt die Geschichte, wie ich im Polizeiwagen nach Hause gebracht wurde. Heh, niemand hat gesagt, daß die Sache spektakulär sein würde. :-D


Finde die Frage

Der Zeiger der Uhr… nein, blöder Anfang. In meinem Sichtfeld im Büro befindet sich keine Uhr mit Zeiger. Es gibt lediglich digitale Zeitanzeigen, und zwar auf dem Telefon (so lange es nicht durch aufdringliche Lautzeichen nervtötend auf sich aufmerksam macht), auf meinem Uralthandy sowie in der oberen rechten Ecke des Fensters unseres Hauptprogramms. Wie dem auch sei, die Zeit kroch wieder nur so vor sich hin. Mir war warm und ich musste dringend wieder Sauerstoff aufnehmen. Also stand ich auf und begab mich in das stets gut durchlüftete Zimmer des Kollegen Ökoklaus, bei dem ich ohnehin noch ein paar Akten loszuwerden gedachte.

Man erwartete mich bereits sehnsüchtig, ein durchaus nicht allzu seltener Zustand, der zumeist mit Arbeit für mich verbunden ist. Der Ökoklaus hielt mir eine Akte entgegen und offenbarte sein Begehr, welches sich dergestalt äußerte, daß ich mal einen oder auch mehrere Blicke in den Vorgang werfen möge. Dieser gehöre eigentlich Sven, welcher ihn der zuständigen Mandy zur Unterschrift vorgelegt habe. Mandy sei jedoch auf ein Problem gestoßen, welches sie selbst nach intensiver Durchsicht des aktuellen und auch der Altvorgänge nicht in den Griff bekommen habe.

Daraufhin habe sich Mandy an den Ökoklaus mit der Bitte um Amtshilfe gewandt. Dieser habe in Folge den Vorgang ebenfalls intensiv begutachtet, ohne jedoch zu einer weiterführenden Erkenntnis gelangt zu sein, weswegen er in einem Akt der Verzweiflung meine stets herausragenden Fähigkeiten in Anspruch nehmen wolle, gehörte doch die Thematik dieses Vorgangs zu meinen ganz speziellen Vorlieben und als ausgewiesener Experte wäre doch wohl nur noch ich in der Lage, zu einer allgefälligen Lösung zu gelangen. Deswegen bin ich ja auch in der herausragenden Position des  Seniorsachbearbeiters.

Derart geschmeichelt nahm ich den Vorgang in aller Bescheidenheit an mich und fragte kurz, welche Frage denn da wohl zu klären sei. Der Ökoklaus schilderte mir kleinlaut, daß die Sache nunmehr schon so lange bei ihm weilte, daß er das tatsächlich vergessen habe. Und ihm sei auch zu seinem größten Bedauern nicht mehr gegenwärtig, um welche Antwort es dabei ging. Sven hat den Inhalt des Vorganges schon vor Wochen verdrängt, und Mandy weilte nicht im Büro, sondern ging ihren mütterlichen Verpflichtungen nach. Aber man sei sich wenigstens einig, daß dieser Vorgang eine zu klärende Frage beinhalte, welche meines Genius bedürfe.

Na prima. Andere Menschen, welche sich mit dem Problem zu stellender Fragen beschäftigen, haben wenigstens Antworten auf die zu ermittelnden Fragen präsentiert, schrieben dazu eine Hörspielreihe, erweitern diese um eine Buchreihe, entwickeln diese zu einer mittlerweile fünfbändigenTrilogie und lassen eine Fernsehverfilmung und einen Spielfilm folgen, scheffeln Unmengen an Geld und erhalten einen eigenen Gedenktag.
Und ich? Ich darf mich mit dem noch größeren Problem beschäftigen, neben der Antwort auch noch die Frage zu finden, bekomme dafür nichts außer dem ewigen Dank meiner Kollegen, erhalte Kultstatus im Büro und freue mich weiterhin auf meinen in wenigen Jahrzehnten geplanten Rentenbeginn, wenn mir unsere jetzige und die künftigen Regierungen sowie die allseits beliebten Vogonen nicht auch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

In diesem Sinne: 42!



Samstag, 26. Januar 2013

Heidrun (1)

Während einer meiner Reisen in Richtung Büro – wie meistens nahm ich wieder den großen Wagen mit dem Chauffeur, der auch immer das viele Geld dabei hat – wurde ich an Heidrun, eine Ex von mir, erinnert. Es lag vermutlich an der Art und Weise, wie mein Fahrer das Gefährt durch die morgendliche Stadt steuert. Vermutlich kam er sich vor, wie Michael Schumachers Erbe. Gas und Bremse kannten keine Feinjustierung, die Anfahrt an eine Haltestelle glich dem Ansteuern der Boxengasse, bei der man auch bis zum Schluß auf dem Gas steht, um dann schlagartig zu bremsen. Kurvenfahrten und der Wechsel der Fahrtrichtung in eine Einmündung fanden ebenfalls dergestalt statt, daß nicht viel an einem ordentlichen Powerslide fehlte. Ach ja, und auch das schöne Käppie auf dem Kopf fehlte nicht, welches man natürlich verkehrt herum, also mit dem Mützenschirm nach vorne, angezogen hatte. Der Proll hatte noch nicht mal Stil.

Zurück zu Heidrun. Wie gesagt, ist sie eine Ex von mir. Sogar eine mehrfache. Und zwar eine Ex-Kollegin, eine Ex-Nachbarin und eine Ex-Beteiligte an einer gemeinsamen Fahrgemeinschaft. Natürlich heißt sie nicht Heidrun, aber das habt ihr euch ja wohl ohnehin schon gedacht.

Da Heidrun und ich seinerzeit im gleichen Haus wohnten und wir beide den gleichen Arbeitgeber hatten, bot sich natürlich an, eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Seinerzeit konnte man es sich noch leisten, täglich 60 km einfache Strecke mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, wir hatten noch eine Währung aus richtigem Geld und Benzin war zwar nicht gerade billig, aber weit weg von den heutigen Preisen. Aber gegen eine Kostenreduzierung hatte ich an sich nichts einzuwenden. Es gab auch andere Dinge, für die man seine Kohle loswerden konnte.

Also fuhren wir unseren täglichen Weg gemeinsam, das heißt ich bin gefahren, denn Heidrun hatte noch keinen Führerschein. Als sie den dann – relativ spät – mit Mitte Zwanzig gemacht hatte, musste natürlich sofort ein Auto her. Sie war verheiratet und ein Auto war vorhanden, aber der olle Astra war nichts für sie, den durfte ihr Mann weiterhin fahren. Den hatte er sich schon vor der Ehe gekauft und damit war er gut genug für ihn. Als Zweitwagen beschaffte man sich einen Ford Puma, welchen natürlich nur sie benutzen durfte.

Von da an war es mit der Behaglichkeit vorbei. Und das lag nicht nur daran, daß ständig eine Wolfgang Petri-CD im Auto lief. Der Straßenverkehr im Allgemeinen und Heidruns Ansichten darüber kamen irgendwie nicht in Einklang. Sie schaffte es tatsächlich, in den ersten sechs Monaten, in denen sie eigenverantwortlich auf Deutschlands Straßen unterwegs war, den Wagen mehrfach in die Werkstatt bringen zu müssen. Unfallbedingt.

Der erste Schaden, den ich mitbekommen habe, entstand in einem Parkhaus. Das arbeitgebereigene Parkhaus kann man als durchaus eng bezeichnen. Der bloße Umstand, daß eine Säule an einer Einmündung steht, an der man rechts abbiegen muß, bedeutete für Heidrun keineswegs, daß man das langsam und mit Bedacht erledigt. Nein, es ging sehr schnell und sehr eng dabei zu. So eng, daß die Säule und die Beifahrertür ein enges Verhältnis bildeten. Ich saß natürlich recht beengt auf der anderen Seite dieser Tür…

Der nächste Durchgang fand wenige Wochen später statt. Wir hatten unsere Fahrgemeinschaft zwischenzeitlich um eine weitere Person vergrößert, eine ältere Kollegin, die zwar einen Führerschein hatte, aber seit Jahren nicht mehr Auto gefahren war und dem entsprechend auch keines hatte.

Auf der Heimreise schwammen wir im gerade stärker werdenden Berufsverkehr mit. Wir mussten eine Kreuzung überqueren, die Ampel zeigte grün und Heidrun fuhr zügig weiter, als der vor uns fahrende PKW plötzlich aufgrund stockenden Verkehrs noch auf der Kreuzung stehenblieb. Es kam wie es kommen musste, Heidrun fuhr auf. Natürlich hatte sie keinerlei Schuld an dem Unfall. Schuldig war der andere, denn man darf ja nicht auf einer Kreuzung anhalten. Also hatte sie nicht damit zu rechnen, daß er stehen bleiben würde. Verboten ist verboten! Immerhin ist sie die Ehefrau eines Polizisten und kennt sich damit aus. Hätte der andere also nicht vollkommen verbotswidrig da angehalten undsoweiterundsofort.

Der Wagen war noch fahrtüchtig, doch wollte Heidrun erst mal nicht selber weiterfahren. Es bot sich also an, daß ich mich ans Steuer setze, damals noch in täglicher Fahrpraxis stehend, oder aber unsere gemeinsame Kollegin, welche – wie bereits erwähnt – seit Jahren kein Auto mehr selbst gefahren hatte. Es war eine einfache Entscheidung, wer weiterfahren würde. Nämlich die Kollegin. Wir steuerten erst mal den nächsten Parkplatz an, Heidrun konnte sich etwas sammeln und fuhr dann – durchaus sinnvoller Weise – selber weiter.

Den nächsten großen Unfall habe ich nicht selbst miterlebt. Heidrun musste mit dem Wagen rückwärts auf eine Rampe fahren. Sie schaffte es, beide Räder der linken Seite über den Rampenrand zu bewegen, so daß sich der Wagen auf seine Achsen setzte.

Unsere Kollegin kaufte sich dann – sehr angetan von der Erfahrung, daß Auto fahren doch angenehmer ist als Bahn fahren – ein eigenes Auto: einen 1992er Fiat 500.

Und ja, es war eng da drinnen! Noch enger als im Puma.

Bei Heidruns Fahrten ergaben sich noch eine ganze Reihe weiterer haarsträubender Ereignisse und Beinah-Unfälle, so daß ich froh war, aufgrund eines geänderten Einsatzortes meinerseits die Fahrgemeinschaft mit Anstand  aber weitgehend unversehrt verlassen zu können.




Frostiges

Und wieder wurde ich heute – wie eigentlich jeden Tag im Büro – mit dem Phänomen frierender Frauen konfrontiert. Trudi und Mandy, die mit mir zusammen in einem Büro arbeiten, fröstelte es, während ich die Raumtemperatur als weitgehend angenehm empfunden habe. Kein Wunder, ich hatte ja auch kurz vorher gelüftet.

Zeit für eine mit den Mitteln der modernen Technik untermauerte Untersuchung. Ich borgte mir das digitale Thermometer des Kollegen Ökoklaus, mit dem man - also dem Thermometer, nicht dem Ökoklaus - im Übrigen auch die relative Raumfeuchte bestimmen kann, sagte aber bei uns im Raum niemandem Bescheid. Alle Fenster blieben nach dem morgendlichen Lüften zu, und auch nur eine der beiden Türen zum Flur wurde geöffnet. So, wie es die Damen eben gerne haben. Es versteht sich von selbst, daß auch alle Heizkörper ihre Standardeinstellung behielten, was bedeutet: Die Thermostate aller in meiner unmittelbaren Nähe befindlichen Heizkörper waren auf Null gedreht, die der Damen liefen hingegen mit durchwachsenen Werten auf Vollast.

Obwohl es mir in meiner Ganzjahreskleidung (Jeans, kurzärmeliges Hemd, keine Unterwäsche kein Unterhemd, normale Schuhe) bald deutlich zu warm wurde, zog sich Mandy noch einen dicken Pulli über ihre bereits mindestens doppellagige Kleidung, Trudi zog eine gefütterte Weste und einen Schal über Pulli und Bluse. Ich möchte anmerken, daß Trudi auch noch dicke, gefütterte Winterstiefel getragen hat.

Ein Blick zum Thermometer zeigte 22,1 Grad bei 34 % relativer Raumfeuchte.

Die Temperatur stieg weiter, der Sauerstoffgehalt schwand. Meine Damen beklagen sich über seit Wochen vorhandenen Kopfschmerz im Büro, was mich nicht wundert, denn seit Wochen ist das Fenster nur noch sehr sporadisch geöffnet, und ohne Sauerstoff gibt es halt auch Kopfweh. Aber da leitet man keinen Zusammenhang her, so lange es nur muckelig warm ist. Auch der Umstand, daß die Kopfschmerzen im Rahmen des mittäglichen Freiganges oder nach Feierabend verschwinden und erst bei Wiederbetreten des Büros erneut auftauchen, lässt die Gedankengänge nicht in die einzig zutreffende Richtung wandern.

Als das Thermometer beständig die 23 Grad-Marke geknackt hatte, hörten die regelmäßigen Hinweise auf die unerträgliche Kälte so langsam auf, was aber erst bei 23,5 Grad dazu führte, daß man sich der oberen Schicht der Zusatzkleidung entledigte.

Wir näherten uns der 24 Grad-Marke. Die Damen sind so langsam zufrieden, abgesehen von den Kopfschmerzen. Ich hingegen überlegte, wie ich meine eigenen Kopfschmerzen in den Griff bekommen würde und welche meiner Kleidungsstücke ich loswerden könnte, ohne unangenehm aufzufallen. Schwierig.

Beim Erreichen der 24 Grad-Marke machte Trudi Feierabend. Da sie zu diesem Zwecke in die „nicht mehr auszuhaltende Kälte“ da draußen musste  – das Außenthermometer zeige 2 Grad unter Null an – verkleidete sie sich gleich einem Eskimo und hätte wohl am liebsten noch einen beheizbaren Schlafsack als zusätzliche Heizdecke mitgenommen.

Mir war es gleich, ich stand kurz vor dem Hitzekollaps und wollte Sauerstoff atmen. Also riss ich zwei Fenster auf, um wieder am Leben teilnehmen zu können. Sofort verließ Mandy den Raum.

Ich brachte das Thermometer wieder zurück zum Ökoklaus, der in dem Moment aber nicht an seinem Schreibtisch weilte. Später erreichte mich seine Nachricht, daß er das Thermometer nur mit seinen Asbesthandschuhen ausgerüstet habe wegpacken können, da es die in unserem Raum aufgenommene Hitze noch nicht vollständig abgestrahlt habe.

Beneidenswert: Bei ihm im Zimmer ist das Fenster ständig geöffnet, obwohl er da auch in weiblicher Gesellschaft sitzt. Und beide sind zufrieden damit. Allerdings muß ich der Fairness halber anmerken, daß die beiden da auch in winterharter Kleidung sitzen. Ich muß jedenfalls dringend was unternehmen. Oder ich lasse mich in die Hölle versetzen. Da wird es bestimmt besser sein.



Donnerstag, 24. Januar 2013

Kannibalismus

Mandy: „Ich habe noch Basilikumsauce über. Soll ich die in deinen Basilikumstrauch schütten, damit der wieder zu Kräften kommt?“

Paterfelis: „Nein danke, ich bin gegen Kannibalismus unter Pflanzen.“



Dämliches

Mandy: „Die Tür vom Chef ist zu. Hat der wieder Damenbesuch?“

Paterfelis: „Glaube ich nicht, wo sollen denn hier Damen herkommen? Hier gibt es nur echte Frauen und Dämlichkeiten.“

M: „ :-P “

P: „Du brauchst nicht meckern. Du betonst sonst auch immer wieder, daß du keine Dame bist.“

M: „Falsche Antwort. Richtig wäre gewesen: Ich könnte mir auch nicht vorstellen, daß DU da drinnen bist.“

P: „…“


Vorfreude

Trudi: „Wisst ihr, was morgen in zwei Wochen beginnt?“

Mandy und Paterfelis: „Nö.“

T: „Fasching-Fastnacht-Karneval. Klasse.“

P: „Kann ja nicht so toll sein, wenn alle Beteiligten das nur im Suff ertragen.“


Mittwoch, 23. Januar 2013

Fragen

Wenn ich den Typen erwische, der den Satz „Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten.“ geprägt hat, haue ich ihm in die Fresse.

Es gibt dumme Fragen. Und sogar saudumme Fragen.

Ich bin immer wieder selbst von mir beeindruckt, mit welcher äußeren Gelassenheit ich Fragen wie z. B. "Liegt Bayern in München?" beantworte.



Sonntag, 20. Januar 2013

Super-Einsatz

Als ich heute Morgen den transportablen Elektronenrechner anwarf, um unter Zuhilfenahme des weltumspannenden Netzwerkes für globale Kommunikation meinen bescheidenen Einkaufszettel zu finalisieren, erreichte mich ein Notruf. Mein persönlicher Einsatz war gefordert, um eine Ehe zu retten. Jawohl! Und zwar nicht meine eigene, sondern eine andere. Und zu diesem Zweck sei es unabdinglich, aus dem wöchentlichen Sonderverkauf des Schwarz-Marktes exakt 2.075 Gramm  Baked Beans in Tomatensauce zu sichern.

Ein klarer Fall für den SSB.

In meinem Berufsalltag steht die Abkürzung SSB für meine Dienstbezeichnung und bedeutet „Seniorsachbearbeiter“. Das heißt, daß ich kein normalsterblicher Sachbearbeiter in den Reihen der behördlichen Fußtruppen bin, sondern einer mit Zusatzaufgaben. Also eine herausgehobene Fußtruppe. Man muß nicht Senior sein, um dieses ehrenvolle Amt bekleiden zu dürfen. Aber da meine Haare zwischenzeitlich unzweideutig grau werden, unterstreicht das doch die gebotene Würde, mit der ich mein Amt ausübe.

Ich finde die Bezeichnung ziemlich unglücklich und verwende daher meistens den offenkundig passenderen Begriff „Supersachbearbeiter“. Eine einfachere und trefflichere Bezeichnung wäre auch „Ausputzer“ oder „Arsch für alle“. Aber in diesem Fall hier steht SSB zweifelsohne für…

…Super-SuperBaterfelis! 

Häh? Ja, ich weiß, das funktioniert insgesamt besser mit meinem echten Vornahmen, aber ich sage hier doch nicht jedem, daß ich Berthold heiße.

So warf ich mich in meine Super-Superbaterfelisklamotten, nahm in einer wilden aber dennoch genau abgezirkelten und exakt berechneten Bewegung die Taschen mit dem Leergut an mich und verließ das Haus mit einem klaren Ziel, nämlich den Carport mit dem Super-Superbaterfelismobil. Souverän zündete ich das Antriebsaggregat, welches trotz der klirrenden Kälte seine treuen Dienste nicht versagte, und steuerte das Super-Superbaterfelismobil, angetrieben von einer Urgewalt gebündelter und in kinetische Energie verwandelte exakt kontrollierte Explosionen in Richtung Schwarz-Markt. Höchste Eile war geboten, denn die eherettenden Artikel des Sonderverkaufes wurden dort bereits seit Donnerstag dem gemeinen Publikum feilgeboten.

Da der Platz vor der Eingangstür bereits durch finstere Mächte besetzt war  verlor ich wertvolle Zeit, um das Super-Superbaterfelismobil anderweitig und ohne Belästigung oder Gefährdung der an meinem Noteinsatz unbeteiligten Passanten abzustellen, erreichte den Laden und stürzte mich in die Gegend, in der ich das Gewünschte vermutete. Und siehe da, mein geniales Hirn täuschte mich auch dieses Mal nicht. Bevor es durch andere Anwesende verhindert werden konnte, sicherte ich die durch den verzweifelten Hilferuf angeforderten 2.075 Gramm Baked Beans in Tomatensauce, welche dort, und das bemerke ich hier mit tiefer und ehrlicher Dankbarkeit, in fünf Dosen bereits transportfertig abgepackt bereitstanden, und setzte dann meinen Einkauf fort in dem guten Gefühl, das menschliche Dasein um eine weitere Heldentat bereichert zu haben.



Auf dem Weg in die Super-Superbaterfeliszentrale machte ich mir schon meine Gedanken, welcher beneidenswerte Charakterdarsteller sich wohl seinen Oscar damit verdienen würde, in der sicherlich bald anstehenden Verfilmung meines heutigen Einsatzes meine Rolle zu verkörpern. Für Vorschläge bin ich empfänglich, ist mir doch tatsächlich niemand eingefallen, der es auch nur im Ansatz hinbekommen könnte.

Hat da jemand Ottfried Fischer gesagt? BANAUSE!!!

Auf meinem erforderlichen Zwischenhalt war der Einsatz meiner Fähigkeiten erneut gefordert. Auf dem Parkplatz dieses Rewe-Abkömmlings mit dem ewig falsch geschriebenen Namen war man zwar so freundlich, die Verkehrswege für die Teilnehmer des Personenkraftverkehrs von Eis und Schnee zu räumen, hat aber teilweise vergessen, die Parkplätze und Schleichwege für Einkaufswagen ebenso zu behandeln. So gestaltete es sich denkbar schwierig, selbige Einkaufswagen in beladenem Zustand bis an die Heckklappe des Super-Superbaterfelismobils zu fahren, da der Einkaufswagen tatsächlich im Eis steckenblieb. Mit aller meiner Kraft, welche ich in unermüdlichem Einsatz im Sporttempel gestählt habe, hob ich den Wagen über das Eisfeld, so daß ich mit ihm die Heckklappe des Super-Superbaterfelismobils erreichen konnte.

Als ich mit dem Super-Superbaterfelismobil vor der Super-Superbaterfeliszentrale vorgefahren war, um ersteres zu entladen und letztere mit neuen Inhalten zu versehen, versuchte ich mehrfach, die Tür der Super-Superbaterfeliszentrale mit der Fernbedienung des Schlüssels des Super-Superbaterfelismobils zu öffnen, was zwangsläufig misslang.

In dem Moment fragte ich mich, was am heutigen Tage wohl anders war als sonst. Hätte ich die grün leuchtende Fleischwurst doch entsorgen sollen, anstatt sie zu essen?



Samstag, 19. Januar 2013

Nix da geklumptes Streu


Natürlich gab es heute wieder kein Catsan-Klumpstreu beim falsch geschriebenen Onkel Tom. Immer, wenn die das im Angebot haben, ist es ruck zuck weg.

Als ob da unter der Woche jemand vorbeigekommen wäre, die Definition für haushaltsübliche Menge nach oben erweitert und sich danach den Kofferraum vollgepackt hätte.

Unglaublich.

;-) :-D

PS: Ich glaube, ich muß hier noch Platz für zehn Pakete Catsa... ups.




Freitag, 18. Januar 2013

Gruß aus der Küche - Mexikanischer Hähnchentopf

Heute gibt es Mexikanischen Hähnchentopf. Nichts Besonderes. Eine weitere Variation des klassischen Chili con Carne. Langweilig. Und übrigens: Wer hier nur liest, weil er auf eine weitere meiner ungemein witzigen oder bewegenden Geschichten hofft, der kann direkt aufgeben. Hier gibt es heute nichts Witziges oder Bewegendes. Auch nichts Spannendes, Aufregendes, Dramatisches, Peinliches.



Echt nicht.

Immer noch dabei? Dann bist du hart im Nehmen. Hier passiert wirklich nichts. Ich beschreibe ein Allerweltsgericht. Jeder, der schon mal Chili gekocht hat, wird hier nichts Neues entdecken.

Na, endlich aufgegeben? Nein? Nein...

Das Foto zeigt das fertige Gericht am ersten Tag nach dem Kochen. Aufgewärmt. Am ersten Tag ist das Foto etwas verschwommen geraten. Nicht sehr schön. Und wenn ich schon nichts Großartiges dazu schreiben kann, soll das Bild ja wenigstens halbwegs hübsch sein.

Ich könnte ja auch das verschwommene Foto verwenden. Dazu einen flotten, witzigen Spruch. Mir fällt aber keiner ein. Also ein ordentliches Foto und einen langweiligen Text. Sachlich. Ohne Gags und so. Zielführend. Nüchtern.

Bist du immer noch dabei? Halloooo? Hier passiert nichts.

Na gut. Kommen wir zum Rezept.

Man nehme… oh mein Gott, ist ja echt antiquiert. Aber doch irgendwie zeitlos. Außerdem habe ich auch keine Idee für einen anderen Einstieg. Voll langweilig. Also nochmal: Man nehme…

…400 – 500 Gramm Geflügelfleisch, Hühnchen oder Pute. Geschnetzeltes oder klein geschnittenes Brustfilet. Es macht sich gut, das jetzt erst mal anzubraten. Salz und Pfeffer nicht vergessen.

Bist du noch da? Liest du etwa immer noch mit? Tapfer.

Das gebratene Fleisch verlässt nun die Pfanne und tauscht seinen Platz gegen zwei Knoblauchzehen und eine klein geschnittene Gemüseziebel. Oh, da habe ich ein „w“ vergessen. Hast du gar nicht gemerkt. War auch nur ein Trick um zu testen, ob du aufmerksam bist.

Solltest du am Kochen sein tun wäre es jetzt an der Zeit, drei Paprikaschoten, ein bis zwei Chilischoten, drei Karotten und 750 Gramm (kann auch mehr sein) Kartoffeln - alles passend geschnippelt -  dazu zu geben. Schön weiter anbraten.

Sag mal, hast du nichts Besseres zu tun? Ist es soooo langweilig? Dann sieh zu, wie du da damit klar kommst. Hier wird es echt nicht mehr aufregender.

Das ganze Gemüse solltest du jetzt mit einem halben Liter Wasser ablöschen und Instant-Suppenpulver hinzufügen. Natürlich könntest du auch direkt einen halben Liter Brühe nehmen. Das muß man nicht so eng sehen.

Uiiiihh, das war jetzt aber doch spannend. Du musstest eine Entscheidung treffen. *gääähn*

Während ich das schreibe, esse ich übrigens eine Kaki-Frucht und einen Boskoop-Apfel. Vitamine. In der Glotze läuft Deep Space Nine. Da gab es aber noch keinen Mexikanischen Hähnchentopf.  In der Serie, meine ich. Hier natürlich schon, aber den habe ich aufgegessen, bevor ich angefangen habe, das hier zu tippen.

Och, schade, das letzte Stück Obst ist jetzt auch in meinem Magen verschwunden.

Zur Brühe gibst du bitte noch ein Lorbeerblatt und lässt das 20 Minuten köcheln.

Ah, Klingonen. Kira und Bashir sind im Paralleluniversum. Wenn du das hier liest, musst du dir doch auch wie in einem Paralleluniversum vorkommen. Nö, ist alles echt und du machst das freiwillig. Selbst Schuld.

Boaaah, die Paralleluniversumskira hat coole Klamotten an. Und ein Stirnband. Gefällt mir. Ob die vorhin noch Tussiturnen gemacht hat? Nääääh, Kira nicht. Die ist keine Tussi.

So, 20 Minuten sind jetzt ja wohl rum. Jetzt packen wir mal den Inhalt zweier kleiner Dosen Kidney-Bohnen (bitte vorher abspülen, aber mit ohne Spüli, nur Wasser) in den Topf. Sieht gut aus. Nicht  so gut wie die Paralleluniversumskira mit Stirnband, aber auch irgendwie lecker.

Jetzt läuft Werbung.

Entspann dich und hau noch ein paar Löffel Tomatenmark und zwei Pakete passierte Tomaten in den Topf mit dem Gemüse. Vergesse nicht, das Fleisch wieder zu dem Gemüse zu legen, sonst friert es so. Nochmal abschmecken, zehn Minuten köcheln, servieren, Sauerrahm drauf. Lecker.

Aber nicht aufregend.

Ich habe nie etwas anderes behauptet.

Sieh zu, wie du damit klar kommst. Ich habe fertig. Jetzt gibt es nur noch die Zutatenliste:
  • 1 Gemüsezwiebel
  • 3 Karotten
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Paprikaschoten, möglichst bunt, uni geht aber auch
  • 2 rote Chilischoten
  • etwa 500 g Geflügelfleisch
  • 750 g Kartoffeln, kann auch mehr sein
  • Salz und Pfeffer
  • ½ Liter Brühe
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 kleine Dosen Kidney-Bohnen (425 ml)
  • Tomatenmark
  • 2 Pakete / Dosen passierte Tomaten
Und pack bloß keinen Mais da rein. Mais ist voll fies.
Mahlzeit.

Mann, was sieht die Paralleluniversumskira mit Stirnband gut aus…
Hier ist Schluss, Lilly will kuscheln.



Donnerstag, 17. Januar 2013

Mir stinkt es gewaltig

Gerade habe ich wieder meine Runde gedreht und die Katzenklos gereinigt. Üblicherweise steht Lilly dann in Lauerstellung bereit und wartet, bis ich fertig bin, um dann schlagartig das nächstgelegene Klo zu besetzen und es entsprechend zu nutzen.  Und wie immer bei speziell dieser Gelegenheit vermeidet sie es dabei tunlichst, ihre Hinterlassenschaft zu vergraben. Sonst macht sie das, wie es sich für eine anständige Katze gehört, aber nie, wirklich nie, wenn ich die Stinkebuden gerade gereinigt habe.

Heute habe ich sie drangekriegt. Ich traf meine Vorbereitungen, aber die Kleine konnte es wohl nicht aushalten und hat sich in einem noch dreckigen Klo erleichtert. Muahahaaa, sie hatte danach nichts mehr auf Lager. Allerdings war ich gezwungen – na ja, mehr oder weniger, ich wollte ja fertig werden – die frisch genutzte Stinkebude  direkt zu reinigen. Und sie hatte ihre Hinterlassenschaften nicht zugebuddelt. Ich meine noch, ihr hämisches Grinsen zu sehen, das sie aufgesetzt hatte, als sie abdrückte. Lilly hat nämlich auch die Angewohnheit, ihren Kopf beim Kacken immer aus der Klotür rauszuhalten. Kann ich verstehen, denn als ich mit dem Saubermachen begann, hüllte mich das unter der Haube gefangene Aroma frischen Ihrwisstschonwas ein. Atemberaubend.

Aber egal, ich habe gewonnen. Sie hat keines der frisch gereinigten Klos sofort wieder eingesaut.

Während ich hier jetzt auf dem Sofa hocke und quasi unmittelbar nach den bewegenden Ereignissen von selbigen schreibe, kommt Sally an und springt mir vor den Rechner. An ihrer Nase klebt was – frische Katzenstreu.

Drecksviecher!


Dienstag, 15. Januar 2013

Bananen

Mandy erzählt mir andauernd, daß Bananen glücklich machen sollen.

Gestern habe ich welche gegessen. Klappt auch nicht.



Böse Wörter

Es ist schon eine Weile her, daß uns der Herr Abteilungsleiter aus der Hauptverwaltung in unserem kleinen verträumten Büro besuchte und sich nach unserem Wohlbefinden erkundigte. Wir beklagten, daß uns die andauernde, nie endende Vertretung doch arg belasten würde.

Da unser Herr Abteilungsleiter aber ein schlauer Mensch ist, riet er uns dazu, doch nicht immer das Wort Vertretung zu verwenden. Das habe doch einen schlechten Beigeschmack, so daß man alleine dadurch doch schon negativ gestimmt sei.

Gut, wenn ein so hochbezahlter Beamter, der sicherlich nicht ohne Grund eine derartige Position innehat, einen weisen Rat gibt, dann werden wir ihn mal befolgen. Und so verwendeten wir fortan nicht mehr das böse Wort Vertretung.

Aber es erwies sich als unpraktisch, den Zustand nicht mehr beschreiben zu können. Also schufen wir eine neue Bezeichnung, die da lautete (Dauer-)Temporäre Umverteilung aller anstehenden Arbeiten auf alle Anwesenden. Froh gingen wir ans Werk und versuchten, glücklich keine Vertretung mehr machen zu müssen, sondern nur umverteilte Arbeit zu erledigen. Natürlich neben unseren eigenen, uns zugewiesenen Arbeiten.

Und nach einiger Zeit verfestigte sich die Erkenntnis:

Es hat nicht funktioniert. (Dauer-)Temporär auf alle Anwesenden umverteilte Arbeit zu erledigen, und das nahezu ohne zwischendurch mal Luft holen zu können, ist immer noch doof und führt zu bedenklichen Gemütslagen.

Aber wir haben wenigstens versucht, uns selbst zu verarschen beeinflussen. Ehrlich!



Lebensmüde

Heute war der Tag, an dem ich, nachdem ich den durchaus kapitalen Resten aus der nachweihnachtlichen Vertretung im Ansatz Herr geworden bin, mich so langsam um die liegengebliebenen Anträge und Knobelakten kümmern wollte. Oder besser musste, denn ich hätte im Moment lieber Masse erledigt. Aber man kann es sich nicht immer aussuchen, es gibt Leute, die warten auf ihr Geld.

Während ich mich gerade intensiv mit einer echt durchwachsenen aber nicht minder eiligen Akte beschäftigte, fing wieder der Telefonterror an: mehrfaches Klingeln bis zu Trennung durch die Telekom, Weiterleitung über unsere verschiedenen Telefonzentralen, Weiterleitung über Kollegen bis zum Zusammenbruch,  stets im knappst möglichen zeitlichen Abstand, erbarmte ich mich nach etwa 45 Minuten, in denen der Idiot am anderen Ende der Leitung wirklich nichts anderes versucht haben konnte als mich aufgrund eines wie auch immer gearteten und für ihn wohl höchst dringlichen Anliegens fernmündlich zu erreichen, und ging ans Telefon. Und das überaus genervt, bis aufs Blut gereizt und sehr knapp angebunden.

Und wie vermutet, duldete das Anliegen der geschätzten Kundschaft wiederum keinerlei zeitlichen Verzug, ging es doch tatsächlich um Leben und Tod. Um MEIN Leben und SEINEN baldigen Tod, wenn er jetzt irgendetwas Doofes gesagt hätte, z. B. so in Richtung von „na, aufgewacht“. Ehrlich, in dem Moment hätte ich „Nein, war nur ein Versehen.“ gesagt und hätte den Hörer wieder auf die Gabel geknallt. Leider bot sich mir nicht die Gelegenheit, diesen heimtückischen Plan umzusetzen.

„Guten Tag, hier Müllerschön. Ihre Kollegin hat von mir für meinen Antrag noch einige Unterlagen angefordert. Die habe ich jetzt kopiert hier liegen. Kann ich die auch persönlich vorbeibringen?“

WAAAAAAAHHHHH!!!


Rollator

In letzter Zeit bemühe ich mich ja, meine guten Vorsätze, keine Überstunden mehr zu verschenken (im letzten Jahr bin ich da locker auf dreistellige Werte gekommen), zumindest ein paar Wochen lang einzuhalten und mache früher Feierabend. Also nicht jetzt so früh, daß keine Überstunden mehr anfallen, aber eben nicht mehr so viele wie sonst. Bei sechs abwesenden Kollegen von elf, für die Vertretung in Frage käme, ist das doch wohl schon eine Leistung. Ich komme sogar einmal in der Woche erst um 8 Uhr zur Arbeit, weil ich vorher Sport mache. Aber nur noch, wenn ich an dem Tag das Auto auch mal haben darf. Danach jedenfalls habe ich keine Lust mehr, Bus zu fahren. Doch darum geht es jetzt gar nicht.

Jedenfalls ist es schon ziemlich ätzend, Busse ab Haltepunkt Neustädter Ländchen zwischen 15.30 und 17.30 Uhr nehmen zu müssen. Nicht so schlimm, wie zwischen 13.30 und 15.30 Uhr, aber deutlich schlimmer als zwischen 17.30 Uhr und Ende offen. Viel zu viele Schulkinder, irgendwelches Gesindel und sonstige seltsame Gestalten.

So habe ich jetzt schon wiederholt die Oma mit ihrem Rollator in meinem Bus gesehen. Sie trägt stets ein Pelzmäntelchen und eine dazu passende Kappe. Ob das Zeug echt ist, weiß ich nicht. Interessiert mich auch nicht. Aber es interessiert mich, daß sie regelmäßig mit ihrem scheiß Rollator so im Bus sitzt, daß sie selbigen – den Bus, nicht den Rollator - in zwei unpassierbare Hälften teilt. Nämliche die vordere, in der nur vereinzelte Fahrgäste sitzen, und die hintere, in der man sich gegenseitig die Füße plattsteht, weil man nicht zu den freien Plätzen in der vorderen Hälfte durchkommt. Denn der Rollator steht mitten im Gang und kann selbstverständlich, da er ja in ihrer Reichweite bleiben soll, auch nirgends anders geparkt werden.

Natürlich könnte man den da parken, wo die Kinderwagen und Rollstühle ihre Abstellfläche haben. Für unsere Busverweigerer: Da gibt es auch Sitzplätze, von denen aus man das Teil festhalten kann. Ohne Probleme. Aber nein, da setzt man sich nicht hin, sondern lieber auf eine Doppelbank in der letzten Reihe der vorderen Bushälfte und lässt den Rollator im Gang stehen. Keine Chance auf Durchkommen.

Ohne Zweifel ist diese Schnepfe sehr rücksichtsvoll und bietet an, eben Platz zu machen, wenn sie meint, daß jemand durchmöchte. Natürlich geht da kein Mensch drauf ein, denn man kennt die Schnepfe und weiß daher auch um das Drama, das sich jedes Mal beim Aussteigen abspielt. Ein Busfahrer mit Verspätung beißt da regelmäßig ins Lenkrad, weil er nur durch diesen Aussteigevorgang weitere zwei Minuten Verspätung reinfährt. Während der Fahrt ist die Annahme, daß die Schnepfe es irgendwie geregelt bekommen würde, da Platz zu machen, daher völlig abwegig.

Es gibt natürlich noch den Plan B, an der nächsten Haltestelle auszusteigen und vorne wieder reinzukommen – aber wehe, der Busfahrer hat es eilig. Und das hat er um diese Uhrzeit eigentlich immer, denn da gibt es so was wie Pünktlichkeit nicht.

Egal, es gibt Schlimmeres: zum Beispiel Muttis mit Doppelkinderwagen im Berufsverkehr. 



Samstag, 12. Januar 2013

Begegnung im Schwarz-Markt

Nachdem ich heute Morgen noch etwas uninspiriert meinen Einkaufszettel geschrieben habe, begann die übliche Suche nach dem KfZ-Schein – heute leider ohne Ergebnis, denn an den gängigen Versteck… ähm Stellen  fand er sich nicht. Na gut, dann muß es eben ohne gehen. So weit würde die Tour nicht werden, heute mußte ich nur zum Schwarz-Markt.

Immerhin herrscht heute meine bevorzugte Wetterlage vor: eine schöne, trockene Kälte mit angemessenen Minusgraden bei strahlendem Sonnenschein.

Es war etwas voller als üblich, aber ich war ja auch später dran. Einen Angebotsartikel von Donnerstag habe ich nicht mehr bekommen, aber auch damit würde ich fertig werden. Ansonsten verlief alles ziemlich ereignislos.

An der Kasse wurde ich auf einmal von der vor mir stehenden Dame freundlich gegrüßt. Hmmm, es ist doch schön festzustellen, daß meine Zahnärztin mich auch außerhalb der Praxis erkennt und sich sogar an meinen Namen erinnert. Wie sehr einfache Dinge doch stimmungsaufhellend wirken können… Allerdings war mir der Vergleich der Inhalte unserer Einkaufswagen doch schon etwas unangenehm. In meinem befand sich ein abgespeckter Wocheneinkauf mit den üblichen Dingen, welcher natürlich auch das ganze ungesunde Zeug enthält. Aber keinen zahnschädigenden Naschkram! Und bei ihr gab es eine – wenn auch sehr übersichtliche – Wagenladung Frischgemüse und Obst. Sonst nichts. Klischee erfüllt.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß mein Wagen auch nicht ganz von Obst und Gemüse befreit war! Da lege ich jetzt bitte mal Wert drauf. Und es wäre sogar noch etwas mehr gewesen, wenn die Qualität des Angebotes gestimmt hätte. War aber nicht ganz so toll heute.

Und wieder wurde ich mir eines Phänomens bewusst. Nämlich dem Umstand, daß Personen, welche man sonst immer in „Uniform“ sieht, also seine diversen Ärzte, Trainer und höherrangige Vorgesetzte aus der Schlipsträgerklasse, in ihren Freizeitklamotten auf einmal ganz fremd wirken. Hin und wieder sieht man den einen oder anderen ja doch mal privat. Und ich gebe durchaus zu, daß ich meine ehemalige Chefin gerne mal dabei beobachtet hätte, wie sie in Jogginghose und T-Shirt mit dem Staubsauger kämpft.



Freitag, 11. Januar 2013

Karriereweib

Heute durfte ich während des Wartens auf meinen Bus dem nachstehenden Monolog einer jungen Mutter folgen, den sie einer weiteren jungen Mutter gegenüber hielt:

„Da taucht auf einmal eine SMS auf mein Handy auf, die ich seit 5 Jahren oder so nicht mehr gesehen habe. Auf mein Handy sind 400 SMS die ich alle da lasse. Zur Absicherung, man weiß ja nie. Schön, daß du nach Großkleinstadt kommst. Wir mischen die da unten mal richtig auf. Alles Bauers da. Nur Bauers. Können nicht mal richtig Deutsch. Die sagen BIN AM PAUSE statt IN DER PAUSE. Alle. Voll die Bauers. AUF DIE MELADIVEN. AUF MALLE. Aber IN DER PAUSE. Und immer GELL am Ende. Ich muss die mal fragen, ob die nicht das schöne Wort OK kennen.

Bei dem Laden will ich eigentlich nicht bleiben, aber wenn ich noch ein halbes Jahr durchhalte, macht mein Chef mich zum Teamleiter, dann nehmen die mich woanders mit Kusshand. Ich will ja beim Starbucks anfangen. Die bezahlen besser. Und ich hab Personalverantwortung als Teamleiter. Dann muß ich denen nur sagen, wie sie den Kaffee ordentlich machen, obwohl ich das selber nicht kann. Voll genial.“


Sonntag, 6. Januar 2013

Sonntagmorgen

Wachwerden, Aufstehen, Bettwäsche abziehen, Matratze zum Auslüften aufrichten, Kopfkissen waschen, Spülmaschine leeren, Spülmaschine füllen, Katzen versorgen, ausziehen, Duschen, anziehen, Sporttasche packen, Kfz-Papiere suchen, den örtlichen Briefkasten besuchen, eine große Runde durch den Sporttempel machen, Kopfkissen in den Trockner werfen, Oberbett in die Waschmaschine stecken, Cannelloni für die Frau Gräfin einfrieren, Spülmaschine nochmal umräumen und weiter befüllen, ein Häppchen essen, die weinende Smilla trösten (die böse Mama liegt ohne sie im Bett und hat auch noch die Tür hinter sich geschlossen), Sally mit einer phaserförmigen (Star Trek, klassische Serie) Wasserpistole bedrohen (Katze knatscht rum, weil sie nicht auf mir in meinem Bett pennen kann), Marty bespaßen, Lilly ignorieren (weiß nicht, ob sie zur knatschenden Smilla oder zum gelangweilten Marty will, obwohl sie an sich doch gerade mit dem Papa kuscheln möchte, der sie gerade angeschimpft hat, weil sie nicht freiwillig aus dem Schlafzimmer rauswollte), Sporttasche leeren, die Flasche mit den Resten des isotonischen Wiederbelebungsgetränks in der Geschmacksrichtung Kaktusfeige weiter leeren (ohne wiederbelebt zu sein), Facebook-Eintrag schreiben und gleichzeitig E-Mail absenden, mit Schrecken einen Blick auf den Zettel mit der Muß-ich-heute-noch-machen-Liste werfen, den Zettel gedanklich in einen Hatte-ich-heute-eigentlich-noch-vor-zu-machen-Zettel abändern, mit Schaudern an die Suche nach dem Schrottwichtelgeschenk für Mittwoch denken, Getränke in den Kühlschrank legen, Kfz-Papiere wieder an meine Angetraute abdrücken, Flasche weiter ohne nennenswerte wiederbelebenden Erfolge leeren, von Lilly mit frischem Thunfischfutteratem anrülpsen lassen (die Kleinen sind ja alle so niedlich), an die fünf oder sechs uralten Necron-Modelle denken, welche noch als Folge eines Handels von mir bemalt werden müssen, Lilly betutteln, die sich jetzt in meine auf dem Sofa liegenden Kniekehlen eingerollt hat und mit sich und der Welt zufrieden brummt, Sallys Schlafgeräusche (Mischung aus Schmatzen, Stöhnen und Schnarchen) überhören, den Schmerz von Lillys Treteln ignorieren, der mich gerade – verursacht durch eine liebevoll in meinen linken Fuß gedrückte Kralle - durchströmt, Facebookeintrag beenden.

Sonntagmorgen bei mir zu Hause. Und es ist gerade erst zehn Uhr durch.





Gruß aus der Küche - Cannelloni mit dreierlei Käse

Zuweilen frage ich mich, ob die Herr- und Damenschaften, welche ihre Rezepte auf den verschiedensten Wegen dem Rest der Menschheit zukommen lassen, selbige überhaupt mal ausprobiert oder ob sie nur von jemand anderem abgeschrieben haben. Meine Erfahrung sagt: Da lag wohl kein Test vor! Zumindest nicht bei unserem heutigen Rezept.



Heute haben wir uns an Cannelloni begeben. Genau wie die Lasagne in der vegetarischen Darreichungsform, bloß dieses Mal in der leckeren Variante. Aber weiterhin mit ohne Fleisch. Umständehalber habe ich das Volumen der Füllung etwas erhöht, es waren noch Reste zu verwerten. Dennoch kam es zu dem Effekt, daß der Eimer an Tomatensoße, welche zur weiteren Verarbeitung für die Cannelloni gekocht werden sollte, trotz Erhöhung der Anzahl der verwendeten Cannelloni, zu selbigem in keinerlei Verhältnis stand. Mit dem Rest der Soße werden wir demnächst zwei mit Pizzateig belegte Bleche bestreichen.

Nachtrag: Nach der Pizza haben wir am darauffolgenden Tag auch noch drei Portionen Nudeln mit Soße versorgen können.

Dieses krasse Missverhältnis muß der ursprüngliche Autor doch bemerkt haben. Müsste jedenfalls. Eigentlich. Hat er aber nicht. Peinliche Vorstellung.

Die nachfolgende Beschreibung wurde von mir daher mit geeigneteren Mengenangaben versehen.

An sich wollte ich die Cannelloni ja zumindest schon vorbereitet haben, wenn die zweitbeste Ehefrau von allen von ihrer Trainerschule nach Hause kommt. Dummerweise wähnte ich, daß der Unterricht eine Stunde länger dauerte, als dies tatsächlich der Fall war. Also war ich natürlich noch nicht fertig. Ich hatte ja noch nicht mal angefangen, irgendetwas in der Richtung zu machen. An sich sollte das kein Problem sein, denn bevor sie heute Morgen das Haus verlassen hatte, habe ich noch gefragt, ob das Essen bei Ihrer Heimkehr fertig sein sollte, was sie eindeutig verneinte.

Tja, und dann hatte sie wohl doch Hunger und vom Unterricht aus eine SMS an mich geschickt, welche diesen Umstand doch recht eindeutig zum Ausdruck brachte. Unglücklicherweise hat meine Angetraute dabei nicht bedacht, daß der Versuch, mich über das Handy zu erreichen, zu den üblicherweise am wenigsten erfolgversprechenden Tätigkeiten zählt, wenn ich nicht gerade im Büro bin. Denn da steht das Teil – zwar auf lautlos geschaltet, aber immerhin in Sichtweite – auf meinem Tisch. Dies allerdings mehr mit dem Hintergrund, ständig eine Uhr im Blick haben zu wollen, und weniger, um erreichbar zu sein.

Außerhalb des Büros gestaltet sich die Sache schwieriger, denn da brauche ich das Teil nicht, um eine Uhr sehen zu können. Wir sind durchaus stolze Besitzer mehrerer Uhren, welche hier verteilt an der Wand hängen, auf Schränken oder Regalen stehen oder in modernen Rundfunkempfängern verbaut wurden. Und die ständig aktivierte multimediale Hochleistungselektronik, kurz auch Laptop genannt, zeigt stets treu und brav die zutreffende Uhrzeit an. Also verbringt mein Handy meine Freizeit meistens immer noch auf lautlos gestellt still und leise in meiner Jackentasche. Pech für meine Angetraute. Sie fragte mich anschließend, warum ich denn wohl überhaupt ein Handy habe. Wahrheitsgemäß wusste ich nur zu antworten: „Weil du es so gewollt hast.“

Also wurde ich von der Heimkehr überrascht, als ich gerade sehr entspannt einen Kulturfilm angesehen habe, den ich aufgrund der Umstände leider nur bis zu Hälfte sehen konnte. Das war gerade der Moment, als die Guten, also die Amis, erkannt hatten, daß die Bösen, also die Außerirdischen, nach Hause telefonieren wollten und zu diesem Zweck Hawaii vom Rest der Menschheit isolieren und etliche andere von den Guten ausradieren mussten. Kann ich verstehen, ich mag auch nicht, wenn mir jemand beim Telefonieren zuhört. Ich mag es ja noch nicht mal, überhaupt zu telefonieren, aber es lässt sich ja nicht immer umgehen.

Jedenfalls begab ich mich brav in unseren Vorratsraum, klaubte alles zusammen, was ich benötigte, und begab mich ans Werk.

Zunächst erwärmte ich in einem Topf den Inhalt einer Packung Ricotta und gab noch die Reste aus einer bereits offenen zweiten Packung (Reste von der Lasagneproduktion) hinzu. Ich schätze das so auf 600 Gramm. In einem weiteren Topf erwärmte ich einen Liter passierte Tomaten (das Rezept und die Realität sahen jetzt zwei Liter vor, aber siehe oben), zerkleinerte eine große Zwiebel, würzte mit einer noch vorhandenen italienische Gewürzmischung (nein, keine Würzmischung, sondern eine Gewürzmischung, ist schon ein Unterschied – und nicht nur wegen des „Ge“s am Anfang) und etwas Instant-Gemüsesuppenpulver nach und ließ alles aufkochen.

Während des Aufkochens nahm ich 250 Gramm Parmesan und raspelte ihn klein, damit er in dem aufgewärmten Ricotta schmelzen konnte.

In Co-Produktion füllten Frauchen und ich 20 Cannelloni-Röllchen und verteilten selbige einschichtig auf zwei kleine Auflaufformen. Die Röllchen zu füllen war eine elende Matscherei, welche sowohl mit einem Löffel als auch später mit einem Spritzbeutel eigener Herstellung ausgeführt wurde. Achtet immer darauf, daß die Käsemasse schön warm ist, sonst wird das noch schwieriger.

Die Tomatensoße wurde anschließend über die Cannelloni gegeben; insgesamt fanden fünf Kellen Verwendung, eine sechste wäre noch drin gewesen. Mehr benötigt man nicht – und wieder erinnere ich an meine eingangs erwähnten Worte und freue mich auf die bald zu genießende Pizza. Als Deckschicht mussten je Form zwei Kugeln in Scheiben geschnittener Mozzarella herhalten. Hier hätte man noch mit Basilikum dekorieren können, aber es war keiner mehr vorrätig. Weder bei uns noch im Laden beim Einkaufen.

Die Auflaufformen wanderten für 30 Minuten bei 200 Grad in den Ofen. Das Ergebnis ist als durchaus lecker anzusehen.

Vergessen habe ich – wie mir gerade beim Schreiben auffällt – das Hinzufügen von 200 Gramm Paniermehl und etwas Muskat in die Käsemasse, aber ich glaube, wenn das Paniermehl da wirklich reingewandert wäre, hätte man die Röllchen nicht mehr so gut füllen können. Vermisst habe ich es beim Essen jedenfalls nicht. Und das war bestimmt nicht der entscheidende Punkt, der die Verwendung eines weiteren Liters Tomatensoße möglich gemacht hätte. Kann mir jedenfalls keiner erzählen.

Und hier nochmal die Zutatenliste:

20 Cannelloni-Röllchen
600+ Gramm Ricotta
250 Gramm Parmesan am Stück
4 Kugeln Mozzarella
1 Liter passierte Tomaten
1 Zwiebel
Gemüsesuppenpulver o. ä .
italienische Gewürzmischung nach Bedarf oder entsprechende Einzelgewürze
Muskat, Salz, Pfeffer nach Geschmack
200 Gramm Paniermehl, wer es mal testen möchte

So, und nachdem die zweitbeste Ehefrau von allen sich jetzt in Richtung Bett verzogen hat, werde ich mal prüfen, ob die Außerirdischen doch noch telefonieren konnten.

Na, wer weiß, wie der Film heißt? ET ist verkehrt, der war alleine und nicht auf Hawaii.



Freitag, 4. Januar 2013

Teamarbeit

Teamarbeit ist modern. Teamarbeit ist effektiv. Teamarbeit ist motivierend. Teamarbeit gleicht Stärken und Schwächen der Teammitglieder aus. Allen Ortes wird nur noch als Team gearbeitet. Die Definition eines Teams ist bekannt. Sie lautet:

Toll,
Ein
Anderer
Macht’s

Nur frage ich mich: Wieso bin ausgerechnet ich immer der Andere?


Mittwoch, 2. Januar 2013

Vom Fressen und Kotzen

Wie der aufmerksame Leser eventuell schon vermutet, ist die Stimmung im Büro - nun, sagen wir mal - nicht gerade die allerbeste. Nicht unbedingt zwischen den Kollegen, sondern eher wegen der herrschenden Zustände. Die üblichen Vorurteile gegen die Büroschlaffies aus dem öden öffentlichen Dienst werden bei uns sicherlich nicht bestätigt werden. Die negativen Elemente aus der privaten Wirtschaft haben uns längst erreicht, die positiven werden draußen gehalten, aufs Jahr gerechnet werden hunderte von Überstunden für lau und ohne jeglichen Ausgleich geleistet.

Ja, so etwas gibt es.

Nächste Woche  um diese Zeit wird eine stets wiederholte Aussage einiger meiner Kollegen und mir auf die Probe gestellt – und zwar die Behauptung „Ich kann nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte." Es wird hart werden, sehr hart. Aber wir stellen uns der Herausforderung und werden uns gegenseitig bei diesem bislang einzigartigen Selbstversuch unterstützen.

Zur Not untermale ich das Ergebnis, so ich es hier verkünden sollte, mit den Bildern von Lillys Erfahrungen mit den Meereskrebsen.


Dienstag, 1. Januar 2013

Gruß aus der Küche - Gemüselasagne

Es muss nicht immer Fleisch sein – dachte ich mir in meinem nicht mehr ganz so jugendlichen Leichtsinn. Also gab es Gemüselasagne. Um es vorweg zu nehmen: Doch, eine Lasagne muss immer mit Fleisch sein. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich waren uns einig. Die Gemüselasagne ist durchaus lecker, aber wir beide haben das Hack vermisst.



An Stelle der üblichen Bechamelsauce gab es eine Sauce aus etwa 600 g Ricotta, welchen ich erwärmte, damit er streichfähig wird. Diesen würzte ich mit ordentlich Petersilie und Schnittlauch sowie einem gehäuften Teelöffel Instant-Gemüsesuppenpulver nach.

In der Zwischenzeit hat meine Angetraute 1.200 g Champignons küchenfertig geschnippelt und angebraten sowie zwei Dosen Tomaten angewärmt und mit einer italienischen Kräutermischung gewürzt.

Die einzelnen Komponenten können durchaus nochmal mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt werden.

Die unterste Schicht der Lasagne bildete ein Teil der Ricotta-Sauce, auf sie gab ich Lasagneblätter, gefolgt von Champignons, geriebenem Käse und Tomatensauce. Alles nochmal wiederholen. Die oberste Schicht bildeten Lasagneblätter, Pilze, Ricottasauce und Reibekäse.

Die Lasagne wanderte bei 180 Grad für 45 Minuten in den Ofen.

Wie gesagt: Sie ist durchaus genießbar, aber irgendwie haben wir durch langjährige Prägung wohl eine abweichende Erwartungshaltung aufgebaut.

Hier die Zutatenliste:

600+ g Ricotta
1 Bund Petersilie
1 Bund Schnittlauch
1 TL Instant-Gemüsesuppenpulver
2 Dosen Tomaten (stückig)
1 Bund Basilikum bzw. italienische Kräutermischung
1.200 g Pilze
Lasagneblätter
400+ g Reibekäse nach Geschmack
Salz
Pfeffer