Montag, 31. Dezember 2012

Einsam auf deutschen Straßen

Um kurz vor sieben Uhr war ich heute wieder unterwegs auf Deutschlands Straßen. Es war ungewöhnlich ruhig, außer mir und einem Zombie hinter dem Steuer eines anderen Autos war echt nichts los. Da einige Discounter heute schon um sieben Uhr öffnen wollten, hatte ich mit mehr Verkehr gerechnet.

Der Zombie war es Schuld, daß ich an einer roten Ampel halten musste. Ansonsten war grüne Welle. Nachdem er sich dann vor mir in den nicht vorhandenen Verkehr eingereiht hatte, beschleunigte er auf sagenhafte 50 km/h. An dieser Stelle sind 70 km/h erlaubt! Wie praktisch, daß es hier zwei Spuren nebeneinander gibt…

Mein Weg führte mich in den Sporttempel. Auch hier Ruhe und Frieden. Die übliche Montag-Morgen-Truppe war noch nicht da, ich war einige Minuten wirklich alleine – abgesehen von der Dame an der Rezeption. Später tummelten wir uns zu Dritt. Eine sehr lauschige Sache.

Nachdem ich mit allem fix und fertig war, holte ich mir an der Rezeption das jährliche Weihnachtsgeschenk für die Mitglieder ab. Dieses Jahr gab es eine Sporttasche. Die hat zwar das gleiche Problem wie der Rucksack von letztem Jahr, nämlich daß sie für den vorgesehenen Einsatzzweck soweit es mich betrifft viel zu klein ist, aber man ist ja nicht so und nimmt, was man kriegen kann.

Und damit das hier auch ein Einkaufsbericht wird, begab ich mich anschließend todesmutig aber sportlich gestählt in Richtung Schwarz-Markt, um einige Brötchen und ein Brot zu erwerben. Und jetzt fragt mich mal, warum die Hütte schon um sieben Uhr geöffnet hatte? Ich weiß es nicht. Der Filialleiter hat mich zwar nicht persönlich mit Handschlag begrüßt, aber er hätte es tun können. Wir waren – ohne das Personal – zu viert in dem Laden. Eine Kasse hatte geöffnet, und nur ein Kunde war vor mir dran. Kein Vergleich zu dem Chaos von letztem Montag.

Sollte die Menschheit klüger geworden sein? Ich glaube ja nicht so richtig dran.



Lilly und die Meereskrebse

Lilly verträgt keine Meereskrebse. Auch nicht, wenn sie katzengerecht aufgearbeitet in Tetrapacks geliefert wurden. Bilder vom Ergebnis gibt es bei mir auf Anfrage.

Dann manche ich mich mal auf und entferne die Sauerei.


Sonntag, 30. Dezember 2012

Tea-Party

Für heute hatte ich mir vorgenommen, den Inhalt einiger Schränke und Regale in der Küche und im Esszimmer neu zu sortieren. Als einer der ersten Schritte war es erforderlich, die sich hier anfindenden Tee-Vorräte etwas zu bündeln, da unser einst dazu auserkorener Tee-Schrank in der Küche bereits überfüllt war.



Tja, was da so zusammengekommen ist, hat doch etwas mehr Volumen als angenommen. Und einiges an Extras wie verschiedene Zuckersorten und Zubereitungsfunktionswerkzeuge wollen auch noch untergebracht werden. Mein ursprünglicher Plan der künftigen Verstauung ist damit wohl hinfällig geworden.

Ich gehe jetzt mal in mich und lasse mir eine Lösung einfallen. Die amerikanische Variante von 1773 kommt aber keinesfalls in Frage. Meerwasser macht den Tee nämlich ungenießbar.




Weihnachten wird ab jetzt verschoben

Im Gegensatz zu letztem Samstag herrschte heute zwischen 8.00 und 9.00 Uhr friedliche Beinah-Normalität in unseren örtlichen Konsum-Tempeln. Allen Ortes Ruhe und Frieden. Fast so, wie Weihnachten an sich immer beworben wird. Aber das ist ja nun vorbei. Dabei könnte es jetzt so schön losgehen.

Die Preise für Weihnachtssüßwaren sind drastisch reduziert. Sogar Feinkost Albrecht entzieht sich dem nicht.  Und es gibt ja noch andere Abverkäufe, z. B. von Weihnachtskugeln. Man könnte glatt überlegen, die Weihnachtsfeierlichkeiten in der nächsten Saison etwas nach hinten zu verschieben, denn sein wir doch mal ehrlich: Würde es uns das was ausmachen? Oder müssen es ausgerechnet die drei tollen Tage sein?  Ich mag meine traditionellen weihnachtlichen Nougat-Happen auch sehr gerne, wenn in den Läden schon das ganze Fasschings-Fastnachts-Karnevalssortiment aufgefahren wird.

Dummerweise habe ja gerade keine Übersicht über den Gebrauchtmarkt für Weihnachtsbäume, aber ich glaube, mit etwas Bescheidenheit könnte man da sogar ein paar interessante Exemplare mit einer Lametta-Teildekoration günstig erstehen.

Da muß ich nochmal drüber nachdenken.



Freitag, 28. Dezember 2012

Zwischen den Jahren

Warum nennt man die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr eigentlich zwischen den Jahren? Egal, heute ist jedenfalls der erste Tag zwischen den Jahren, aber das macht es auch nicht besser.

Heute Morgen war ich wieder von alleine mehr als früh genug wach, um das kleine gemütliche Büro am Rande der Stadt aufschließen zu können. Es erwies sich zwar etwas anstrengend, doch noch etwas im Bett liegenzubleiben, denn ich wurde gleichzeitig von Sally, Lilly und Marty als Matratze oder Kopfkissen missbraucht, aber man gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran. Nicht weiter tragisch. Als besonderen Luxus gönnte ich mir heute mal die Benutzung des eigenen Autos. Auch nicht verkehrt.

Im Büro angekommen, gab es direkt den ersten Schock: Das Drecksprogramm läuft mal wieder nicht. Und schon zeigt sich, wie schnell man heutzutage matt gesetzt werden kann. Denn ohne diese blöde Technik kann man heutzutage noch nicht mal eine Akte in den Schrank hängen. Also bleibt nur zu improvisieren, um die Stunden bis zum Systemstart zu überbrücken. Auf meinem Arbeitsplan standen heute jede Menge der „Bodensatz-Akten“, also die richtig feinen Teile, die man am besten erledigt, wenn es ruhig und friedlich ist. Also zum Beispiel zwischen den Jahren.

Irgendwann lief das System wieder. Dann klingelte das Telefon. Nö, jetzt nicht. Ich hatte mich gerade in eine meiner Schätzchen eingelesen und wollte mich nicht durch ein Telefonat da rausreißen lassen. Doch die Kundschaft war hartnäckig und ließ es durchklingeln, bis die Telekom die Leitung trennte. Doch verflucht sei die Wahlwiederholung, denn sofort danach klingelte es vom gleichen Anschluss aus schon wieder. Nö, jetzt erst Recht nicht. Will der mich vom Klo holen oder was ist?

Das Spiel ging noch zwei Mal so weiter, dann war ein Augenblick Ruhe. Dann wurde das Telefonat aus der Telefonzentrale der LASA-Zentrale in der fernen Großstadt weitergeleitet. Nö, Freundchen, jetzt aber ganz bestimmt nicht. Aus meiner Konzentration war ich zwischenzeitlich raus, aber ich bin ich dann stur. Wenn jemand nicht bereit ist anzunehmen, daß es gerade mal aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist, ans Telefon zu gehen, dann mache ich zu. Sollte jemand nach zehn Minuten einen erneuten Anrufversuch unternehmen, gehe ich auch ran, aber so nicht. Muß ja unheimlich wichtig sein, wenn jemand so einen Aufstand macht, um sein Gespräch jetzt und sofort zu erzwingen.

Irgendwann gab dieser Mensch auf, um es nach einer Stunde erneut zu versuchen. Gut, die Anstandsfrist war abgelaufen, also ging ich ran.

„Hallo, Sie haben mir letzte Woche einen Brief geschrieben.“

Ach, SIE sind das. „Äh, ja, das ist möglich. Was kann ich da für Sie tun?“

„Ich wollte nur sagen, daß ich den gerade beantwortet habe und gleich in den Briefkasten werfe.“

Cool. Klar, superwichtig. Meine Stirn näherte sich wieder bedrohlich der Tischplatte. Das extrem bedeutsame Telefonat wurde dann auch zügig beendet, denn mehr wollte mir der Knaller nicht mitteilen. Auch seinen Namen hat er nicht genannt, ist aber auch egal. Er ist der einzige Mensch, dem ich im Büro Briefe schreibe…

Der Uhrzeiger näherte sich irgendwann der Feierabendposition. Ein Blick nach draußen verriet mir, daß die Menschheit ihre langweiligen, zu Weihnachten geschenkt bekommen Gutscheine unbedingt heute einlösen musste, bevor die Dinger blitzartig und vollkommen überraschend verfallen. Ist ja auch so eine Sache mit der Inflation, dem Euro und Griechenland.  Man weiß ja nie. Einen anderen Grund für eine derart volle Innenstadt und entsprechend auch eine gut bestückte Hauptausfallstraße ließ für mich jedenfalls keine andere Annahme zu. Leute, die Dinger halten ein paar Tage länger. Und Samstag, spätestens Montag sehen wir uns doch wieder beim Einkaufen. Das haltet ihr schon aus. Oder auch nicht. Offensichtlich.

Da ich heute aufgrund der Nutzung des Autos auch meine Sporttasche mitgeschleppt hatte, um nach Feierabend noch ein paar Leibesübungen durchzuführen – ich hatte so eine Hoffnung, daß es vor Ort noch relativ leer sein würde, schließlich war die Nation ja beim Gutschein einlösen und Dinge umtauschen – steuerte ich Balduin in Richtung Neustädter Außenstadt mit Zielrichtung Sporttempel. Und? Scheiße, da brannte der Baum. So im übertragenen Sinne. Der in der ersten Liga spielende Ballsportverein hat in der angeschlossenen Halle heute ein Heimspiel! Mist! Alles voll da draußen. Da bleibt nur eines: Steuer herumreißen und weg, so lange es geht.

Nein, heute war kein schöner Tag.


Mittwoch, 26. Dezember 2012

Gruß aus der Küche - Vegetarisches Fondue mit Fleischeinlage und Camembertkroketten

Weihnachten gab es bei uns Fondue. Das ist ja auch so eine Sache, an der sich die Geister scheiden. Und das sogar vierfach. Zunächst mal geht es um die Erwärmung der jetzt noch nicht näher definierten Lebensmittel. Eine Fraktion bevorzugt ein Fettfondue, die andere eines mit Brühe oder sogar mit Rotwein. Und dann muß man sich ja auch noch bei den zu erwärmenden Inhalten halbwegs einig sein. Fleisch oder was anderes? Gehen wir der Sache mal auf den Grund.


fertiger Broccoli in Backteig

Zu diesem Zweck bewegen wir uns in der Menschheitsgeschichte gaaaaanz weit zurück. Am besten in die gute alte Zeit, als der Mann seine künftige Frau mit einem gezielten und wohldosierten Keulenschlag umwarb und sie sodann in seine Eigentumshöhle schleppte. Richtig, wir nähern uns dem  Thema „Jäger und Sammler“. Frauen haben Lebensmittel auf- und eingesammelt. Da der Mensch seinerzeit wahrscheinlich schon eher selten Aas zu sich genommen hat, musste sich die Sammelleidenschaft der Frau, welche sich heute oftmals im Erwerb von Schuhen und Handtaschen auslebt, sinnvollerweise auf Früchte, Wurzeln und ähnliches Zeug beschränken. Der Mann hingegen warf sich heldenhaft noch lebenden Tieren entgegen, beförderte sie vom Leben zum Tode und anschließend in die Küchenhöhle zwecks weiterer Zubereitung.

Aufgrund dieser vor- und frühgeschichtlichen Erkenntnisse vertrete ich die Theorie, daß Frauen mit ihre Vorliebe zu botanisch mehr oder weniger wertvollen Nahrungsmitteln seit dieser Zeit kulturhistorisch eingebrannt bekommen haben, ebenso wie gewöhnliche Männer ihre Vorliebe für totes Tier.

angerichtete Camembertkrokette an BBQ-Sauce, Indischer Sauce und Currysauce

Wenden wir uns nun wieder dem Fondue zu. Man kann es also derart gestalten, daß man unter Verwendung von Grünfutter eine Brühe ansetzt und darin unter sachgerechter Nutzung von Fonduegabeln oder Teesieben (im Format „für Teekannen geeignet“) verschiedene Gemüse gart und später mit einer Vielzahl von Saucen geschmacklich aufbessert. Oder man bereitet ein männliches Fettfondue, in dem verschiedene erlesene Fleischsorten unter Nutzung einer oder mehrerer Fonduegabeln gegart werden. Dabei muß deren  Innenleben natürlich roh und blutig bleiben, so daß sich auf dem Teller – vorausgesetzt, es werden zur geschmacklichen Verfeinerung nur Salz und Pfeffer verwendet, wie es sich gehört – schließlich eine erlesene Mischung aus noch flüssigem, warmen Fett, Fleischsaft, Salz und Pfeffer bildet, welche man(n) als kulinarischen Höhepunkt unter Zuhilfenahme eines Stückes Brot aufnimmt. Puristen bevorzugen es, den Teller direkt an den Mund zu nehmen und den leckeren Saft ohne weitere Umwege und geschmackliche Verfälschungen zu genießen. Wenn da nicht die Kultur im Wege stehen würde…

in Backteig gebadeter Champignonkopf

Nun gebietet es die zivilisatorische Weiterentwicklung des Menschen als solchen, daß eine gemeinsame und für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden wird. Und das ohne Nutzung der eingangs erwähnten Keule. Beim Grillen funktioniert es ja auch, und dankenswerterweise hörte ich von der zweitbesten Ehefrau von allen noch nie den Satz „Ja, lass uns grillen. Ich möchte endlich wieder einen Salat essen.“ Aber das ist ein anderes Thema. Wir einigten uns jedenfalls dieses Mal auf ein Fettfondue. Aber vegetarisch. Und damit es nicht so eintönig wird, auch mit Fleisch.

Zum Fleisch möchte ich mich jetzt nicht weiter äußern. Jeder Fondue-Amateur, ja selbst der blutige Anfänger wird diese Sache schon intuitiv geregelt bekommen. Fleisch war also da, Pfeffer und Salz auch. Dazu kam Gemüse in Form von Broccoli, Blumenkohl, Kartoffeln, Champignons und Paprika. Entsprechend portioniert wurde selbiges auch aufgespießt und frittiert. Unter Weglassen der Kartoffeln klappt das übrigens auch mit einem Fondue auf Brühebasis. Allerdings werden die Einzelteile dann zuvor in noch kleinere Teile zerlegt und – wie bereits erwähnt – in größere Teesiebe gepackt und auf diese Weise gegart. Als Schmankerl gab es dann noch Haloumi-Käse, der sich mit etwas Geschick ebenfalls unter Nutzung einer Fonduegabel  erwärmen lässt.

zerteilter Broccoli im Backteig an Knoblauchsauce der Art "Vampirjäger"

Als Variation für die kartoffellose Gemüseauswahl bereitete die Angetraute einen Ausbackteig, indem sie 220 g Mehl, 100 ml Milch, 2 TL Backpulver  und zur weiteren Verflüssigung rein nach Gefühl Mineralwasser verrührte. Der Teig darf nicht zu dünn werden. Etwas Würzung  verträgt der auch ganz gut, ansonsten ist auf dem Teller Nacharbeit angesagt.

Die weitere Sonderzubereitung bestand in der Herstellung von Camembert-Kroketten. Hierzu nehme man einen Camembert, den man entrinden sollte, aber nicht muß. Es ist Geschmackssache. Der Käse muß schön zerdrückt und mit 50 g Creme fraiche, 100 g abgetropften Speisequark, 50 g weicher Butter, 30 g Speisestärke, 20 g Weizenmehl und 2 Eigelb zu einer homogenen Masse verrührt werden. Dies kann gfs. auch unter Nutzung eines Wasserbades geschehen, klappt aber auch ohne ganz gut. Die Würzung erfolgt mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver und Muskat. Diese darf ruhig etwas kräftiger ausfallen.

zerteilte Camembertkrokette

Die Masse sollte anschließend im Kühlschrank heruntergekühlt werden, bis sie eine Festigkeit erreicht hat, mit der sie zu kleinen Kroketten geformt werden kann. Diese sind dann zu panieren. Da wir dem Zusammenhalt während des Frittiervorgangs nicht trauten, gaben wir unsere Kroketten in die Teesiebe und frittierten auf diese Weise.

Angelesen hatten wir uns ebenfalls, daß sich auch zuvor gekochte, nicht ganz so voluminöse Tortellini ganz gut in einem Fettfondue machen sollten, aber aufgrund der so langsam zu unübersichtlichen Massen anwachsenden für das Fondue zu verwendenden Vorräte verschoben wir einen entsprechenden Test auf ein anderes Mal.

Der wahre Genießer trinkt dazu – nein, keinen Wein, und Bier mag ich auch nicht – ein Mischgetränk, welches zu meinen Jugendjahren in meinem Bekanntenkreis in leicht abgewandelter Form Standard auf unseren Kellerpartys war: Coca Cola, eine leckere Top Star-Cola light aus dem Hause Albrecht, alternativ auch die Variante vom Schwarz-Markt oder irgend eine andere Cola-Variante, die aber nicht geschmacklich verändert worden sein soll, wie z. B. eine Vanilla- oder Cherry-Cola. Denn das machen wir selber, indem wir die wirklich kalte Cola mit einem säuerlichen Apfelsaft strecken. Das Mischungsverhältnis sollte etwa zu gleichen Teilen Cola und Apfelsaft bzw. zwei Teile Cola und ein Teil Apfelsaft betragen. Ein weiteres Ansäuern mit etwas Zitrone bereichert das geschmackliche Erlebnis. Seinerzeit gaben einige Hartgesottene noch einen Teil Fanta Orange dazu, aber das war nicht so mein Fall, obwohl: ausspucken musste man das auch nicht.

Es ist hier wirklich wichtig, daß der Apfelsaft eine saure Note hat. Die Sache funktioniert nicht mit jedem Apfelsaft, wie ich immer wieder erfahren muß. Ich bevorzuge den Apfelsaft aus dem Tetra-Pack von Albrecht.

Und hier nochmal die Zutatenliste der Camembert-Kroketten:

1 reifer Camembert
100 g abgetropfter Speisequark
50 g Crème fraiche
50 g weiche Butter
30 g Stärkemehl
20 g Weizenmehl
2 Eigelb
Pfeffer, Salz, Paprikapulver, Muskat

PS: Ich habe auch schon mal an einem richtigen Männerfondue-Abend teilgenommen. Zu dritt vernichteten wir ein Fleischgebirge und drei Pakete Toastbrot, während wir am Computer den Klassiker Hanse spielten. So überflüssiges Zeug wie Salate und andere Beilagen kamen uns nicht oder nur in Alibiportionen auf den Tisch. Ist lange her, das war so Anfang der 90er. Der Abend war legendär, wenn ich mal so aus einer bekannten Fernsehserie zitieren darf.


Weihnachtsrätselhaftes

Weihnachten, die Zeit der Familie, Besinnlichkeit, fröhlichen Kinderlachens – und was man sonst noch so darüber schreibt. Ihr kennt das ja. Ich bin ja nun nicht soooo der Familienmensch, aber es gibt nun mal das eine oder andere Datum im Kalender, zu dem ich mich gewisser familiärer Verpflichtungen nicht entziehen kann. Gestern war es wieder soweit.

Wenn die zweitbeste Ehefrau von allen und ich meine Schwiegereltern  in einer derart hochoffiziellen Mission heimsuchen, beginnt dieses zumeist vormittags zum Brunch. Also waren wir bereits am frühen Vormittag – manche würden noch Morgen sagen – des Heiligen Abends unterwegs. Wir kamen auf dem Weg an unserem örtlichen Groß-Supermarkt, meinen treuen Lesern als falsch geschriebener Onkel Tom bekannt, vorbei. Erwartungsgemäß war der Parkplatz schon prall gefüllt, denn arme verzweifelte Ehemänner mussten mit ihren hektischen Frauen die letzten dringlichen Einkäufe erledigen, die man scheinbar nicht auf die ruhigeren Tage vorverlegen konnte. Dazu gehört offenkundig ebenfalls die Ergänzung des heimischen Getränkevorrates, denn auch der angeschlossene Getränkemarkt drohte von Kunden überrannt zu werden. Oh Mann, wir leben im dritten Jahrtausend. Wann wird endlich mal etwas erfunden, was Getränke über einen längeren Zeitraum als ein verlängertes Wochenende frisch hält? Es ist doch echt unzumutbar, das alles immer auf dem letzten Drücker besorgen zu müssen.

Bei meinen Schwiegereltern angekommen fanden wir mit knapper Not einen Parkplatz. Alles war bereits von Besuchern oder Anwohnern zum Zwecke der Reservierung für noch erwartete weitere Besucher reserviert. Meinem Schwiegervater ist es leider nicht gelungen, gleiches noch rechtzeitig in die Wege zu leiten, aber wie gesagt: Es fand sich noch ein Platz.

Beim Brunch fiel meiner Angetrauten auf, daß sie einige für die weitere vorgesehene Tagesgestaltung fest eingeplante Gegenstände in einem Rucksack zu Hause vergessen hat. Da ich zwischenzeitlich eine gewisse Erfahrung mit derartigen Situationen gewonnen habe, auch hier wird der treue Leser sich vielleicht erinnern, machte ich mich nach dem Brunch wieder auf den Weg nach Hause, um besagten Rucksack zu holen.

Wieder kam ich beim Onkel Tom vorbei. Es war erschreckend. Der Parkplatz ist dem potentiellen Einzugsgebiet des Ladens entsprechend angemessen groß. Richtig groß. Und er war voll. Richtig voll. Es gab einen Rückstau verzweifelter Parkplatzsucher und potentieller Last Minute-Kunden bis in den vorgelagerten Kreisverkehr. Unglaublich! Da wird die sich nähernde Abendveranstaltung für die Einkaufenden bestimmt eine tiefenentspannte Angelegenheit.

Nun drängte sich mir folgende Frage auf: Wo kommen die ganzen Autos her? Wo sind die an anderen Tagen? Handelte es sich um Zugereiste aus jetzt leerstehenden Wohngebieten, die ich auf meinem Weg noch nicht entdeckt hatte? Waren es all jene, für die Anwohner anderen Ortes bereits frühzeitig Parkplätze zugestellt hatten?

Passender Weise hatte ich während meines zweiten Anlaufs in Richtung schwiegerelterlicher Heimstatt das Autoradio an. Der Außenreporter in wichtiger Mission vermeldete gerade, daß in der Neustädter Innenstadt alles unerwartet ruhig und gelassen vor sich ging. Man findet einige bummelnde Passanten und wenige übliche Verdächtige auf der Suche nach den letzten Geschenken, aber das war es auch.

Nun, ich habe da einen Verdacht, wo die vermissten Menschenmassen sich herumgetrieben haben…





Sonntag, 23. Dezember 2012

Weihnachtsstimmung

Dem angekündigten Weltuntergang entkommen drohte heute neues Ungemach: der letzte Einkauf vor Weihnachten. Selbstverständlich  sollte auch dieser wieder in aller Frühe stattfinden. Die zweitbeste Ehefrau von allen wollte es sich nicht nehmen lassen, mich zu begleiten und stand auch pünktlich bereit zum Abmarsch. So begaben wir uns in die Welt des Konsums.

Hach, wie war allen Ortes die vorweihnachtliche Freude zu spüren. Überall tummelten sich innere Glückseligkeit ausstrahlende Kunden, die sich anlächelten, gegenseitige Rücksichtnahme zeigten und ein paar freundliche Worte wechselten. Verkäuferinnen gingen fröhlich vor sich hin summend ihren Tätigkeiten nach, waren hilfsbereit, umsichtig  und geduldig, und alle Kassen waren geöffnet.

Die Anwesenden waren mit sich und der Welt zufrieden, und von keiner Seite hörte man kritische Worte über zu dunkle Brötchen oder noch nicht oder nicht mehr vorhandene Artikel. Schon der Gedanke an im Weg stehende Wagen mit Warenpaketen, welche des Einräumens in die Regale und Truhen harrten, verbot sich von selbst, und auch der leise im Hintergrund wahrnehmbare Klang von Glocken entpuppte sich nicht als in eine aufgrund eines Defektes im Endloslauf befindliche Meldung eines Brotbackautomaten, welche die Fertigstellung seines Programmes verkündigte wie einst die Engel die Geburt des Erlösers. Nein, so einen Unsinn kann man doch an einem solchen schönen Vorweihnachtstag nicht erleben.

Entspannt schoben wir unseren Einkaufswagen durch die Gänge und erledigten unsere Einkäufe in dem Wissen, daß wir an der Kasse ehrfurchtsvoll vorgelassen werden würden, denn schließlich gehöre ich zu jenen wenigen, welche regelmäßig zu dieser frühen Uhrzeit einkaufen und bin keiner von denen, die sich nur zu besonderen Gelegenheiten so früh in die Läden quälen. Dieser Umstand hatte uns natürlich ein gewisses Vorrecht eingeräumt, welches von den anderen Kunden und dem Ladenpersonal anstandslos anerkannt wurde.

Man räumte uns den Weg zur Kasse frei, so daß wir ohne viel Aufwand direkt die erlesenen, mit günstigen Preisen versehenen Waren auf das Band legen konnten. Schnell wurde gescannt und kassiert, und niemand stand am anderen Ende des Kassenbandes und erklärte, seine 25 eingekauften Artikel ohne Wagen und Taschen mitnehmen zu können oder versperrte am anderen Ende der Kasse mit seinem eigenen Wagen und den beiden begleitenden Kindern derart unseren Weg, daß selbst das Umladen der Einkäufe vom Kassenband in den Wagen zu einem Problem werden würde. So etwas geschieht nur in bösen Phantasien derjenigen, die froh sind, wenn Weihnachten und alles was damit zusammen hängt wieder vorbei ist.

Wunderbare Weihnachtszeit. Eine Zeit, zu der viele Märchen erzählt werden. Dieses hier begann mit dem zweiten Absatz…



Weltuntergang

Alle reden vom Weltuntergang. Ich auch.

Die Welt ist gestern also doch nicht untergegangen. Dies fiel mir erstmalig auf, als ich heute Morgen so gegen 3.00 Uhr wieder wach in meinem Bett lag und über allen Unbill unserer Gegenwart nachdachte.

Ich wollte dem Weltuntergang noch eine Chance geben, denn schließlich war unser Planet noch nicht vollständig im Heute angekommen. Die Amerikaner hinken bekanntlich in vielen kulturellen Dingen dem zivilisierten Mitteleuropäer hinterher, so auch mit der Zeit. Also harrte ich weiter  der angekündigten Ereignisse, denn vielleicht war der Weltuntergang ja amerikanisch orientiert. Das sieht man ja auch immer in den einschlägig bekannten Filmen. Wenn es einen Weltuntergang gibt, findet der in Amerika, bevorzugt in New York, statt. Auch schon mal in Japan, obwohl er dort meistens von Godzilla aufgehalten werden kann.

So gegen 7.00 Uhr entschloss ich mich anzunehmen, daß die CIA, Godzilla und die X-Men ihren Job gemacht haben und der Weltuntergang wohl doch noch länger  auf sich warten ließe. Heute jedenfalls würde er nicht mehr stattfinden. Ich vermutete, daß die Maya keinen so läppischen Fehler begehen würden wie z. B. ein vergessenes Schaltjahr. Da ich keine Zeit hatte, auf den nächsten  mir bekannten Weltuntergang im Jahr 2076 zu warten, verließ ich schließlich meine heimelige Bettstatt.

Kurz überlegte ich, dem drohenden Ausfall des Großereignisses doch noch entgegenzuwirken, indem ich das Smartphone der zweitbesten Ehefrau von allen verstecke. Der sich damit anbahnende neuerliche Anlauf eines Weltunterganges hätte aber nur einen begrenzten Effekt gehabt. Genauer gesagt hätte er zunächst meine Angetraute und dann in Randzonen auch  mich erwischt. Unsere unmittelbare Nachbarschaft hätte dieses hochdramatische Ereignis wohl nicht mehr als solches wahrgenommen und auch diesen Weltuntergang anstandslos überstanden. Da mein Interesse an einem regional begrenzten Weltuntergang eher mäßig war, nahm ich von dem Gedanken wieder Abstand und beschloss, mich den Herausforderungen des Tages zu stellen.



Dienstag, 18. Dezember 2012

Die Schulhefte des Herrn Fröhlich (5)

Herr Fröhlich wurde natürlich auch zu einem Sprachtest eingeladen, welchen er – wen wundert es – mit Bravour bestanden hat.

Nun denkt man sich, daß nun doch alles soweit klar und schnell erledigt sei. Der Mann hat einen urdeutschen Namen, spricht und schreibt Deutsch, er kam aus einem deutschen Siedlungsgebiet. Aber die Realität sah anders aus.


Zwingende Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum deutschen Sprach- und Kulturkreis im Sinne des anzuwendenden Gesetzes ist, daß die Muttersprache (nein, nicht im Wortsinn zwingend die Sprache der Mutter) Deutsch war und diese im elterlichen Haushalt zwar nicht ausschließlich, aber überwiegend gesprochen worden sein mußte. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Magiarin. Im elterlichen Haushalt sprach man ausschließlich die Landessprache. Deutsch hat Herr Fröhlich nicht als Muttersprache gelernt, sondern als Fremdsprache in der Schule. Aus. Vorbei. Nichts geht mehr.

Herr Fröhlich wurde nicht als zum fraglichen Zeitpunkt zum deutschen Sprach- und Kulturkreis zugehörig anerkannt. Es fand ein gerichtliches Verfahren statt, welches unsere Auffassung bestätigte. Im Alter von 86 Jahren starb Herr Fröhlich schließlich in Israel, ohne eine Entschädigung von uns erhalten zu haben.


Die uns zugesandten Hefte waren zu schön und es steckte zu  viel Arbeit und Herzblut in ihnen, um sie in der Akte verschwinden und später vernichten zu lassen, zumal diese Hefte mit der Bearbeitung des Falls und der Entscheidungsfindung nichts weiter zu tun hatten. Sie verdienten es, aufbewahrt und in Ehren gehalten zu werden. Eines der Hefte erhielt eine meiner Kolleginnen, die es fachgerecht binden ließ. Das zweite Heft erhielt ich. Bis heute bewahre ich es in unverändertem Originalzustand auf. Immer wenn ich es sehe, muß ich an die Geschichte des Herrn Fröhlich denken, welche mich stets aufs Neue anrührt.

Ihn und seine Schulhefte werde ich nie vergessen. Doch auch die Geschichte dieses Menschen, der auf seine persönliche Weise sein Glück gefunden hat, wird irgendwann im Strom der Zeit unwiederbringlich verloren gehen. Und dann wird es wahrscheinlich mal soweit sein, daß jemand in meinem Nachlass ein in akkurater Schrift voll beschriebenes Schulheft findet, auf dessen Außenhülle ein paar hebräische Schriftzeichen zu prangen. Dieser Jemand wird nichts damit anfangen können und das Heft in den Papiermüll werfen.

Schade eigentlich.

 
(Ende)



Die Schulhefte des Herrn Fröhlich (4)

Der Brief war noch nicht beendet und wurde wie folgt fortgeführt:

„Sehr geehrter Herr Vorsitzer!

Mein Vormund (gemeint war der Anwalt, Anmerkung von mir) hält mich seit langem nicht auf dem Laufenden. Höchstwahrscheinlich hat er nichts Erfreuliches mitzuteilen. Jahraus, jahrein wiederholt er ein- und dasselbe: „Diese Sache ist nicht so einfach, wir müssen geduldig warten und nicht voreilig sein.“ Eben diese Unklarheit bewegte mich, Ihnen zu schreiben. Andererseits finde ich meinen Vormund unaufrichtig. Ich bin 73 Jahre alt und jeder Tag, den ich aufwache, ist für mich ein Geschenk. Die Möglichkeit ins Jenseits abgerufen zu werden, reift unaufhaltsam heran. Das Schicksal hat es zeitlebens gut mit mir gemeint. In Kriegszeiten schwebte ich etliche Male zwischen Tod und Leben, blieb jedoch verschont, heil und unversehrt.

1962 beteiligte ich mich durch Zufall an einem gemeinsamen Besuch des KZ Buchenwald und war Augenzeuge der dortigen „Sehenswürdigkeiten“. Seitdem werde ich den Gedanken nicht los: „Sind wir doch alle einst potentielle Opfer gewesen.“ Wir erhielten eine sehr bittere Lehre, welche ungeheuerliche Bezahlung forderte. Aber wer weiß, ob wir ohne dem was geschah, heute ein Heim hätten. Hier kann man ein großes Fragezeichen machen.

Mein Schreiben hat sich widerwillig in die Länge gezogen. Ich bitte abermals um Entschuldigung und wünsche Ihnen innigst alles Gute!

Mit vorzüglicher Hochachtung
Karl-Heinz Fröhlich“

(wird fortgesetzt)


Die Schulhefte des Herrn Fröhlich (3)

„Sehr geehrter Herr Vorsitzer,

ich bitte nochmal um Entschuldigung, da ich nicht das Recht habe, Sie zu belästigen. Nur nach langem Zögern konnte ich mich dazu entschließen.

Anfangs wiegte ich mich in der Hoffnung, in Zukunft eine Beihilfe beziehen zu können, aber allem Anschein nach wird diese meine Hoffnung doch scheitern.

Als zehnjähriger Knabe und Doppelwaise habe ich mir vorgenommen, die deutsche Sprache unbedingt zu erlernen. Ich begehrte in deutschen Büchern Trost zu finden. Dank meiner Beharrlichkeit ist es mir gelungen, die nicht leichte Aufgabe schrittweise zu bewältigen. Somit habe ich mir auf lebenslang wahre Freude erworben.

Meine Schulbildung erreichte kaum das Niveau einer Mittelschule. Ich musste das Studium aufgeben, um mich irgendeinem Beruf zu widmen. Als Werkzeug- und Stanzenmacher war ich 52 Jahre tätig. Diesem Beruf ergab ich mich mit Leib und Seele und wurde mit der Zeit zu einem anerkannten Fachmann. Ich widmete mich meiner Arbeit aus allen Kräften und war stets übermüdet. Als Ergebnis konnte ich mich niemals sattlesen, nie meinen Wissendurst stillen. Das bereitete mir Kummer, erweckte Unzufriedenheit.

Gegenwärtig bemühe ich mich, soweit wie möglich einiges Versäumtes nachzuholen. Für Goethe habe ich eine besondere Vorliebe. In seinen unsterblichen Werken finden wir Humanität und Wahrheitsliebe. Ohne Goethe ist unsere Welt undenkbar. Goethes Sprüche sind bezaubernd und immer aktuell. Allein die Mahnung  „Tu nur das Recht in deinen Sachen“ ist imstande, eine x-beliebige Religion zu ersetzen.

Ich konnte mich nicht enthalten, einen Extrakt aus dem IV. Band der Jubiläums-Ausgabe (Goethes sämtliche Werke in 40 Bänden) niederzuschreiben. Die mit der Hand geschriebenen Hefte , 40 an der Zahl, habe ich meinen Freunden verteilt. Nicht ohne innere Aufregung wagte ich mich, selbst an Herrn Bundeskanzler Helmut Kohl ein Heft zu adressieren. Sogleich machte ich mir Vorwürfe, unüberlegt, ja inkorrekt gehandelt zu haben.

Umsonst aber hegte ich Besorgnisse. Ich befürchtete eine Zurechtweisung und erhielt hingegen Lobpreisung. Das gab mir Mut, und bei passender Gelegenheit übermittelte ich dem deutschen Botschafter in Israel (ein überaus feiner Mensch) ein gleichartiges Heft. Eigentlich möchte ich nur hindeuten, daß nicht nur intellektuelle, sondern auch einfache Leute, ohne Hochschulausbildung, Goethe unendlich verehren und seine Werke hochschätzen. (Ich nütze die Gelegenheit aus und lege diesem Schreiben zwei Hefte bei.)“


(wird fortgesetzt)



Montag, 17. Dezember 2012

Die Schulhefte des Herrn Fröhlich (2)

Natürlich lautet der Name von Herrn Fröhlich nicht wirklich so. Ich habe den Namen geändert, ebenso wie einige Begleitumstände der Geschichte. Aber er hatte einen ähnlich schönen und vor allen Dingen beziehungsreichen Namen. Ja sogar einen noch passenderen. Aber den werde ich wohl für mich behalten müssen.

Nun ist es durchaus als schwierig anzusehen, nach 40 bis 50 Jahren noch zu prüfen, ob jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen geistigen Lebensmittelpunkt in einer bestimmten Kultur hatte. Und trotzdem war es unsere Aufgabe, diese Prüfung vorzunehmen. Dazu gab es eine Vielzahl von Detailinformationen, welche wir zusammentragen mussten, um diese zu einem schlüssigen Bild zusammenzusetzen.

Zunächst beschafften wir uns aus Archivunterlagen Informationen über die Region, in welcher unsere Versicherten zur fraglichen Zeit lebten und arbeiteten. In den frühen dreißiger Jahren fanden Volkszählungen statt, und viele der sich daraus ergebenden Unterlagen sind erhalten geblieben. So können wir auch heute noch feststellen, wie viel Prozent der seinerzeitigen Bevölkerung der jeweiligen Ortschaft sich als Deutsche, als Ungarn, Juden, Magiaren, Kroaten, Sinti und was es noch alles an verschiedenen Volksgruppen gibt, angesehen haben. Wir wissen von deutschen Schulen, deutscher Vereinskultur und kennen sogar die Farben des örtlichen Fußballvereins irgendeines Nestes in der ungarischen oder rumänischen Provinz.

Im nächsten Schritt mußten die Antragsteller eine Sprachprüfung beim israelischen Finanzministerium ablegen und einen umfangreichen Fragenkatalog zur ihrer Familie sowie ihren seinerzeitigen Lebensumständen beantworten. Die Sprachprüfung beinhaltet ein deutschsprachiges Diktat, das Erstellen eines deutschsprachigen Aufsatzes und ein Gespräch mit dem Sprachprüfer. Dieser wertete die Prüfung aus und sandte uns die Unterlagen mit einer Einschätzung zu. Dieser Einschätzung konnten wir folgen – oder auch nicht. Wir mussten uns ein eigenes Bild der Dinge machen.

Es ist immer wieder interessant festzustellen, wie gebildet man in den dreißiger Jahren auch in einem einfachen Arbeiterhaushalt war. Nur sehr wenige Antragsteller gaben an, deutschsprachige Groschenromane und Illustrierte gelesen zu haben, die deutliche Mehrheit schien eine Bibliothek mit den Werken großer deutscher Dichter und Denker im Wohnzimmer untergebracht zu haben; Goethe und Schiller hatten sie jedenfalls alle regelmäßig gelesen. Nun ja. Das kann man glauben. Muß man aber nicht. Ich habe den Groschenromanleser stets für glaubwürdiger gehalten, was aber nur meine persönliche Meinung ist und keine Vorgabe der Ausführungsrichtlinien war. Herr Fröhlich hingegen war anders.

Ein Verfahren zur Klärung dieser Beschäftigungszeiten und zur Prüfung der Zugehörigkeit zum deutschen Sprach- und Kulturkreis konnte sich durchaus über mehrere Jahre hinziehen. Ständig änderte sich die Rechtsprechung, immer wieder wurden neue Personenkreise als Berechtigte anerkannt, neue Gesetzte und Verordnungen wurden erlassen. Und alles in dem Verfahren wurde dann rückwirkend auf die ursprünglichen Anträge aus den siebziger Jahren abgestellt. Außerdem arbeiteten mit mir nur drei weitere Sachbearbeiter an den Israel-Fällen; wir waren aber bundesweit für alle (israelischen) Antragsteller der Personengruppe zuständig, um die es hier geht. Dabei handelt es sich durchaus heute noch um eine fünfstellige Zahl von Betroffenen.  Unsere Aktenschränke platzten phasenweise aus allen Nähten, über 1.200 noch offene oder wieder aufgenommene Anträge pro Sachbearbeiter gleichzeitig waren keine Seltenheit. Manche Akten wanderten für 15 Jahre nicht ins Archiv. Kaum war man fertig, gab es ein Urteil in einer anderen Sache, das wieder alles änderte.

Da die beteiligten Anwälte und Institutionen ihren Mandanten gegenüber auch nicht besonders auskunftswillig oder –fähig waren, wandte sich Herr Fröhlich in einem Brief direkt an uns. Dem Brief waren zwei mit schöner Handschrift beschriebene Schulhefte beigefügt.



(wird fortgesetzt)



Die Schulhefte des Herrn Fröhlich (1)

Die folgende Geschichte ist schon vor langer Zeit geschehen. Ich war Sachbearbeiter in unserem Fachbereich „Entschädigungsleistungen“  tätig und als solcher unter anderem zuständig für die in Israel wohnende Kundschaft. Um diese Geschichte erzählen zu können, muß ich zu Beginn etwas ausholen, um einige Hintergründe zu erläutern.

Im Bundesrecht gibt es zahlreiche Regelungen, die sich pauschal unter dem Oberbegriff „Wiedergutmachung von NS-Unrecht“ zusammenfassen lassen. Ich werde die für diese Geschichte relevanten Zusammenhänge etwas vereinfachen, so daß der Laie das Wesentliche nachvollziehen kann. Tatsächlich stellt sich die Materie etwas komplexer dar.

Vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs lebten in den Ländern des späteren Ostblocks zahlreiche Deutschstämmige. Diese wurden aufgrund der Kriegsereignisse vertrieben oder sind aus ihrer Heimat geflohen. In diesen deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa lebten auch zahlreiche deutschstämmige Juden. Viele von ihnen wanderten nach dem Krieg in das neu gegründete Israel aus. Sie hatten Hab und Gut verloren und litten auch unter gesundheitlichen Einschränkungen. Für diese durch die Kriegsereignisse erlittenen Schäden können sich die Betroffenen unter bestimmten Umständen von uns entschädigen lassen.

Um die für unseren Fall maßgebliche Entschädigungsleistung in Anspruch nehmen zu können ist es erforderlich, daß der Antragsteller zum Zeitpunkt der Auswanderung dem deutschen Sprach- und Kulturkreis angehörte. Dies ist durch den Antragsteller zu beweisen. Zum gesamten Entschädigungsverfahren gehören noch weitere Aspekte, so daß sich eine komplexe Struktur von Personen und Institutionen bildete, die an diesem Verfahren  beteiligt waren: ein israelischer Korrespondenzanwalt, ein in Deutschland ansässiger Anwalt, ein israelisches Finanzierungbüro, das israelische Finanzministerium, diverse staatliche Archive und natürlich der Antragsteller selbst. Einer dieser Antragsteller war Karl-Heinz Fröhlich.

(wird fortgesetzt)



Sonntag, 16. Dezember 2012

Gruß aus der Küche - Haschee-Hörnchen

Die zweitbeste Ehefrau von allen hat angekündigt, heute wieder zur Trainer-Ausbildung zu gehen, da ein Seminar-Tag angekündigt war. Ihr Fieber war gestern auch weg,  so daß begründete Hoffnung bestand, daß sie die Ankündigung auch in die Tat umsetzte. Da eine ganztägige Abwesenheit vorliegen würde, erhoffte ich mir, endlich den Zwiebelauflauf machen zu können, den ich eigentlich schon für meine Strohwitwerzeit vorgesehen hatte. Doch heute Morgen blieb nur festzustellen, daß das Fieber und starke Kopfschmerzen zurückgekommen waren.  Also Planänderung in der Küche. Entgegen meiner gestrigen Ankündigung beschloss ich, jetzt doch mal wieder den Kochlöffel für uns Beide zu schwingen. Es würde ganz spontan aus den vorhandenen Vorräten Haschee-Hörnchen geben.


Klassischerweise wird ein Haschee aus Resten von übrig gebliebenem gebratenen oder gekochten Fleisch- oder Wurstresten zubereitet, aber wer solches gerade nicht zur Hand hat, kann sich auch mit Gehacktem weiterhelfen. So wanderte 1 kg Hack in die Pfanne; aus der Nachschau betrachtet empfiehlt sich eher Rinderhack. Schnell wurden drei Zwiebeln geschnitten und gemeinsam mit  vier zerkleinerten Knoblauchzehen  zu dem Hack gegeben. Nach kräftigem Anbraten löschte ich alles mit ¼ Liter Rinderbrühe ab und würzte mit Salz, Pfeffer und Majoran nach.

In vollem Einsatz meiner Multitasking-Fähigkeit hatte ich in der Zwischenzeit auch 500 g Hörnchennudeln gekocht und abgeschüttet. Diese gab ich in das Haschee und mengte sie unter.

Ich fand das Ergebnis sehr lecker. Meine Angetraute, welche immer noch mit einer gewissen Geschmacklosigkeit zu kämpfen hat, überbrückte dieses Manko mit einer kräftigen Zugabe von Chili, Ketchup und geriebenem Mozzarella.

Und hier die Zutatenliste:

500 g Hörnchennudeln
800 bis 1.000 g Rinderhack
3 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen oder 1 Portionspackung Fertigprodukt
¼ l Rindfleischbrühe
Salz, Pfeffer, Majoran


Für die Geschmacklosen ferner:

Ketchup
geriebenen Käse
Chili   


Samstag, 15. Dezember 2012

Butter, Mandel und Gewürze

Heute war ein ganz besonderer Tag. Ich bin nach Urzeiten wieder höchstselbst mit dem Familienauto, Insidern und treuen Lesern als Balduin bekannt, zur Arbeit gefahren. Sonst mache ich das ja eher nicht, wegen weil a) ich ein Firmenticket habe und b) Balduin von der zweitbesten Ehefrau von allen gebraucht wird.

Aber ich musste den Wocheneinkauf zwingend heute erledigen, und meine Angetraute brauchte den Wagen ausnahmsweise mal nicht. Also gönnte ich mir den Luxus.

Mein Anliegen trieb mich zum Schwarz-Markt und zu dem falsch geschriebenen Onkel Tom. Insgesamt ist nichts besonders Aufregendes oder sonst wie Erwähnenswertes passiert. Dennoch möchte ich erzählen, daß die Auswahl bei TK-Produkten trotz riesiger Truhen so im engeren Sinne doch nicht wirklich ausgeprägt ist. Jedenfalls wenn es darum geht, mal wirklich was Abwechslungsreiches zu erstehen. Vieles sind doch nur Variationen unter verschiedenen Herstellern. Enttäuschend, wenn man mal bewusst drauf achtet und den ganzen Süßkram ignoriert.

Das ganze Tiefkühl-Zeug nehmen wir im Moment, weil echtes Kochen bei Frauchens nur langsam zurückgehender Erkältung nicht viel bringt. Wenn Sie erkältet ist, schmeckt sie nur wenig bis gar nichts. Wozu also den Aufwand, Junk-Food her. Yeah! Und dafür mache ich natürlich auch keinen Gruß aus der Küche.

Allerdings hat mich beim Einkaufen doch etwas überrascht. Es gibt nicht mehr alle Weihnachtsleckereien, die ich genau zu dieser Zeit gerne kaufen möchte. Die zweitbeste Ehefrau von allen möchte schon seit längerem Mandelspekulatius haben. Keine Butter- und auch keine Gewürzspekulatius, sondern die mit Mandeln. Und genau diese habe ich natürlich auch bei den letzten Einkaufstouren gesucht. Und nicht gefunden. Dafür aber Butter- und Gewürzspekulatius. Wenn ich gemein wäre würde ich sagen, daß sie jetzt, wo sie nicht so richtig schmecken kann, eben die anderen essen soll. Aber ich bin ja nicht gemein. Zumindest heute nicht.

Wie dem auch sei, habe ich auch heute wieder meine Blicke streifen lassen und musste feststellen, daß ich weiterhin keine Mandelspekulatius finden konnte. Selbst beim Schwarz-Markt gab es nur noch Butterspekulatius  in nennenswerten Chargen und Gewürzspekulatius schon fast gar nicht mehr. Beim Onkel Tom gab es hingegen gar keine Spekulatius. Überhaupt keine. Kann doch nicht sein, wir haben noch nicht mal den dritten Advent. Aber so langsam muß man ja Platz machen für Silvester, Karneval und vor allen Dingen Ostern. Die Ware ist bestimmt auch schon im Herstellerlager. Die von Ostern jedenfalls. Silvester schon nicht mehr, die muß schon ausgeliefert sein. Immerhin ist Halloween ja schon vorbei.

Dann gibt es dieses Jahr eben keine Spekulatius. Es sei denn, jemand von euch erbarmt sich und opfert eines der bestimmt bei ihm oder ihr gebunkerten Pakete. Und nochmal zur Erinnerung: Mandelspekulatius! Nix anderes. Keine Butter und keine Gewürze.

Ich mag übrigens keine Spekulatius. Vielleicht mal Butterspekulatius - in Milch getunkt. Aber dann komme ich mir immer wie ein Greis vor. Aber nicht weitersagen. Bitte. Danke.




Montag, 10. Dezember 2012

Jahresende

Wir nähern uns dem Jahresende. Das bedeutet im Büro:
  • 2 Sonderläufe im Rahmen der Abgabenerhebung, die termingerecht vor den Feiertagen abgearbeitet werden müssen
  • 1 Sonderlauf Kundenbefragung
  • 1 Sonderlauf zur Ermittlung von langlaufenden Verfahren zur kurzfristigen Abarbeitung
  • verstärkte Vertretung, da Urlaubszeit
  • weitere Vertretung, da Erkältungswelle
  • Zusatz(dauer)vertretung aufgrund mehrerer unbesetzter Stellen
  • Druck aus der Hauptverwaltung, die Bestände vor Übernahme des neuen EDV-Programms zu senken

Und das alles unter der Vorgabe, daß die Zahl der Überstunden, die in den neuen Monat übertragen werden können, von Dezember auf Januar von 40 auf 20 reduziert worden sind.

Schöne Weihnachtszeit.


Sonntag, 9. Dezember 2012

Urlaubsende

Die letzte Urlaubswoche ist jetzt auch vorbei. Viel war hier in unserem Hospital auch nicht los. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich die meiste Zeit kränkelnd im Bett aufgehalten (tut sie immer noch, dazu ein leckeres Antibiotikum), während ich mich immerhin tapfer bis ins Wohnzimmer geschleppt habe. Aber wie es so ist, hat man dann ja auch nichts von der Ruhe.

Wir hätten ja gerne mal wieder das örtliche Museum besucht. Ja, wir sind das. Wir gehören zu der exotischen, aussterbenden Art der Museumsbesucher. Und wir machen das auch noch gerne. Man hat unser Museum umgebaut und auch die Ausstellung verändert. Im Moment wird auch noch eine Wechselausstellung gezeigt, die mich sehr interessiert. War aber mal wieder nix. Nicht in dem Zustand. Sport war natürlich auch nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich. Doof.

In meinem Buch bin ich ebenfalls nicht richtig weitergekommen, weil ich mich in verschiedenen Blogs festgelesen hatte. Doch es ist mir gelungen, in den drei Wochen immerhin fünf DVDs zu gucken. Boaaah, jetzt muß ich wieder warten, bis die Weihnachtsbesuche vorbei sind. Vorher gibt es dafür keine Ruhe und Gelegenheit.

Immerhin habe ich ganz viel in unserer Hütte hin- und hergeräumt, wenn ich auch nicht so weit gekommen bin, wie geplant. Blöder Husten. Aber wenn jetzt ab Weihnachten die ganzen ausgeliehenen Werkzeuge wieder bei meinem Schwiegervater gelagert werden... hach.

Aber immerhin habe ich es geschafft, hier noch ein olles Marmeladenglas mit so einer gelblich-weißen Creme zu füllen. Nein, ich habe nicht reingehustet. Auch nicht gerotzt. Glaube ich wenigstens. Für wen war das noch? Das Gedächtnis, das Gedächtnis...

Ich warte einfach weiter auf den 1. Juni 2033.



Freitag, 7. Dezember 2012

Erkältung (2)

Kopfschmerzen, Augenbrennen, Halsschmerzen, Husten, Schniefen, Augentränen, Rotz, noch mehr Husten, wieder Kopfschmerzen, Husten, Augenbrennen, Halskratzen, Niesen, Augentränen, Frostgefühl, Hitzegefühl, Nasenjucken, Husten, Rotz, Kopfschmerzen, Husten, mal wieder Schniefen, Nackenschmerzen, Müdigkeit, Augenbrennen, Niesen, Augentränen, Kopfschmerzen, nicht schlafen können, Gliederschmerzen, Husten, Kopfdruck, Ermattung, noch mehr Ermattung, Augenbrennen, immer noch nicht schlafen können, Husten, Rotz, keinen Bock auf nichts, Katzen nerven, Husten, Gliederschmerzen, Frust haben, Kopfdruck, letzter Urlaubstag vor dem Wochenende.

Und alles ist der Briefträger Schuld, weil die zweitbeste Ehefrau von allen weiterhin hartnäckig leugnet, daß sie mich angesteckt hat.

Scheiße.

Ich erwarte angemessenes Heucheln von Mitleid. Los, anfangen!



Donnerstag, 6. Dezember 2012

Urlaubsfahrt (6)


Mein erster Weg führte mich zur Tankstelle. Ja, das war eine knappe Angelegenheit, aber nicht so knapp, daß ein akutes Risiko bestanden hätte, liegenzubleiben. Dann weiter zum Postkasten, meinen Brief einwerfen. Alles klar. Ab in die Spaßkasse, sich erinnern, die Parkscheibe vergessen zu haben, zurück zum Auto und das Vergessene nachholen, zurück zur Spaßkasse und bemerken, daß irgendwo ein Haufen Idioten nur darauf gewartet hat, aus ihren Verstecken zu springen und sich vor mir an dem Geldautomaten aufzustellen. Irgendwann war ich dran; die EC-Karte funktionierte immerhin tadellos. Fragt sich nur wie lange, denn bei mir haben die Dinger die Eigenschaft, trotz tadellosen Umgangs meinerseits mit ihnen vorzeitig bestimmte Dienste zu versagen.

Weiter ging es zum Doc. Mist, die Rezepte waren nicht vorbereitet, obwohl ich die vorbestellt hatte. Und der Doc selbst würde ungewöhnlicher Weise erst in einer Stunde ins Haus kommen. Deswegen war es in der Praxis auch so verdächtig leer. Die Sprechstundenhilfe konnte mir dennoch weiterhelfen, da es sich um eine Dauermedikation handelte. Allerdings wies sie mich darauf hin, daß mein Doc einen Vermerk hinterlassen hatte, nach der er mich nochmal untersuchen wollte und ein Termin zu vereinbaren sei. Ich sollte mich deswegen in Bälde nochmal melden, wenn sie wisse, was er alles mit mir vorhabe. Große Klasse, wahrscheinlich muß ich wieder so ein doofes 24 Stunden-Blutdruckmessgerät mit mir herumschleppen und auch wieder früh morgens zu Lasten meiner wertvollen Arbeitszeit seine Praxis aufsuchen. Passt mir ja so gar nicht.

In der Apotheke schließlich war es auch so richtig voll. Eine Mitarbeiterin hatte schon ihre Jacke an, um Feierabend zu machen, entschied sich jedoch dankenswerterweise dagegen und bediente weiter. Natürlich waren meine Medikamente nicht alle vorrätig, und auch die Umsetzung der Wünsche meiner Angetrauten zeigte sich jetzt nicht ganz so problemlos.

Und jetzt noch einkaufen? Montagnachmittag zur Feierabendzeit? Der Blick auf die Parkplätze zeigte mir genug. Ab nach Hause, einkaufen kann ich auch noch morgen Vormittag. Wenn ich wieder so eine Nacht habe wie von Sonntag auf Montag, verzichte ich auf den Sport, das steht mein Kreislauf nicht durch, aber einkaufen wird gehen. Um diese Uhrzeit ist es ruhig und weitgehend friedlich.

Gegen 18 Uhr wieder in der heimischen Wohnung stand ich erst mal vor einer Hitzewand; meine Nasenschleimhäute schwollen in Windeseile an, das Kratzen im Hals meldete sich direkt und ich bekam Hitzewallungen. Die Wohnung war für meinen Geschmack und nach meinen Wegen durch die Kälte bei zu geringer Luftfeuchtigkeit deutlich überheizt. Der Regler des Thermostates stand auf 26 Grad, wobei die zweitbeste Ehefrau von allen später jegliche diesbezügliche Intervention Ihrerseits verneinte. Vielleicht ist jemand von uns zufällig daran gestoßen und hat ihn verstellt. Normalerweise steht er hier auf höchstens 22 Grad, während meiner Strohwitwerzeit hatte ich ihn noch deutlich weiter runtergedreht, und in den späten Vormittags- bis frühen Nachmittagsstunden ist die Heizung hier ganz aus und das Fenster offen.

Mein Beutezug in der Apotheke war auch nicht zu Frauchens Zufriedenheit, aber wenigstens war das nicht meine Schuld.

(Ende)



Mittwoch, 5. Dezember 2012

Urlaubsfahrt (5)


Auf der Autobahn ging es zügig voran, doch wurde es im Wagen so langsam empfindlich kalt. Die zusätzlichen Stromverbraucher waren soweit es ging ausgeschaltet, so auch die Heizung. Nicht mehr lange, und mein vorgesehener Wendepunkt würde erreicht sein. Da sah ich das Elend auf der Gegenfahrbahn: ein Unfallstau! Mist, denn den konnte ich nicht umfahren. So richtig ortskundig bin ich hier nicht, daß ich einen anderen Weg wüsste, einen Navi hatte ich nicht dabei und mein Handy war mangels Strom auch nicht einsatzfähig. Was sich jetzt noch blöder bemerkbar machte war der Umstand, daß die Restkilometer-Anzeige, also die vom Bordcomputer geschätzte Strecke, welche ich mit dem vorhandenen Tankinhalt noch fahren könnte, sich dem Bereich näherte, in dem sie eben aufgrund der geringen Werte NICHT mehr berechenbar war. Üble Sache, und mein Nervenkostüm ist seit einiger Zeit aus verschiedenen Gründen ohnehin nicht mehr das Beste. Um nicht zu sagen: Es ist ziemlich an der Grenze dessen, was man als noch vorhanden ansehen könnte. Damit glich es zumindest dem Tankinhalt.

Ich wendete bei nächster Gelegenheit und fuhr zurück in Richtung Stau. Da ich gesehen hatte, was vorne los war, blieb ich gleich auf der linken von drei Spuren. Schnell kam das Polizeiauto mit dem Warnhinweis in Sicht, und dann lief auch schon nichts mehr. Der Verkehr stand. Und ich mitten drin, ohne das Risiko eingehen zu wollen, den Motor zum Zwecke des Benzinsparens auszuschalten. Denn wenn ich den an dieser Stelle nicht mehr in Gang gebracht hätte, dann wäre das Ergebnis auf der Autobahn was für die regionalen Abendnachrichten geworden.

Schrittweise bewegten wir uns weiter, und es war wieder interessant zu sehen, was die meisten anderen Teilnehmer des deutschen Personenkraftverkehrs vom Bilden einer Rettungsgasse halten – nämlich nichts. Rettungsgasse ist was für Anfänger. Also für alle anderen, aber nicht für einen selbst. Auf einer dreispurigen Autobahn befindet sich die Rettungsgasse zwischen der linken und der mittleren Spur. Also halte ich mich, wenn ich mich im Stau auf der linken Spur befinde, sinnigerweise auch äußerst links. Macht aber außer mir keiner so. Zumindest hatte ich den Eindruck vor Ort. Dann kam der Punkt, an dem die rechte und die mittlere Spur wegfielen und alles auf die linke Spur musste. Wieder zeigte sich der wahre Deutsche, denn so neumodischen Kram wie das Reißverschlussverfahren lernt der typische Deutsche wohl nie. Und schon gleich gar nicht, wenn ein LKW droht, sich vor einen zu setzen. Nun, ich bin ein atypischer Deutscher und komme also mit dem Reißverschlussverfahren klar. Im Zweifel auch mit LKW, aber dessen Fahrer hat sich lieber mit anderen Fahrern herumgezankt und deutlich gemacht, daß ein deutliches Mehr an Masse durchaus von Vorteil sein kann. Es ist halt immer eine Frage der Umstände. Genau wie beim Menschen…

Wir erreichten die Höhe, auf der sich der Unfall ereignet hatte. Ein Kleintransporter stand quer zur Fahrtrichtung, halb auf dem Standstreifen, halb im Graben. Sein Anhänger war auf die Seite gekippt und lag quer über rechter und einem Teil der mittleren Spur. Die Ladung, eine größere Menge Kies, hatte sich großzügig über den Fahrbahnen verteilt. An sich hätte es jetzt ja zügig weitergehen können, denn die Wagenreihen voraus befanden sich ja nun ausnahmslos bis nach der Unfallstelle auf der linken Spur, was bedeutet, daß man mit verhaltener Geschwindigkeit an der Gefahrenstelle vorbeifährt und nach dem Passieren derselben wieder zügig beschleunigt. Doch der Idiot vor mir wurde immer langsamer, bis er fast zum Stehen kam. Ein Gaffer!

So Typen habe ich ja gefressen. Und noch schlimmer, ich sah, wie er sein Handy zum Fotografieren auf den Unfallwagen richtete. Ich erlaubte mir, ihn anzuhupen, was aber nur dazu führte, daß er die Warnblinkanlage einschaltet. DU BLÖDE SAU, ICH SEHE, DASS DU NICHT WEITERFÄHRST UND ALLES BLOCKIERST, ABER ICH SEHE WEITERHIN KEINEN ECHTEN GRUND, WARUM DAS SO SEIN MUSS! Er fuhr dann langsam weiter, bewegte sich schließlich auf die nun freie mittlere Spur, dreht sich im langsamen Weiterfahren um und fotografierte weiter mit seinem Handy den nun hinter ihm liegenden Unfall. Egal, meine Spur war frei und ich gab Gas. Aber nicht ohne den Wunsch, meinen Baseballschläger auf seinen Wagen krachen zu lassen. Aber das Teil lag ja zu Hause…

Nach einem Autobahnwechsel kam der nächste Stau. Ein Gafferstau (*Hass*), aber zum Glück nicht so lang wie der erste. So kam ich zu Hause an, stellte den Wagen in den Carport und ging erst mal ins Haus, um mich wieder aufzuwärmen. Schnell erledigte ich einige haushaltstechnische Dinge und brach dann nach wenigen Minuten wieder auf. Der Wagen sprang einwandfrei an und ich konnte mich daran begeben, endlich all die Dinge zu tun, die ich schon vor Stunden erledigt haben wollte.

(wird fortgesetzt)