Sonntag, 8. Juli 2012

Intellektuelles Desaster

Sammmstaaaaag! Worauf freut ihr euch? Genau, auf eine schonungslose Offenlegung intellektueller Minderleistungen unserer Mitbürger. Nicht, daß wir das nicht alles unter der Woche auch erleben würden, aber samstags kommt es – wenn schon, denn schon – entweder mit geballter Kraft oder überhaupt nicht. „Überhaupt nicht“ hat heute nicht geklappt.
                                  
Aus organisatorischen Gründen konnte ich erst in der frühen Nachmittagshit… ähm …zeit losfahren. Vormittags parkte der als Balduin bekannte und berüchtigte Familienwagen vor dem Friseursalon, in dem sich die zweitbeste Ehefrau von allen ihre Haare wieder aufhübschen ließ. Somit war er meinem Zugriff zu der von mir bevorzugten Einkaufszeit entzogen. Egal, denn wenig überraschend waren die einschlägigen, von mir üblicherweise heimgesuchten Discounter auch nicht übertrieben voll.

Nun bin ich es ja gewohnt, daß die Fleischtruhen morgens noch ihrer Befüllung harren. So ging ich in freudiger Erwartung, eine prall gefüllte Kühltruhe zu sehen in den Laden. Ich darf euch sagen, die Umstellung zum morgendlichen Anblick war nicht übertrieben groß, denn die Truhe war schon wieder geplündert. Wie gut, daß ich nicht vorhatte, Grillartikel zu kaufen. Aber ich räume ein, daß meine Überraschung über den Anblick nun sooo gewaltig auch wieder nicht war. Und das, was ich haben wollte, gab es noch in ausreichender Menge, obwohl es sich um einen preisreduzierten Artikel handelte. Glück gehabt.

Der von mir höchstselbst ausgearbeitete Speiseplan der Woche sieht für morgen die Zubereitung einer Gemüselasagne vor. Zu diesem Zweck benötigte ich unter anderem Zucchini und Auberginen. Es kam wie es kommen musste: Der Schwarz-Markt hatte nur noch Zucchini. Ich könnte die natürlich mitnehmen und darauf hoffen, daß der Mitbewerber noch über Auberginen verfügt. Doch was tun, wenn dem nicht so wäre? Denn dann hätte ich für die Zucchini so überhaupt keine sinnvolle Verwendung, und die Katzen fressen die auch nicht. Also noch mehr zocken, das Teil erst mal liegenlassen und hoffen, daß der Mitbewerber beides noch vorrätig hat. Muß ich noch was dazu schreiben? Eigentlich nicht, aber der Vollständigkeit halber sei berichtet, daß es bei Feinkost Albrecht sehr wohl Auberginen, aber keine Zucchini mehr gab. Alles klar, also gibt es keine Gemüselasagne. Schweren Herzens werde ich die Nudelblätter nun wohl doch mit einer Fleischeinlage versehen müssen… Aber es ist ja der gute Wille, der zählt.

An der Kasse von Feinkost Albrecht war es wieder soweit. Ich kam und die zweite Kasse schloss. Kann ich mit leben. Vor mir eine junge Frau mit sehr großen… Augen, eventuell noch im Spätteenageralter, die das komplette Band mit ihrem Einkauf belegte. Muß ja kein Nachteil sein, denn es ist nach meiner Kassentheorie meistens besser, wenn einer viel kauft und nur einmal zahlt, als wenn viele nur wenig kaufen und es in Folge dessen viele Bezahlvorgänge gibt.

Nun näherte sich die ganze Sache dem Ende, da meinte die junge Dame, daß Mama noch hinten beim Frischgemüse was sucht. Ähm, was ist los? Mal davon abgesehen, daß ich das bei welchem Laden auch immer zu kaufende Gemüse Samstag nachmittags keinesfalls mehr als Frischgemüse titulieren würde und eher froh bin, dann noch Teile zu finden, bei denen ich sicher sein kann, daß die bis Sonntag noch genießbar sind, frage ich mich: WAS SUCHT MAMA DA NOCH SO LANGE? Die Gemüseabteilung hat um diese Uhrzeit durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit den eingangs erwähnten Kühltruhen bei Geschäftseröffnung. Mit anderen Worten: Sie ist geplündert. Der einzige Unterschied ist der, daß man vor Montag nicht mehr mit einer Wiederauffüllung rechnen kann. Was ich da innerhalb einer Minute nicht gefunden habe, gibt es nicht mehr. Schluß. Aus. Basta. Grausame Welt.

Nein, Mama suchte weiter, und suchte, und suchte. Das ausgesprochen Dumme dabei war, daß Mama sich als diejenige herausstellte, die das Portemonnaie mit sich führte und keineswegs gewillt war, selbiges an ihre Tochter weiterzugeben, damit diese schon mal bezahlen könne. Denn das hätte ja zur Folge, daß Mama sich im Falle eines unerwarteten Erfolges ihrer Suchaktion hinten in der Schlange einreihen müsste. Erst ein paar unwillige Worte aus der Schlange und auch aus dem unmittelbaren Kassenbereich, insbesondere aber der verzweifelt bis irre Blick der Tochter konnte sie dazu bewegen dafür zu sorgen, daß auch diese Einkaufsaktion endlich einem noch friedlichen Ende zugeführt werden konnte.

Die ganzen Bekloppten auf dem Parkplatz, die es nicht schaffen, die dunklen Parkflächen von den hellen Wegeflächen zu unterscheiden und ihren Mistkarren einfach da hinstellen, wo Platz ist, Hauptsache es ist keine dunkle Fläche, schaffen es ja kaum noch, mir auch nur ein Stirnrunzeln zu entlocken. Man müsste die einfach mal anquatschen und fragen, ob die es auch so schlimm finden, daß sich von den noch etwa 50+ freien Parkplätzen keiner weniger als 10 Meter vom Eingang entfernt befindet. Ist ja an sich auch ein Skandal. Aber der Typ, der mit seiner Uraltversion eines weißen Buggys, schütterem aber eindeutig für sein Alter zu langem hellblonden bis grauen Haar, der zu seiner weißen Hautfarbe kaum kontrastierenden weißen kurzen Hose und dem guten,weißen, männlichen Flair verströmenden Feinripp-Unterhemd verdient eine Erwähnung. Denn der hat den Vogel abgeschossen und stellte sich mit der Karre tatsächlich quer in den Eingangsbereich vom Feinkosthändler und verschwand in aller Seelenruhe in den Laden. Überflüssig zu erwähnen, daß etwa zwei Autobreiten daneben so eine seltsame dunkle Fläche auf dem ansonsten hellen Belag des Platzes frei war. Und da war noch nicht mal eine Mutter-Kind- oder Rolli-Kennung in der Nähe.

Herr, lass Hirn regnen. Aber in Dosen, damit es weh tut.