Sonntag, 24. Juni 2012

Jetzt aber ganz anders

Es ist Samstag. Einkaufstag. Da ich die letzten Male doch ein wenig betrübt über den Umstand war, daß Dinge, die ich käuflich zu erwerben plante, nicht zu meiner Verfügung standen, weil das durchaus dienstbeflissene Verkaufspersonal es noch nicht geschafft hatte, die leeren Kühltruhen beim Aufschließen der Türen und dem damit verbundenen Einlass der Kundschaft wieder aufzufüllen, legte ich mir einen genialen Plan zurecht.

Meine üblicherweise sonntägliche Frühsportrunde im örtlichen Sporttempel verlegte ich auf den Samstag und beschloss, den Mitarbeitern des bundesdeutschen Discounteinzelhandels so die Gelegenheit zu geben, die Verkaufsräume bis zu meinem nun zu späterer Stunde als üblich zu erwartendem Eintreffen zu meiner Zufriedenheit herzurichten.

So absolvierte ich meine Kraftübungen und erweiterte diese sogar bereits im Vorfeld zu meiner persönlichen Überraschung um eine Ausdauerkomponente. Unglückseligerweise ist dies nur an Wochenenden machbar, da ich meine sonstigen Heimsuchungen des Sporttempels unter der Woche aufgrund meiner persönlichen Befindlichkeiten und des damit einhergehenden Wunsches nach Vermeidung möglichst vieler unwillkommener sozialer Kontakte zu meinen Mitmenschen in selbigen Räumlichkeiten der sportlichen Ertüchtigung gerne auf die Zeit vor Arbeitsbeginn lege. Ein solches Unterfangen verbietet jedoch die Ausübung jeglicher Ausdauersportmaßnahmen, weil man seitens des Sporttempels leider meinen Wünschen nach früheren Öffnungszeiten weiterhin nicht nachzukommen gedenkt.

Haben alle diese Sätze bis hierhin verstanden oder musstet ihr zweimal lesen? Ok, ich auch. Mindestens. Und ich wusste, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Also weiter.

Der anschließende Einkauf verlief weitgehend unspektakulär. Die Bemühungen des Verkaufspersonals um Herrichtung der Verkaufsräume innerlich schätzend und wohlwollend begleitend musste ich feststellen, daß selbiges Personal es auch trotz meines nun mit dreistündiger Verzögerung erfolgten Eintreffens nicht vollends geschafft hatte, alle Neu- und Nachlieferungen ordentlich und griffbereit einzusortieren, doch waren die wichtigen Dinge geregelt – die Truhen mit Fleischwaren zeigten eine ordentliche und in ausreichendem Volumen vorhandene Befüllung. Den kleinen Lapsus im Getränkebereich lasse ich darum in einem Akt unermesslicher Gnade ohne weiteren Ruf nach der diensthabenden Aufsichtsperson außen vor.

Lediglich der Umstand, daß die uns gegenüber wohnende Nachbarschaft, welche ihrerseits einen der familieneigenen Personenkraftwagen auszuleeren gedachte, selbigen so unglücklich abstellte, daß ich nicht meinen sonstigen Gewohnheiten und den damit quasi schon erlangten Vorrechten vor unserer Haustür entladen konnte, sondern den Platz aufgrund des – unter gewissen Umständen sogar berechtigten – Durchfahrwunsches eines weiteren Nachbarn freimachen musste, trübte meine durch die morgendlichen Leibesübungen bedingte Ausschüttung von Glückshormonen erfahrene dramatische Verbesserung meiner Gemütslage doch ein wenig.

Mit anderen Worten: Die Karre musste im Carport stehen und ich konnte ein paar Mal hin und her latschen, um den ganzen Mist in die Hütte zu schleppen.

Aber das wollte ich alles gar nicht erzählen. Das große Unglück kam erst später. Quasi nach dem um 14.30 Uhr eingelegten Frühstück. Ich blätterte mehr oder weniger entspannt in den im Rahmen meiner morgendlichen sportiv angereicherten Einkaufstour mir zu Eigen gewordenen Angebotszettel der nächsten Woche und war förmlich gezwungen festzustellen, daß scheinbar in Bälde mit einem Schulanfang zu rechnen sein müsse. Und dann passierte es. Wie aus heiterem Himmel hatte ich den Anfangsteil eines Liedes im Ohr, welches ich gemeinsam mit einigen anderen Rotzblagen im Rahmen einer musikalischen Darbietung für die sicherlich begeistert der Veranstaltung anlässlich auch meiner Entlassung aus dem Kindergarten beiwohnende Elternpaare (ja, Kinder mit beiden Originaleltern in einem Haushalt, so was gab es damals noch) auf Weisung meiner Erzieherinnen auf der Bühne vorzutragen hatte. Man stelle sich den Text „Wir sind die Schulanfänger…“gesungen aus zarten Kinderkehlen zur Melodie der Eurovisionsfanfahre vor.

Hallo?! Der Mist ist jetzt grob vier Jahrzehnte her, und ich habe in all den Jahren nicht ein einziges Mal daran denken müssen. Und jetzt geht mir der Quatsch nicht mehr aus dem Kopf. Bloß wegen dieses blöden Zettels.

Ich werde den Schwarz-Markt verklagen.