Samstag, 19. Mai 2012

Der neue Wagen

Samstagmorgen – Einkaufszeit. Aus gegebenem Anlass mal wieder mit meiner Angetrauten. An sich wollte sie gestern alleine losziehen, aber dann wurde die Aktion auf heute verschoben, und ich sollte sie dann doch begleiten. Nun gut.

Einkaufen in Begleitung ist weitgehend doof. Man muß andere als die schon automatisch ablaufenden Wege gehen, und das in einer nicht üblichen Geschwindigkeit, der Einkaufszettel ist nicht wie gewohnt strukturiert und überhaupt hat man die ganze Sache nicht so im Blick wie sonst. Aber irgendwie klappte es schon.

Erste Station: Feinkost Albrecht. Am Ende der Einkaufwagenparkbox – oder an deren Anfang, wie man es halt nimmt – stand eine Überraschung: ein Kunststoffeinkaufswagen. Mit der Feinkost Albrecht-Beschriftung. EINER. Und zwar ein großer, nicht die kleinen Quengelwagen für die kleinen Quengelkinder, die mit Mama einkaufen gehen und diesen rollenden Einkaufskorb praktischerweise alleine und außerhalb des mütterlichen Blickfeldes mit Süßigkeiten und Spielzeug füllen können. Ansonsten gab es nur die hinlänglich bekannten Drahtkörbe auf Rädern, die man im Übrigen auch hervorragend als Grill verwenden kann.

Na, dann wollen wir das Ding mal testen. Das Rollverhalten ist als gut zu bezeichnen, das Transportvolumen entspricht wohl dem klassischen Modell. Aber das Beste: Es gab keine Lärmemissionen. Eine klare Nutzungsempfehlung! Einziges Manko: Das Teil passt nicht in die anderen Wagen; man kann sie also nicht gemischt zusammenschieben. Ich wüsste ja gerne, wie und vor allen Dingen warum das Teil da gelandet ist.

Im Aldi wurde die einzige offene Kasse heute vom Azubi bedient. Und selbiger hat offenkundig zum Ziel gehabt, den Rekord über die Anzahl der pro Stunde eingescannten Artikel drastisch nach oben zu setzen. Wir Kunden sind ja gut erzogen und räumen die aus strategischen Gründen ohnehin zu kurze Auflauffläche für eingescannte Waren schon blitzartig und fast ohne Überlegung ab. Dieser Bursche schaffte es aber so schnell zu scannen, daß sich da sogar bei mir ein Rückstau bildete. Und er schob weiter nach. Am liebsten hätte ich die nachfallenden Artikel ja so gesteuert, daß sie auf den Joghurtdeckel fallen. Und das alles natürlich mit dem Ziel, eine schöne Schweinerei zu verursachen. Dann kann er sich nämlich seinen Rekord in die Haare schmieren. Aber ich war ja wieder brav. Schade eigentlich. Aber der Rest der Belegschaft und auch die folgenden Kunden werden dankbar gewesen sein.

Nachdem Feinkost Albrecht – heute übrigens wieder mit gefüllten Regalen – abgearbeitet war, ging es weiter zum falsch geschriebenen Onkel Tom. Unterwegs stießen wir auf einen Vater, der seine Tochter suchte. Aber Muttern war ja ebenfalls vor Ort und hatte direkt die Lösung: „Wie ich meine Tochter kenne, steht die beim Griespudding.“ Siehste, geht doch. Das Töchterlein fand sich dann auch freudestrahlend vor dem Regal mit besagter Leckerei.

Zwischendurch verlief der Einkauf unspektakulär. Abgesehen davon, daß wir die beiden wichtigsten Posten auf unserem Zettel nicht besorgen konnten. Der Lammfonds war geplündert, Gänse-, Enten- und Waldpilzfonds sollte es dann doch nicht sein, und andere Sorten gab es nicht. Macht aber letztendlich nichts, denn Lammfleisch gab es auch nicht. So gleicht sich alles wieder aus.

An der Kasse schließlich kam er dann aber – der Kontakt mit der Generation, die unser Land erst kaputtgemacht hat und sich dann damit brüstet, es alleine, ja quasi persönlich wieder aufgebaut zu haben. Hinter uns stand nämlich eine Oma, welche - deren Gesicht nach zu urteilen -  dem Kaiser noch selbst die Hand geschüttelt haben könnte. Besagter Oma schien es etwas langweilig zu sein, erdreistete sie sich doch, das von uns zum Zwecke des käuflichen Erwerbs auf das Band gelegte Erzeugnis der Tagespresse aufzunehmen und selbst vorab studieren zu wollen. Leider konnten wir nicht feststellen, wie weit sie am Ende gegangen wäre, denn die zweitbeste Ehefrau von allen nahm ihr das Teil wortlos wieder ab und legte es zurück aufs Band. Wenigstens kam kein blöder Kommentar über die Jugend von heute.

*kopfschüttel*



Sonntag, 13. Mai 2012

Öffentlichkeitsarbeit

Heute war es mal wieder soweit – nein, ich habe keine Abenteuer beim Einkaufen erlebt, dazu hatte ich keine Zeit. Die zweitbeste Ehefrau von allen verbringt nämlich einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Zeit damit, sich dem orientalischen Tanz zu widmen. Tanzbegeistert war sie schon immer, aber mit mir an ihrer Seite wurde das Ausüben einer solchen Betätigung eine schwierige Angelegenheit. Ich bin nämlich ein begeisterter Nicht-Tänzer. Und sogar dem Bekunden der zweitbesten Ehefrau von allen nach ist das wohl auch ganz gut für meine Umgebung. Ich schaffe nicht mal den legendären Vierplattenblues, da mir wirklich jegliches Gefühl für Rhythmus und Takt abgeht.

So ergab es sich, daß man auf der Suche nach tänzerischer und gleichzeitig rückenstärkender Betätigung den orientalischen Tanz für sich entdeckte, dem man auch solo nachgehen kann. Schlichte Gemüter bezeichnen dies als Bauchtanz, jedoch steckt da schon etwas mehr hinter als die billigen Animiernummern, an die man als Laie zuerst denken mag, wenn man den Begriff vernimmt. Einen Glitzerbikini anziehen und dann mit den Möpsen wackeln reicht nicht und wird der Sache auch nicht mal im Ansatz gerecht. So viel habe ich auch als – zugegebenermaßen wenig interessierter Laie – schnell gelernt.

Die zweitbeste Ehefrau von allen erklärte mir auch, daß das über die Volkshochschule ganz günstig sei und man auch nicht viel Ausrüstung benötige. Im wesentlichen sei dies ein Münztuch, also ein um die Hüfte zu bindendes Tuch, an dem eine Unzahl von Münzen und anderer Glitzerkram befestigt sei.

Ich war damals noch so naiv, das wirklich zu glauben.

Zwischenzeitlich ist die zweitbeste Ehefrau von allen dabei, sich in die Semiprofiliga empor zu tanzen und mit einem Ensemble öffentlich und privat aufzutreten. Das bedingt natürlich auch, daß wir kurz davorstehen, entweder eine kleine Lagerhalle anzumieten, welche Platz für das ganze erforderliche Zubehör bietet, als da wären diverse Kostüme, Schmuck, Schleier und vieles mehr, oder aber unseren im Souterrain liegenden Kellerraum klammheimlich durch einen unterirdischen Gang und einen daran anschließenden ebenfalls unterirdischen Lagerraum zu erweitern.

Die Mädels hatten jedenfalls wieder einen öffentlichen Auftritt, und wie meistens zu solchen Gelegenheiten war ich als Kameramann gefordert, wenn ich schon sonst nichts Sinnvolles dazu beitragen konnte. Es gibt zwar auch männliche Baucht… ähm orientalische Tänzer, aber so richtig kann ich mich trotz ausreichend in Bauchhöhe befindlicher Schwungmasse weiterhin nicht dafür erwärmen, in dieser Richtung aktiv zu werden.

Wir haben einen guten Parkplatz bekommen, also ging es zügig per Pedes weiter in Richtung Bühne. Auf dem Weg konnte ich meiner zweiten Berufung im Zusammenhang mit dem Hobby der zweitbesten Ehefrau von allen nachgehen: dem Schleppen von allen möglichen prall gefüllten Taschen und Koffern. Kaum trafen wir auf den Rest der Meute, war ich der zweiten Berufung entbunden - und wurde aufgefordert, der dritten Berufung nachzukommen: Der Herr Kameramann und Kofferträger wurde direkt als oberster Harems- ähm Handtaschenwächter eingesetzt. Und zwar bis nach dem Auftritt.

So ergab ich mich halt in mein Schicksal. Habt ihr schon mal versucht, einer Horde vor Lampenfieber aufgekratzter Frauen auch nur irgendetwas abzuschlagen? Na seht ihr. Ich suchte mir also vollbeladen eine schöne Position zum Filmen, während meine Damen sich in die nicht sicherbare Zeltgarderobe begaben, um sich umzuziehen.

Die Bühne war breit, und wie ich die Mädels kenne, würden die wieder den ganzen Platz in Anspruch nehmen. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, daß sie mit der Größe einer Bühne zufrieden waren. Darum reizten Sie auch immer alles an Fläche restlos aus. Das bedeutete aber für mich, daß ich mindestens zehn Meter Abstand zum Geschehen benötigte. Gleichzeitig war die Bühne aber auch nicht übertrieben hoch. Man könnte auch sagen: etwas mehr als ebenerdig. Das ist natürlich blöd, da man ab der dritten Menschenreihe nur noch schlecht sehen kann. Dann soll ich mich immer so hinstellen, daß ich relativ frontal aufnehme, damit auch alle sichtbar sind und niemand verdeckt wird. Das schränkt die Auswahl an möglichen Plätzen drastisch ein. Hat aber soweit geklappt, nur die Menschenmenge vor der Bühne störte etwas. Da ließ sich wirklich nichts mehr machen. Das Stativ sorgte für eine hohe Kameraposition, das glich noch etwas aus und musste für heute reichen.

So stand ich da und wartete, gleichzeitig die Kamera, meinen Rucksack, drei Handtaschen, das Stativ, einige Handys, Portemonnaies und einen zusätzlichen Schlüsselbund bewachend. Scheiße, was war das wieder kalt geworden. Dann kam auch noch der schöne Hinweis, daß die Mädels entgegen der Planung nicht die Eröffnung machen, sondern der Auftritt weiter nach hinten verschoben wurde. Nun denn…

Die Filmerei verlief relativ gut. Keine Kinder mit Ballon oder sonstige Zwei-Meter-Hünen störten das Bild. Klar, ein paar Väter mussten ihre Blagen natürlich auf die Schulter nehmen und sich zentral positionieren, aber die haben auch nicht lange durchgehalten. Es war schon mal schlimmer, und da dieses Mal ohnehin keine Meisteraufnahme zustande kommen würde – wir erinnern uns an die geringe  Bühnenhöhe – hat es mich nicht sehr gestört.

Irgendwann war das Werk vollbracht. Die zweitbeste Ehefrau von allen musste noch Assistenz bei einem weiteren Auftritt im Nachbarort geben. Da war meine Anwesenheit nicht erforderlich, also ging es mit dem ÖPNV in Richtung Heimat. Ja, so wie heute müsste es unter der Woche sein. Der Zug fuhr zeitnah und pünktlich, dazu war er weitgehend menschenleer. Am Bahnhof Neustädter Ländchen klappte der Anschluss mit maximal vier Minuten zum Umsteigen problemlos in den weitgehend leeren Bus. Die komplette Tour zurück hat inklusive Fußwege etwas über 30 Minuten gedauert. Gestern habe ich alleine am Bahnhof 45 Minuten gewartet, bis ich einen Bus nehmen konnte…

Zu Hause musste ich mich erst mal wieder auf Temperatur bringen. Ein leckeres mexikanisches Bohnensüppchen aus der Dose sorgte für die wohlige Wärme, dazu gab es einen zuvor aufgenommenen Kulturfilm im Fernsehen – Saw IV. Ja, da kam heimelige Stimmung auf. Auch wenn der Inhalt des Topfes, den ich vom Herd geholt habe, schon Ähnlichkeiten mit dem Zeug hatte, das in Saw stellenweise herumkleckerte…


Samstag, 5. Mai 2012

Von Cola und schöneren Dingen

Muss ich mir Sorgen um meinen Feinkosthändler machen? Hat er seine Rechnungen nicht bezahlt und wird nun nicht mehr beliefert? Da schlage ich doch heute auf der Flucht vor dem Regen in unserer örtliche Filiale von Feinkost Albrecht auf, und was sehe ich? Einen geplünderten Laden! Wurden die Wandalen wiederbelebt und haben sich auf ihrem Marsch nach Rom in unsere verschlafene Gegend verirrt? Die Regale waren geplündert. Sämtliche. Na ja, fast. Überall. Beinahe zumindest. Man kann es aber einfach nicht anders nennen. Vereinzelte Reste in Teilbereichen sorgten für etwas Farbe in dem ansonsten eher tristen Regaldesign.  Ein Nachschub-LKW war auch weit und breit nicht aufzufinden.

Da musste ich den Laden doch tatsächlich wieder verlassen, obwohl die Sektion A wie Albrecht auf meinem Einkaufszettel nur zu einem Drittel abgearbeitet war. Aber falls es euch tröstet: Ich konnte noch einen bis zum nächsten Wochenende ausreichenden Vorrat meines Lebenselixiers ergattern – nämlich die gute Top Star Cola light. Yeah, ein Getränk für echte Kerle, das mir hier zu Hause auch niemand streitig macht. Tatsächlich habe ich erst eine Person getroffen, die das Zeug auch trinkt. Prost Katja, mit dir teile ich meinen Vorrat doch gerne, wenn du uns mal wieder heimsuchst.

Dann im Regen nach Hause, und schon stellt sich die Frage aller Fragen, die da lautet: Gibt es was schöneres, als den Wagen, der aus unerfindlichen Gründen von der zweitbesten Ehefrau von allen Balduin genannt wird, während strömenden Sonnenscheins in seiner flüssigsten Darreichungsform zu leeren, da das ganze kühlpflichtige Zeug sich einen Dreck darum schert, ob sein neuer Besitzer bei dem verzweifelten Versuch, die Kühlkette nicht zu lange zu unterbrechen, klatschnass wird oder nicht? Und das alles in dem Bewusstsein, dass man sich für seine daheim gebliebenen Lieben, die allesamt noch in Morpheus Armen liegen, gerne aufopfert? Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben. Aber die verrate ich euch nicht.